Kuh Lolle hat es gerade sehr schwer: Sie erwischt ihren Stier Champion dabei, wie er mit der doofen Susi fremdgeht. Der Bauer, der immer mit dem Knalldings kommt und Scheißkorn trinkt, muss den Hof schließen und alle Kühe sollen zum Schlachter. Lolle reicht es! Und dann liegt da noch ein schwerverletzter Kater vor ihren Füßen, der mit seltsamem Akzent redet und ihr was von Indien erzählt, wo Kühe heilig sind und nicht zwischen zwei Brötchenhälften landen…
Klar, eine Kuh mit menschlichen Eigenschaften, das kann schon ziemlich doof sein und kindisch enden. Bei David Safier jedoch ist es anders. Man entwickelt schnell Empathie mit Lolle und den anderen Kühen, die sich nach Freiheit und Leben sehnen. Tun wir das schließlich nicht alle? Dass der italienische Kater da gerade recht kommt und von Indien erzählt, ist pures Glück. Lolle haut ab und der Leser fiebert plötzlich mit und fragt sich, wo eine ausweglose Situation hinführen kann. Am Ende wird es im Schlachthaus enden, wenn Safier nicht ganz irre Wendungen reinbringt.
Wendungen gibt es. Lustige Passagen ebenfalls. Genauso wie Herzschmerz, Omas merkwürdige Hausrezepte, die viel mit Pinkeln zu tun haben, und Gedächtnisverlust. Zwischendurch geht es um Treue, um die dusselige Kuh Susi und die kuhliebende Radieschen. Das klingt alles so seltsam, aber wenn man sich darauf einlässt, dass man ganz menschliche und übermenschliche Geschichten erzählen kann, in denen Nichtmenschen die Protagonisten sind, hat man pures Lesevergnügen. Am Ende geht es vielleicht auch gar nicht darum, am Ziel anzukommen, sondern dass man sich auf den Weg macht – mit den richtigen Kühen. Und dass man das Glück wagt.
Ein gelungener Roman mit Charme und Tiefgang.
5/5
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David Safier – Muh!
Rohwohlt Taschenbuch, 2013
334 Seiten
