Ausstellung: Körperwelten – Der Zyklus des Lebens


Ein bisschen graust es mir dann doch, als ich in der Warteschlange am Einlass stehe. Als Gunter von Hagens Körperwelten-Ausstellung 2003 in München war, habe ich sie mir nicht angesehen, weil mir schon die Bilder reichten, um mich zu gruseln – oder zu ekeln. Aber in diesem Jahr wage ich es dann doch. Man muss anstehen, bevor man in die Kleine Olympiahalle kommt, der Andrang ist groß, Alt und Jung wollen in die Ausstellung und die faszinierenden Plastiken sehen.

Man muss sie bewusst machen, dass alles echte Menschen sind bzw. waren, das nichts einfach mal nachgestellt wurde, sondern in einem langen und aufwendigen Prozess bearbeitet und präpariert wurde, um ausgestellt werden zu können. Bevor man überhaupt die Ausstellung betritt, im Vorraum vor einem Stand mit Hotdogs und Getränken, steht eine plastinierte Ziege. Man sieht die Gedärme, Herz, Lunge, die Muskeln an den Beinen – einfach alles. Das ist ein guter Einstieg für das, was einen hinter der Absperrung erwartet.

Zuerst gibt es jedoch eine kleine Einführung, wie von Hagens überhaupt arbeitet, um eine solche Ausstellung zu ermöglichen. Die Leichen sind gespendet, denn die Toten haben ihre Körper extra für diesen Zweck hergegeben und sich bereiterklärt, bearbeiten und ausstellen zu lassen. Dann wird in komplizierten und vor allem langwierigen Verfahren der Körper zerlegt, ausgenommen, in die richtige Position gebracht, plastiniert und getrocknet bzw. gehärtet. Es ist interessant zu erfahren, wie so etwas überhaupt zustande kommt, auch wenn die ein oder andere Beschreibung für Menschen mit viel Fantasie sicherlich ekelerregend ist.

Der Zyklus des Lebens steht in München im Mittelpunkt. So beginnt der Rundgang mit Föten. Wie klein aber gleichzeitig fein ausgeprägt neues Leben mit unter zwölf Wochen bereits ist, wird einem sehr deutlich, wenn man die Ausstellungsstücke sieht. Dabei muss man sich bewusst machen, dass man bis zur zwölften Woche problemlos abtreiben darf. Mit Zitaten von Mark Twain und Co werden an den Wänden immer wieder auf die Vielfalt des Lebens und die Wichtigkeit, dieses zu schützen, hingewiesen. Weitere Tafeln erklären Herz, Blut, Schäden durch Rauchen oder Übergewicht und vieles mehr. Man kann viel lernen, alles sehen, was sonst unter der Haut verborgen bleibt. Herz, Leber, Nieren, sogar Geschlechtsorgane werden aufgeschnitten vorgeführt. Immer wieder sind ausführliche Erklärungen dabei, kleine Pfeile weisen auf Krankheiten oder besondere Merkmale hin. An einer Stelle kann man seinen Blutdruck messen, an einer anderen sieht man das eindrucksvolle Arteriengeflecht des Menschen – gleiches kann man auch von Tauben bewundern.

Ein Torwart und ein Tänzer lassen ihre Muskeln spielen, diese sind gerne mal aufgeklappt. Eine Bogenschützin stellt ihr Innenleben zur Schau und ganz am Ende findet sich ein Mensch, der in Einzelteilen von einem Gerüst hängt und sein Herz in der Hand trägt.

Auch eine Szene aus „Casino Royal“ findet man in München: Ein Poker spielendes Trio, das man im Blockbuster bewundern konnte – auch wenn sich viele gar nicht an die Szene erinnern können, wie man bald feststellt.

Querschnitte von Rümpfen und Gehirnen, Längsschnitte von einem schlanken und einem fettleibigen Menschen im Vergleich – das und vieles mehr ist zu sehen.

Der Lerneffekt ist enorm, wenn man sich wirklich dafür interessiert. Überall steht genau erklärt, welcher Muskel zu sehen ist, welches Organ unter welchen Umständen wie groß oder klein ist. Es ist eine faszinierende Darstellung des Menschen und seines Innenlebens, auch wenn man hier und da vielleicht einen starken Magen braucht.

Unter den Besuchern sind auch viele Kinder, was sicherlich für die Weiterbildung derselben nicht schlecht ist. Dennoch würde ich davon abraten, die Kleinen mitzunehmen und stattdessen auf eine gewisse Altersgrenzen zu achten, wenn man mit den Kindern in Körperwelten gehen möchte. Fasziniert sind sie dann aber doch vom allerletzten Ausstellungsstück, ein aufgerichteter Braunbär. der vor Muskelmasse nur so strotzt.

Wer Körperwelten besuchen möchte, kann dies bis zum 31.5. oder zwischen dem 12.6. und dem 5.10. in der Kleinen Olympiahalle in München. Der Eintritt kostet 19 Euro, die es absolut wert sind, Kinder, Studenten, Behinderte und Rentner zahlen weniger. Öffnungszeiten: Fr. – Mi. 10 – 18 Uhr; Do. 10 – 21 Uhr.  Weitere Infos auf der Homepage.

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