14.04.14 – The Stranglers in München


Nein, die Band ist nicht mehr jung und taufrisch, aber immer noch bekannt wie ein bunter Hund. Wer mit dem Namen nichts anfangen kann, wird schnell hellhörig werden, wenn er Songtitel wie „Golden Brown“ oder „Always the Sun“ hört. Das sind doch Evergreens, bei denen viele mitsingen können. Umso besser war es, dass die Herren vergangene Woche München besucht haben.

Als Vorgruppe stand Georg Auf Lieder alleine auf der Bühne. Mit Gitarre und einer wirklich tollen Stimme verzauberte er das Publikum und konnte rasch begeistern. Auch wenn einige zu Beginn skeptisch waren, ob der junge Deutsche wirklich ein passendes Vorprogramm für eine Post-Punk-Formation wie The Stranglers sein kann, Auf Lieder hat dann doch schnell alle überzeugt. Mit viel Charme, lustigen aber auch sehr ernsten Texten und einer tollen Ausstrahlung gewann er bald die Herzen für sich und konnte das Publikum sogar zum Mitsingen animieren. Das macht auch wirklich Spaß, wenn einfach der Text passt. Georg Auf Lieder sollte man sich auf jeden Fall einmal angehört haben, auf Platte ist er witzig und überzeugt mit den Texten und der manchmal auch recht subtilen Boshaftigkeit, die er schnell wieder mit viel Charme überspielen kann. Live zieht er einfach mit, kann schnell das Publikum für sich einnehmen, spricht es offen und ganz direkt an und hat immer ein Lächeln auf den Lippen und einen guten Spruch auf Lager.

Leider war die Theaterfabrik nicht so gut gefüllt, wie man es erwartet und gewünscht hätte. Dennoch sind viele gekommen, um die Altpunks zu bejubeln. 40 Jahre Stranglers bedeuten immerhin eine Reise durch 40 Jahre gigantischer Musik und toller Erinnerungen. Das sieht man dem Publikum auch an. Einige hatten ihre wilde Zeit, als die Stranglers begannen, die Bühnen der Welt zu erobern. Damals reckten sie vermutlich die Fäuste in die Luft und waren gegen das System und allen Konforme, prügelten sich wohl auch in der ersten Reihe mit dem damaligen Sänger. Heute sind es Anwälte, Ärzte, Bürohengste, die sich aufgemacht haben, um wenigstens an diesem einen Abend noch mal auszubrechen. Der Jubel ist bereits beim ersten Song absolut gigantisch, das Publikum grölt lautstark und begeistert mit. Es bliebt während der zwei Stunden, die das Quartett spielt, auch wirklich kein Hit ungespielt. Auch wenn der ein oder andere sicherlich noch einen weiteren Song gerne gehört hätte.

Die Herren sind in die Jahre gekommen, was aber nicht heißt, dass sie irgendetwas an Power eingebüßt hätten. Die Finger fliegen nur so über die Saiten, man rockt die Bühne, tanzt, lacht, singt aus voller Kehle und drischt auf Keyboard und Drums. Das Publikum wird auch hier direkt angesprochen und mit in die Show einbezogen. Man muss gar nicht mehr sagen, wann man bitte mitklatschen soll oder mitsingen, nein, das weiß jeder von selbst. Bereits beim ersten Song hat sich ein Moshpit gebildet, der immer wieder anwächst und abschwillt, aber das ganze Konzert über bestehen bleibt. Frauen kreischen, Männer grölen, die erste Reihe bekommt sogar während eines Songs Autogramme auf mitgebrachte Schallplatten. Man hat Spaß – Band wie Fans – und feiert an diesem Abend Hits, die viele über Jahre hinweg begleitet haben. Zwischendurch immer wieder ein kleiner Witz, der die Gruppe noch sympatischer erscheinen lässt. Baz macht sich in der Doppelrolle als Gitarrist und Sänger sehr gut, die Stimme ist tief und ruhig, er überzeugt auf ganzer Linie. Das Keyboard klingt nicht immer ganz so rund, Dave war aber live schon immer einer, der sich gerne mal kleine Fehler erlaubt hat. Stört das? Nicht im Geringsten! Es gehört einfach zu einem Livekonzert von den Stranglers dazu. Einziger Wechsel an diesem Abend: Am Schlagzeug sitzt nicht Jet Black, auch wenn sich viele auf ihn gefreut hatten. Stattdessen sitzt dort ein Jungspund, der den Altersdurchschnitt der Band nach unten zieht. Allerdings hat er an den Drums wirklich was drauf! Er drischt nicht nur blind drauf ein, sondern weiß sehr genau, was er tut, kann das Tempo halten, reinballern und wirklich eine erstklassige Show abliefern, die alle überzeugt.

Es war ein rundum gelungener Abend mit einer absoluten Legende! Wer sie sehen kann, sollte sie definitiv nicht verpassen. Jung und Alt vermischten sich an diesem Abend und rockten die Theaterfabrik. Achtung: Es besteht absolute Ohrwurmgefahr!

 

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