Coppelius in München – 04.04.2014


Vinyltonträgerveröffentlichungsfrühjahrskonzertreise. Das ist mal ein Zungenbrecher, der auch nur von Coppelius stammen kann. Es ist ja schon sehr löblich, dass der selbsternannte Kammercore endlich auf gutes, altes Vinyl zurückgreift und „Extrablatt“ entsprechend unter das Volk bringt. Wie lange hat man denn auf diese stilechte Form des Tonträgers warten müssen? Im Grunde zu lange. Die Schallplatte ist auch streng limitiert auf 300 Exemplare, die es nur auf der Konzertreise zu erwerben gab – möge es dabei bleiben und mögen Coppelius sich dadurch selbst ein bisschen wertvoller machen.

Die Backstage Halle in München ist ganz gut gefüllt, man steht sich aber noch nicht auf den Füßen und kann noch in Ruhe atmen und sich bewegen. Mit Spannung werden die werthen Herren erwartet, auf die man allerdings noch eine knappe Stunde länger warten muss, zuerst betreten nämlich Carpe Noctem die Bühne.

Carpe Noctem macht vom ersten Moment an einen Eindruck, sie wollten Apocalyptica nacheifern und tun das sicherlich auch. Cello und Co teilen sich die Bühne, geführt von langhaarigen Burschen, die ihre Köpfe kräftig hin und her schütteln. Während der Auftritt noch einen Hauch von Epik und Würde hat und man schnell an bestimmte Filme aus dem Mittelalter- und Fantasybereich erinnert wird, ändert sich dieser Eindruck bald. Mit viel Power und Geschwindigkeit wird auf die Drums eingedroschen, fliegen die Bögen und Finger über die Saiten. Ein bisschen stört der E-Bass, der sich so gar nicht einfügen möchte in das eher harmonische und klassische Bild der Instrumente. Aber damit muss man klar kommen. Die Band ist an sich recht starr, was der vollgestellten Bühne geschuldet ist, da Coppelius bereits aufgebaut haben, bleibt den Musikern des Supports nicht mehr allzu viel Platz, um zu agieren. Aber Headbanging geht bekanntlich immer und so muss man eher Angst haben. die Herren schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein. Das Publikum macht munter mit, lässt sich eine Weile einfangen von den schnellen Melodien, headbangt mit, tanzt ein bisschen und jubelt auch nach den einzelnen Stücken, die meist ohne Gesang auskommen. Leider wird das Ganze schnell eintönig und scheint sich zu wiederholen. Es fehlt die Abwechslung, jeder Song ist sehr ähnlich aufgebaut. Schnell und rabiat, mit einem kurzen, langsameren Part. Schön und gut, aber auf Dauer eben zu eintönig. Das meint das Publikum auch und der Enthusiasmus lässt schnell nach. Als irgendwann endlich die Ballade zu kommen scheint, hellen sich die Gesichter auf, aber schnell kommt es wieder zum eintönigen Geschrammel. Schade, Carpe Noctem hat sicherlich einiges drauf, kann aber leider nur bedingt überzeugen.

Coppelius kommen dann nach einer kurzen Umbaupause auf die Bühne. Mit weniger Magie als bei vorherigen Konzerten, wie man schnell feststellt. Eine nachgemachte Tardis, die dem aktuellen Filmhype entspricht, steht am Rande, irgendwann geht das Licht nicht mehr wie gewünscht an oder aus. Es ist egal. Bereits zu Beginn fehlt es an der Stimmung, die Coppelius bis dato immer aufbauen konnten. Schnell merkt man, dass die Band sich anderen Dingen gewidmet hat. Der Sound steht im Vordergrund, die Arbeiten am Ton haben sich gelohnt. Endlich kommt der Bass zur Geltung, die Klarinetten haben einen satteren Klang und auch das Cello spielt vollmundiger. Coppelius sind gleichzeitig härter geworden, rockiger, weniger auf das Schöne bedacht, das sie früher in den Mittelpunkt gestellt hatten, das Weiche, das die Instrumente in den Vordergrund gestellt hatte und die Besonderheit besser herausgestellt hatte. Die Herren hauen gleich voll rein, spielen brachial, schnell und mit erheblich mehr Power als früher. Man ist nicht mehr bei den Herren aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, die zwischendurch immer wieder Butler Bastille als genau das benutzen, was sein Name sagt. Es geht nur noch darum, eine Setlist runterzurocken. Das klappt dafür ganz gut. Die Platte wird rauf und runter gespielt, das Publikum hat seinen Spaß daran und singt und tanzt gerne mit. Es ist schnell eine schweißtreibende Angelegenheit, denn die ruhigen Songs fehlen vollkommen. Auch fehlt das Gespielte, das die Band früher ausgemacht hatte. Die edlen Herren, der Butler, die Schilder, die Lampe, der Absinth … alles ist nicht mehr da oder wird halbherzig hingerotzt, als sei es störend. Selbst das Vinyl wird stiefmütterlich behandelt und man hätte da schon mehr erwartet, als das sekundenschnelle Hochhalten der Schallplatte und der einfachen Ansage: „Wir haben Vinyl!“ Man wartet darauf, dass noch ein Spruch kommt, noch ein netter Schlenker, irgend etwas. Aber es bleibt leider aus. Auch das Hick Hack zwischen Coppella und Caspar ist zu rudimentären Blicken zusammengeschrumpft. Ja, die Musik steht im Vordergrund, das soll sie auch – dort stand sie meiner Meinung nach aber auch früher schon. Die Songs werden brav mitgesungen und man wirklich bis in die letzte Reihe Spaß am Konzert – doch hört man hier und da verhalten Kritik, dass es eben anders sei.

Nun muss man der Band auch zugestehen, dass sie sich schon immer ein bisschen verändert hat und die Fans der ersten Stunde bereits beim Album „Zinnober“ Kritik laut werden ließen, dass Coppelius nicht mehr so seien, wie früher. Jede Gruppe muss sich verändern, muss an sich arbeiten und sich weiterentwickeln. Fans ziehen mit, springen ab oder kommen hinzu und finden die Band genau wegen der Neuerungen gut. Allerdings vermisst man als „alter Hase“ eben das, was Coppelius früher von anderen Bands unterschieden hat – und das war ganz klar eine tolle und bis ins Detail durchdachte Show, die trotzdem nicht aufgesetzt wirkte. Zum anderen war es doch auch Musik, die sich von vielen anderen Formationen unterschied – nicht zuletzt wegen der Instrumente, die eben doch anders waren. Coppelius hat sich verändert und das ist nicht zwingend etwas Schlechtes. Es macht auch an diesem Abend Spaß, der Band zuzuhören und die Fans können lautstark mitsingen, lassen sich auf das ein, was ihnen geboten wird, neue Songs, neue Versionen, mehr Power, mehr Rock – weniger Show.

Leider bleibt dieser fade Nachgeschmack, der Coppelius etwas mehr ins Triviale abrutschen lässt, der enttäuscht und der den Zauber nimmt, der einst so gut einfangen konnte. Nichtsdestotrotz war es ein gutes Konzert, das zwar bei weitem nicht an die besten Konzerterlebnisse ever rankommen kann, das aber den Abend ganz gut vertrieben hat.

 

Fotos folgen.

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