25.04.14 – Dark Munich Festival. Tag 1


Bei einem dreitägigen Festival hat man am Ende des Tages so viele Eindrücke gesammelt, dass es schwer fällt, diese alle noch auf Papier zu bringen. Dennoch soll das nicht verhindern, dass es zum diesjährigen Dark Munich Festival ein Review gibt. Die dritte Auflage des Münchner Festivals hat für viel Aufsehen gesorgt. Zahlreiche Besucher stürmten das Optimolgelände und sagen, tanzten und feierten drei Tage lang zahlreiche Bands. Die Formationen aus Deutschland und der ganzen Welt ließen die Theaterfabrik erzittern und den Platz vor der aufgebauten Open Air Bühne toben. Was die Veranstalter hier aufgebaut haben, verdient Respekt und jede Menge Lob. Vor drei Jahren war ein eintägiges Festival angekündigt worden, das bereits damals namhafte Formationen in die bayerische Landeshauptstadt lockte. Nun ist es ein dreitägiges Fest der Schwarzen und EBM Szene geworden, zu dem man gerne aus aller Herren Länder anreist. Da störte auch kaum das schlechte Wetter am Sonntag – doch dazu später mehr.

Der Einlass um 10:30 Uhr dürfte für manch einen etwas früh gewesen sein, schließlich war für viele der Freitag noch ein ganz normaler Arbeitstag. Die meisten kamen doch etwas später. Als wir gegen 15 Uhr das Gelände betreten, röhren Die Perlen auf der Open Air Bühne. Die beiden Musiker können kaum überzeugen. Sängerin Katja Hah schreit ins Mikro, als müsse sie ohne diese Hilfe auch das andere Ende des Geländes beschallen. Da macht es auch nicht mehr viel aus, dass sie die Töne trifft, das Geschrei überzeugt einfach nicht, ist herzlos und eher ein: „Hui, ich stehe auch mal auf einer Bühne!“ als irgendwas anderes. Bühnenpräsenz scheint ein Fremdwort zu sein. Ferdinand Ess versteckt sich hinter der Technik, gafft seine Kollegin sehr gerne an, die barfuß über die Bühne läuft und verloren im vorderen Teil herumstolpert, mal springt, mal wild mit den Armen fuchtelt und anscheinend von allen Anwesenden am meisten Spaß hat. Das Publikum applaudiert teilweise. Nun ja, das gehört sich wohl auch so.

In der Theaterfabrik geht es mit Heimataerde weiter. Die Kreuzritter ballern ordentlich rein, erstaunen alle, die bisher gar nichts oder nur wenig von ihnen kannten, begeistern und verzaubern schnell das Publikum mit ihren ausgereiften Texten, der guten Show und viel Kunstblut, das aus Mund und fiktiven Wunden sprudelt. Es macht riesig Spaß, der Band zuzusehen und zuzuhören, sie haben alles, was man von einem guten Act erwartet und obendrein sprechen sie gut das Publikum an, fordern immer wieder zum Mitmachen auf und legen einen rundum gelungen Auftritt hin.

Auf der Open Air Bühne rocken Bloody, Dead And Sexy. Man hört sie natürlich auf dem gesamten Gelände und durch die Härte ziehen sie auch schnell die Schaulustigen an, die sich nur umgucken und auf spätere Acts warten. Ihr Sound geht ins Ohr, man hat schnell Parts herausgefunden, die sich wiederholen ohne langweilig zu werden, die aber zum Mittanzten oder gar Mitsummen auffordern.

Nach einer Pause stehen für uns Lacrimas Profundere auf dem Programm. Die Band aus Waging am See rockt die Theaterfabrik. Leider können sie mich nicht ganz so sehr fesseln, wie gehofft. Auf Platte scheinen sie mir doch etwas  härter und mitziehender sein. Live fehlt mir ein bisschen das Mitreißende.

Dafür können She Past Away total überzeugen. Schüchtern stehen die beiden Musiker auf der Open Air Bühne, fesseln aber dennoch das Publikum – was wohl nicht zuletzt am Aussehen liegt, das vor allem den weiblichen Fans ziemlich gefallen dürfte. Die beiden Türken bleiben zwar relativ starr auf der Bühne stehen, machen das aber mit einer guten Ausstrahlung wett, die ihre stark dem Post-Punk zuzuschreibende Musik gut unterstreicht. Nicht zuletzt deswegen schallt ihnen auch viel Applaus entgegen.

Zurück in der Theaterfabrik, ist es warm und ziemlich voll. Auf den Act habe ich mich schon eine ganze Weile gefreut, da ich viel über die Band gelesen und gehört hatte, bisher aber nicht in den Genuss ihrer Musik gekommen war – manches hört man sich doch nicht auf youTube an, sondern muss einfach live erlebt werden. Hanzel und Gretyl nehmen die komplette Bühne ein, legen sofort mit heftigen Rhythmen los, die durch Mark und Bein gehen und viele sofort zum Jubeln und Tanzen animieren. Ein bisschen schlagen sie aus der Art, weil sie eher in den Metalbereich gehören, die meisten anderen Formationen an diesen Tagen aber stark dem EBM und der electrolastigen Richtung angehören. Die größte Überraschung für mich: Eine Frau, die shoutet. Nein, das ist kein Einzelfall, aber ich habe noch nie eine Frau derart shouten hören – da kommt auch Arch Enemy nicht mit. Was Vas Kallas drauf hat und von sich gibt, sucht seinesgleichen und ist absolut hörenswert. Ein toller Auftritt, der viele Fans und Bewunderer anzieht.

Absolute Body Control beenden den ersten Open Air Tag, denn um 22 Uhr ist draußen Schluss wegen der Nachbarn. Dirk Ivens ist ja von vielen Projekten her bekannt und so zieht er auch zahlreiche Fans und Freunde an. Zu Beginn bewegt er sich, als steckte er in einer Zwangsjacke, etwas, das man eher von Klinik her kennt. Der Jubel ist groß, manche tanzen mit, viele singen mit. Bei mir zieht er leider nicht so ganz, mit fehlt der Aufhänger, das letzte gewisse Etwas, das mich dann komplett mitreißen würde, aber dennoch ist es ein sehenswerter Auftritt der Belgier.

Für so manch einen wartet ein echtes Highlight in der Theaterfabrik, denn dort stehen The 69 Eyes und rocken das Ding. Die Finnen wissen, wie man das Publikum für sich gewinnt, haben zahlreiche Verehrer in der Fabrik, die gerne die Hände heben, klatschen, tanzen und vor allem viel jubeln. Den Auftritt schaue ich mir dennoch nicht komplett an, weil ich auch mit dieser Gruppe nur bedingt warm werden kann und manches auf Platte besser klang als live, was aber ein rein subjektives Empfinden ist. Der Auftritt war gut, was man ganz objektiv sagen kann.

Während der Umbaupause spielen Eycromon in der Garage. Die Augsburger bringen den kleinen Raum zum Kochen. Zum Tanzen ist zwar nicht viel Platz, aber applaudieren kann man trotzdem und nur das zählt. Neben einigen Bewunderern gibt es auch viele Kritiker, die weder mit der Musik, noch mit der Darbietung viel anfangen können und schon bald die Garage verlassen – oder gar nicht erst betreten haben. Man kann nicht jedem gefallen.

Nun aber zum wirklichen Highlight des Abends, zum Headliner des Freitags, auf den viele gewartet haben. Alien Sex Fiend sind ohne zu übertreiben eine wahre Legende, die bekanntermaßen als Gesamtkunstwerk auftreten. Dazu gehört eine schaurige Bühnendeko mit weißbemalten Puppen, Pseudoschrumpfköpfen und so manch anderem, das einem wirklich Angst machen kann. „Der Sänger schaut genauso aus“, sagt jemand neben mir und deutet auf einen Plastikkopf. Ein wenig irritiert bin ich dann doch. Der Aufbau zieht sich in die Länge. In der Theaterfabrik drängen die Massen nach vorne, jeder will ganz nah sein und wirklich alles mitbekommen, was geboten werden wird. Nun, vorerst wird gar nichts geboten, emsiges Treiben auf der Bühne, das manchmal an Ameisengewusel erinnert, ein Roadie oder Bandmitglied – so ganz wurde mir das bis zum Schluss nicht klar – stimmt stundenlang eine Gitarre, die am Ende doch nur genauso klingt, wie jede andere auch. Die Zeit vergeht. Langsam wird die Menge unruhig, denn in Seelenruhe werden noch zerrissene Bettlaken aufgehängt, Bühnendeko muss sein. Mrs Fiend wuselt hinter dem Keyboard-Monster herum, fuchtelt mit den Armen, wirkt wie ein aufgescheuchtes Huhn, weil irgendetwas einfach nicht funktionieren man. Die Menge pfeift und johlt. Wann geht es denn endlich los? Für viele war es bereits ein langer Tag, die Füße tun weh, der Rücken, man ist müde – oder man muss den letzten Zug bzw. Bus erwischen, um diese Nacht überhaupt nach Hause zu kommen. Leider verlassen viele entweder vor Beginn des Konzerts oder nach nur wenigen Songs die Theaterfabrik und hetzen zum Bahnhof. Der Unmut ist groß, manche sind dann trotzdem für die eine Stunde Wartezeit entschädigt, weil sie eben Alien Sex Fiend hören und sehen können. Mein Unmut hingegen wächst. Alte Kabel sorgen für miesen Sound, Störungen oder gleich Ausfall der Technik, Mrs Fiend hat keinen wirklichen Spaß an diesem Abend auf der Bühne, dafür geht einfach viel zu viel schief. Mr Fiend lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen, singt, kreischt, läuft herum, trägt Schilder, raucht … er geht sogar während des Konzerts zum Roadie und verlangt ein neues Getränk und eine Zigarette. Dass dadurch eine Pause entsteht, ist egal. Von der Legende hätte ich mehr und Besseres erwartet, denn zumindest ich kenne bessere Musik von ihnen als das, was geboten wurde. Meine Laune ist entsprechend und als die Zugabe auch noch durch defekte Kabel in die Hosen geht, reicht es endgültig. Da bleiben mir sehr wenige positive Worte. Aber man muss zugestehen, dass es schon toll war, Alien Sex Fiend einmal live zu erleben.

 

Tag 1 ist geschafft. Mit vielen Impressionen, wehen Füßen und Vorfreude auf Tag 2 geht es nach Hause.

 

 

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