Rezension: Edward Lee – Bighead


Bighead ist nur eine Legende, die Jerrica und Charity nicht sonderlich ernst nehmen, als sie Charitys Oma besuchen. Die junge Frau ist auf den Spuren ihrer Vergangenheit und möchte der Frau, die sie großgezogen hat, wieder näherkommen. Jerrica ist eine sexsüchtige Journalistin, die eine Story über das Landleben schreiben möchte. Zwei Massenmörder vergewaltigen und ermorden auf ihren Touren Frauen auf bestialische Weise. Und da ist auch noch ein Priester, der ein geschlossenes Kloster renovieren soll. Doch Bighead ist mehr als nur eine Legende, Bighead ist real und er hat Hunger …

Edward Lee hat mit seinem Debüt „Bighead“ das wohl verstörendste Buch der Welt geschrieben, das sagt man ihm zumindest nach. Auf diesen Titel ist er stolz und es gehört auch schon ganz schön was dazu, eine Geschichte wie diese auf Papier zu bringen. Wer den Autor kennt, der weiß, dass alle seine Romane verstörend, eklig und pervers sind. Dennoch muss man bei „Bighead“ aufgrund der drastisch und detailreich geschilderten Vergewaltigungen, Morde und Mahlzeiten doch ziemlich hart im Nehmen sein. Lee ist ein wahrer Horrorautor, der diesem Titel alle Ehre macht.

Die Perspektiven wechseln sich immer wieder ab. Mal sind es die beiden Mädchen, mal die beiden Verbrecher, mal der Priester und mal ist es eben auch Bighead, der denkt, spricht und agiert. Das zieht sich manchmal etwas, macht aber gerade zum Ende hin die Story noch einmal extraspannend. Bald kommt raus, dass sie alle ihre Geheimnisse und dunklen Punkte haben und keiner unschuldig in sein Unglück stürzt – denn das tun sie irgendwie auf die eine oder andere Weise doch alle. Während die Morde, egal durch wen sie vollzogen werden, immer grausam und vor allem sehr eklig dargestellt werden, sind die Sexszenen lasziv und detailliert. Hier und da hätte man einen Aspekt weiter ausbauen können, beispielsweise das selbstverletzende Verhalten der Großmutter. Schön ist, dass keine Frage offen bleibt, auch wenn man während der Lektüre immer wieder auf eine Antwort wartet – man bekommt sie schließlich.

In einem Vorwort gibt Lee an, dass er bei der ersten Ausgabe die letzten 20 Seiten bezüglich eines Aspekts verändern musste, was er getan hat. Die hier vorliegende Ausgabe entspricht allerdings dem Originalmanuskript. So ist das Ende schon ein bisschen wild und man hätte einen gewissen Aspekt – der hier aus Spoilergründen nicht näher erläutert wird – noch ein bisschen weiter ausbauen können. Hat man aber nicht und trotzdem ist das Werk gelungen. Perfekt sind dafür die kleinen Feinheiten. Beispielsweise fühlt sich Lee sehr gekonnt in jede Figur ein, nimmt ihre Sprache an, gibt ihre Eigenheiten wieder. Es erscheint dem Leser, als wäre er Teil des Geschehens und das Bild der Protagonisten hat man eben durch die sprachlichen Veränderungen sehr deutlich vor Augen.

Bei Lee spiele Glaube und Atheismus immer eine große Rolle, so verhält es sich auch bei seinem Erstling. Gut dargestellt ist der Widerspruch im Priester, der auf der einen Seite ein braver und frommer Gottesmann ist, auf der anderen aber flucht und alles andere als gediegen ist. Seine Zwiesprache mit Jesus gibt der Figur noch etwas Besonderes. Ob Jesus seiner Seele dann allerdings gnädig ist, wird sich zeigen. Lee scheut nicht davor zurück, den Gläubigen verzweifeln oder gar trotz aller Frömmigkeit gehörig auf den Hinter fallen zu lassen.

„Bighead“ ist eklig und nichts für schwache Nerven. Ein verstörendes, krasses Buch für alle, die auf wirkliche Splatter stehen.

Edward Lee ist ein US-amerikanischer Autor, der nach seiner Zeit bei der Army und als Polizist endlich den Durchbruch schaffte und vom Schreiben leben kann, was er sich immer gewünscht hat. Seine Bücher sind drastisch und verstörend. Unter anderem erschienen: „Das Schwein“, „Der Höllenbote“ und „Flesh Gothic“.

5/5

Edward Lee – Bighead
Festa Verlag, 2012
352 Seiten
eBook: 4,99 €
Broschiert: 13,95 €
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Festa Verlag

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