Kritik: Wirtshaus Tading


Tading ist ein beschaulicher kleiner Ort bei Forstern. Man findet ihn kaum, denn von der Hauptstraße in Forstern weist kein Schild den Weg und man entdeckt nur bei großer Aufmerksamkeit die Tadinger Straße. Im Ort selbst sucht man auch weiter nach dem eigentlichen Ziel: Das Wirtshaus Tading. Versteckt und unscheinbar liegt es am Fuß der Dorfkirche und erwartet seine Gäste. Mit viel offensichtlicher Liebe zu Grünem und verschiedenen Pflanzen in voller Blüte wird ein eher unscheinbares Häuschen geschmückt, das 1894 seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern beherbergte. Im Inneren wird man von schlichten kastenförmigen Holztischen und -bänken empfangen – und von einer Schar von gelangweiltem Personal, das um die Bar herumsteht, begrüßt und sofort nach draußen in den Biergarten geschickt, ungeachtet unseres Wunsches, drinnen zu bleiben. Auf dem Weg durch das Haus in den dahinterliegenden Biergarten, treffen wir die Chefin, die uns versichert, wer einmal diesen Garten gesehen habe, bliebe dort. Wir haben keine andere Wahl, wir müssen draußen sitzen.

Nun ja, es ist grün und blumig und stellenweise recht urig hinter dem Haus, große Schirme halten die letzten Sonnenstrahlen ab und die verschiedenen Tische sind wie Tafeln aufgestellt, so dass man das Gefühl bekommt, in eine geschlossene Gesellschaft zu platzen. Immerhin kommt eine junge, weibliche Bedienung sehr schnell. Sie ist freundlich, aber auch zurückhaltend, legt eine abgegriffene und dreckige Klarsichtfolie mit einem handgeschriebenen Zettel auf den Tisch. Dieser stellt sich als Speisekarte heraus und enthält Obazta, Wurstsalat und überbackene Champignons. Eine kleine Karte für einen netten Abend im Biergarten. Wir sind jedoch wegen etwas anderem hier. Die sympathisch gestaltete Homepage verspricht seltene Öffnungszeiten, aber drei- bzw. viergängige Menues, die man sich selbst aus einer vorgegebenen Auswahl zusammenstellen kann. Die Speisekarte, die dort abgedruckt ist, spricht von Wachteln, Kräutlsuppe und Apfelstrudel. Nach eigenen Angaben gibt es „italienisch-französisch orientiertes Essen mit bayerischen Wurzeln“. Das klingt vielversprechend. Als unsere Getränke kommen, fragen wir nach der Menuekarte und erhalten eine sehr seltsame Antwort. „Wir wollen heute erst mal nur die Biergartenkarte machen!“ – Aha, und wann ist „erst mal“ vorbei? – „Ja also … heute halt und so …“ Die junge Frau windet sich und gerät sichtlich in Erklärungsnot. Endlich hat sie aber die rettende Idee: „Ich frag mal in der Küche nach, ob wir ein Menue zusammenstellen können.“

Das ist zwar eine nette Geste, aber wir sind skeptisch. Wir möchten nichts eilig Zusammengestelltes, sondern das, was auf der Homepage angepriesen wird. Längere Zeit geschieht nichts, bis die Bedienung zurückkehrt. In der Zeit hat sie zweimal geflissentlich neue Gäste ignoriert, die hinter uns Platz genommen haben. So langsam verliere ich die Lust, in diesem Wirtshaus zu speisen. Komplett vergeht es mir, als unsere Bedienung wiederkommt und erzählt, dass es eben keine Menuekarte gibt und ja auch gar nichts mehr da ist von Mittag. Das Schnitzel sei sowieso aus und nur noch etwas Tagliatelle da, aus der sie uns aber ein Menue machen könne. Warum es keine Menuekarte gibt, obwohl es anders auf der Homepage steht, kann sie uns nicht erklären. Wir bitten um die Rechnung für unsere Getränke und entschließen uns, zu gehen.

Wir warten fast zehn Minuten in einem kaum belegten Biergarten, der auf zwei Bedienungen aufgeteilt ist, auf unsere Rechnung. 6,40 € für zwei Spezi. Das geht, da sagt man auch gar nichts dagegen. Die Bedienung wurde wohl aufgefordert, uns doch zum Bleiben zu bewegen. Sie könne uns aus der Biergartenkarte auch ein Menue zusammenstellen. Nun ja, man kann auch allem ein Menue zusammenstellen, aber das ist bei weitem eben nicht das, was großartig angepriesen wurde und womit das Wirtshaus vollmundig wirbt. Auch die Frage, ob das nur heute so ist oder den Sommer über, bleibt unbeantwortet. Anscheinend ist es heute im Sommer so, bis irgendwann im Herbst oder wenn es halt nicht so – der Blickt geht zum Schirm, über dessen Dach der strahlende Abendhimmel glänzt – ist …

Ein malerisches, bayerisches Dorf, ein schöner Biergarten mit deutlicher Handschrift eines Blumenfreundes und Kuhduft. Das ist toll für Touristen, die vielleicht das kaum ausgeschilderte Wirtshaus zufällig finden mögen und keine Ansprüche stellen. Für Hungrige, die sich auf die Angaben der Homepage verlassen und einen schönen Abend verbringen möchten, ist es eine herbe Enttäuschung und ein absolutes No Go. Vielleicht würde es auch helfen, wenn man sichtbar kommuniziert, dass es im Sommer nur eine sehr eingeschränkte Biergartenkarte gibt und nicht die angepriesene Menueauswahl. Vielleicht wäre es auch gut, wenn nicht die Bedienung als scheinbarer Bote die schlechten Nachrichten übermitteln und sich  in absoluter Erklärungsnot winden müsste, sondern eben doch mal die Chefin zu den Gästen gehen und diesen erklären würde, was denn eigentlich los ist.

Das Wirtshaus Tading ist ein absoluter Reinfall, den man nicht empfehlen kann. Wer aber ein nettes Ausflugsziel sucht, kann sich die Kirche ansehen, spazieren gehen und danach auf eine Mass und einen Wurstsalat einkehren. Dafür reicht es.

1/5

Tag des Besuchs: Sonntag, 10.08.2014, 18 Uhr
Zeche: 6,80 €
Verzehr: 2 Spezi
Service: 1/5
Ambiente: 4/5
Auswahl: 1/5
Essen: 0/5
Sonstiges: Parkplätze sind unweit des Wirtshauses vorhanden; ansprechende Homepage mit viel Infos (anscheinend leider nicht aktuell gehalten); schlechte Beschilderung

 

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