Volxtanz – Pferd des Gaertners in der Glockenbachwerkstatt München – 16.05.2015


Im Rahmen des Volxtanzes spielen mal wieder Pferd des Gaertners in der Glockenbachwerkstatt in München. Kyra und meinereiner hatten an jenem Tage sogar eine gut 400 Kilometer weite Anreise, waren wir doch erst nachmittags aus Mannheim vom Janus Konzert am Tag zuvor zurückgekommen. Doch wenn der alte Mann Elmar mit seinen Mitstreitern die Bühne rockt, ist das natürlich ein Pflichttermin. Supportet wurden die Pferde an diesem Abend von der Salzburger Formation The Stroodles. So fanden wir uns eine knappe Stunde vor Konzertbeginn an der „Glocke“ im Herzen von München ein. Nur ein paar wenige Musikbegeisterte waren anzutreffen und es sprach alles dafür, dass die Location nicht so ganz voll werden würde.

IMG_6973The Stroodles – laut eigenen Angaben spielen sie Stroodlerock, laut Plakat Punkrock, laut einstigen Rezensionen Punk, Stoner, Hardrock mit Folkeinflüssen. Vorher noch nie was von denen gehört und erst mal nachgedacht, was der Name Stroodles eigentlich übersetzt bedeutet: eine leckere Köstlichkeit vielleicht? Oder doch ein Strudel, also eine Wasserwalze, die so einiges in die Tiefe zieht? Ein Quintett enterte die Bühne und man musste sich schon anfangs wundern, als man das Instrumentarium sah. Keyboards, Akkordeon, Mundharmonika und Flöten haben bei Punkrock eher weniger etwas verloren. Etwas verhalten legten sie los und man musste sich schon bei Beginn fragen, was machen die fünf eigentlich da auf der Bühne? Unmotiviertes Geschrammel, als ob eine Realschulklassencombo im Musikunterricht ein Stück für eine Hausaufgabe proben müsste. Müsste – denn nach Spaß sah das bei weitem nicht aus. Die Ladies auf Linksaußen standen etwas verschüchtert mit Gitarre und hinter dem Billig-Synthie, als ob sie nur dabei wären, weil sie die Freundinnen von den Musikern wären. Die Chords, die da aus dem Keyboard kamen, klangen nach Aldi oder Lidl, der Drummer, optisch nach Kunststudent aussehend, spielte einigermaßen solide mit gelegentlichen Hängern. Der Sänger und gleichzeitig Leadgitarrist wirkte wie ein IT-Student, der vermutlich eh keine Braut abbekommen würde, hätte er nicht eine Gitarre in der Hand. Einzig der herumzappelnde Bassist stand noch für etwas Rockartiges auf der Bühne. Ihm merkte man an, dass er Spaß an diesem seltsamen, disharmonischen Kuriosum hatte. Nur sehr verhaltener, einzelner Höflichkeitsapplaus war die Reaktion der Anwesenden. Lediglich die Fraktion „Ich-tanze-und-poge-eh-auf-alles-solange-es-genug-zu-trinken-gibt“ bewegte sich vor der Bühne. An sich sind die Österreicher ja bekannt für ihre leckeren Mehlspeisen und so ein Strudel gehört da schon zu den Gaumenfreuden, aber dieser hier war sehr mau und fast ungenießbar. Anscheinend war die Milch sauer. Vermutlich war aber doch der Wasserstrudel gemeint, denn dieser Auftritt ging komplett baden.

Nach einer kurzen Umbaupause gings weiter mit den Münchner Lokalmatadoren in Sachen Post-Punk. Pferd des Gaertners sind ja alte Bekannte  und wir hatten sie schon einige Male live gesehen. Es versprach also ein lustiger Tagesabschluss zu werden. IMG_7069Was mir an der Band schon immer bestens gefallen hat, ist das Wechselspiel der beiden Gitarren in Sachen Lead und Rhythmus. So auch heute wieder. Riese Peter hinter dem Mikro und Volker wechselten sich teilweise innerhalb der Songs mit den Gitarrenparts fließend ab. Bassist Elmar zupfte einige sehr schöne Bassläufe, die anfänglich leider lautstärkemäßig etwas untergingen. Mike an der Schießbude spielte wie immer sowas von solide seine Beats, dass sich seine Mitstreiter nach Belieben drauf austoben konnten. Nach mittlerweile einigen CDs (teilweise nur im Band-Alleinvertrieb) sind die Pferde ja schon alte Hasen im Geschäft und das merkte man ihnen auch an. Die Stimmung in der mittlerweile vollen Glockenbachwerkstatt kochte, ebenso wie die Temperaturen auf der Bühne. Kleinere Pannen wie etwas eine missglückte Gitarrenlinie, so dass nach ein paar Takten abgebrochen und mit großem Gelächter weitergemacht wurde, gehören mittlerweile schon fast zum Pflichtprogramm. In Sachen Post-Punk ist das Pferd des Gaertners in München ungeschlagen Spitzenreiter und das auch zu recht. Die ausgefeilten Songs mit deutschen und englischen Texten überzeugen auch live. Leider hat die kleine Glockenbachwerkstatt eine viel zu kleine bis nicht vorhandene Lüftung und so musste der klatschnass geschwitzte Sänger Peter bei der letzten Zugabe den Tribut zollen. Ihm blieb einfach die Stimme weg. Das war schade, aber nicht die Schuld der Band.

Fazit des Abends: Vorband grauslig, Hauptact wie immer bestens. Ende gut, alles gut.

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The Stroodles
Pferd des Gaertners

Setlist: Pferd des Gaertners

01 – Divine Horsemen
02 – Nightfall
03 – Hard-boiled Wonderland
04 – Onward Christian Soldier
05 – Mittelgroße deutsche Städte
06 – Sixty Seconds
07 – Der beisst nur
08 – Gnosis
09 – Schwester der Verspätung
10 – Poking dead Things
11 – Pandora
12 – Vorvorletzten Donnerstag

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