CD: Sündenrausch – Sündstoff


Angefangen hatte alles vor ca. dreieinhalb Jahren als Band. Mittlerweile sind davon nur noch Kira Hempel und Michael Albers übriggeblieben. Das Duo hat sich aber weder umbenannt, noch entmutigen lassen. Mit Sündstoff haben sie ein neues Album veröffentlicht, das eindeutig beweisen soll, dass es weitergeht.

Auf ihrer Homepage beschreiben Sündenrausch ihren Stil als „rockig, progressiv“ und „düster“. „Heroin“ lässt davon allerdings gar nichts erkennen und wirkt wie feinster Schlager a la Helene Fischer. Nicht ganz das, was man von einer Band erwartet, die sich der schwarzes Szene zuschreiben möchte. „Hier & Jetzt“ bringt immerhin schon mal etwas härtere Klänge in die Lautsprecher, wirkt aber auch noch etwas blass. Kira kann aber mit einer klaren Stimme überzeugen, wie man sich öfter bei Gothicformationen antreffen kann. Das ist weder gut noch schlecht, passt aber sehr gut zu dem, was Sündenrausch anscheinend verkörpern wollen. „Heute Nacht“ wartet partiell mit schönen Bassläufen auf, die ein bisschen zeigen, dass es eben doch eine Spur härter geht. Gefolgt wird das Stück von „Feuerregen“, das ein wenige elektronischer und schneller startet, dann aber wieder abflacht. Es ist Kraft da, aber die wird leider immer wieder gezügelt – sei es beim Gesang oder bei instrumentalen Parts, so richtig viel Power darf anscheinend nicht auf das Album. Dabei würden hier und da lautstarker, gerne auch schreiender Gesang und dunkle, kraftvolle Bassklänge ein schönes Gothic-Album entstehen lassen. Nur ein bisschen Abwechslung gibt es im letzten Drittel des Songs und man wünscht sich unweigerlich mehr davon! Es geht doch, warum nutzt ihr es dann nicht?

„Poesie“ ist eine schöne Ballade, langsam und recht einfach, viel Klaviermusik, die den Song zu einem schönen verträumten Stück werden lässt. Dazu passt der Text, auch der Gesang ist hier sehr gelungen. Leider nimmt das Lied aber die eben erst ansatzweise aufgebaute Kraft vollständig zurück und wirkt kaum als krasser Kontrast zu einem mächtigen Album. „Lüg mich an“ passt zum Vorgänger, allerdings scheint hier das Duo wieder mühselig Fahrt aufnehmen zu müssen. Auch der Text ist etwas langweilig, nach der fünften Wiederholung der Zeile „Lüg mich an“ weiß auch endlich der letzte Hörer, dass man angelogen werden will – oder doch nicht? Auf den restlichen Text nimmt man da leider gar keine Rücksicht mehr. Auch „Wahnsinn“ birgt keine Überraschung. Dafür geht es in „Brenn!“ doch endlich mal wieder mit Power zur Sache, man kann sogar vom besten Song des Albums sprechen, der endlich – und wohl leider auch einzig – das hält, was die Band auf ihrer Webseite versprochen hatte. „Verstand verloren“ ist die x-te Ballade des Albums, das endlich mit „Ewig verbunden“ zu Ende ist.

Der erste Eindruck ist leider enttäuschend. Ein bisschen zu trivial, ein bisschen zu „girly-gothic“. Sündstoff könnte erheblich mehr sein und entfaltet seine Kraft leider erst, wenn man sich noch einmal an die CD wagt und diese in einem sehr ruhigen Augenblick noch einmal anhört. Dann kommen kleine Feinheiten ans Licht, vor allem aber Texte, in denen doch mehr steckt, als nur ein bisschen Liebe-Enttäuschung-Bla-Bla. In meinen Augen verkaufen sich Sündenrausch leider unter Wert mit diesem Album und driften zu einer trivialen Gothic-Band ab, wie es sie zigfach gibt, ohne Spuren oder gar einen Ohrwurm zu hinterlassen. Da geht mehr, da schlummert erheblich mehr Potential, das entdeckt werden  möchte. Ein bisschen mehr Power, ein bisschen mehr Mut zu schnelleren Songs und einem leidenschaftlicheren Gesang, der die Stimme von Kira noch mehr nutzt, schaden nicht.

Das Fazit fällt in diesem Fall also leider schlechter aus, als es eigentlich müsste. Sündstoff ist das Album für sehr ruhige Momente, ein bisschen Liebeskummer und alle, die lieber auf den Text als auf die Melodie hören.

2,5/5

Anspieltipp: Brenn!

Sündenrausch – Sündstoff
Sündenrausch, 2015
Gesamtlänge: 38  Minuten
CD: 17,98 €
MP3: 8,99 €
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Sündenrausch

Tracklist:
Heroin
Hier & Jetzt
Heute Nacht
Feuerregen
Poesie
Lüg mich an
Wahnsinn
Brenn!
Verstand verloren
Ewig verbunden

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