Restaurantkritik: Perlacher Hof in München


Der Perlacher Hof war uns empfohlen worden, weshalb wir ihn endlich einmal ausprobieren wollten – und ich nehme es vorweg: Wir hätten woanders hingehen sollen.
Das Restaurant war voll und wir kamen uns fast störend vor. Allerdings wurden wir dann an einen großen Tisch zu anderen Gästen dazu gesetzt, was ja noch okay war.
Eine größere Gesellschaft war im Hauptgastraum und leider ziemlich laut – wofür natürlich niemand etwas kann, aber es zählt ja der Gesamteindruck. Ansonsten wirkt der Gastraum recht kalt, zweckdienlich eingerichtet, das war’s. Nur im Eingangsbereich sind Steirer Spezialitäten auf Grund der gleichnamigen Wochen aufgebaut, was ganz nett ist, aber dem Rest der Gaststube jetzt auch nicht mehr Atmosphäre verleiht.

Ein Kellner fragt sofort nach unserem Getränkewunsch. Zwei Kellner, unsere Essensbestellung und 15 Minuten später haben wir zwar eine Suppe, aber immer noch keine Getränke. Überhaupt scheinen die Tische nicht unter dem Personal aufgeteilt zu sein. Jeder rennt irgendwo herum, keiner scheint einen festen Bereich zu haben und hinter der Bar herrscht Chaos. Wie kann man denn keine feste Barschicht haben? Jeder macht gerade mal das, was anfällt, arbeitet Bestellungen halb ab, lässt einen Teil stehen, ein anderer macht schales Bier fertig und bringt es raus, nebenbei wird die Spülmaschine eingeräumt – lautstark – und ebenso geleert.

Wir bestellen als Vorspeise eine Kartoffelsuppe mit angebräunten Klosterseufzern für 5,90 €, etwas teuer im Vergleich zu den anderen Suppen; außerdem den Steirer Backhendlsalat für 9,90 €. Nach dem Dressing werden wir nicht gefragt, daher fragt man sich, warum groß über den Vorspeisen steht: „Unsere hausgemachten Dressings zur Auswahl“. Es wählt wohl der Koch. Obwohl wir deutlich machen, dass es sich um Vorspeisen handelt, bestimmt die sehr unsympatische, kühle, herrische Bedienung (megaschlank, gerader Rücken, kein Lächeln, keine Freundlichkeit) in einer angedeuteten Frage, die aber keine Wahlmöglichkeit lässt, dass sie die Suppe auf zwei Tellern und nicht in der Terrine bringt. Für uns okay, da wir uns die Vorspeisen teilen wollten, auch wenn wir das ihr gegenüber nicht verbalisiert hatten.
Sie ist kein Teamplayer, herrscht ihre Kollegen an (keine Ahnung, ob sie die Chefin ist. Die Webseite bietet zwar einen Text über die Wirtsfamilie, aber keine Fotos. Sollte sie die Chefin sein, ist sie absolut mies) und verbreitet miese Stimmung und Hektik. Sie fragt uns nicht nach den Getränken, kommt aber noch mal zum Tisch zurück und fragt die Hauptspeisen wiederholt ab. Dann verschwindet sie und lässt lieber arbeiten. Sie kann ihre Kollegen deutlich darauf hinweisen, dass diese das Essen rauszubringen haben, aber selbst nicht mit Hand anlegen. Sicherlich wurschtelt sie an der Ausgabe rum, aber da fehlt das Team, das Professionelle, das Unterstützende.

Die Suppe kommt zuerst auf zwei Tellern mit zwei Scheiben Weißbrot für jeden. Eine klare, geschmacklose Gemüsebrühe aus der Packung, grobe Kartoffel- und Selleriewürfel hinein geschnitten, abgezählte Wurststücke, die stellenweise zu lange in der Pfanne schwitzen mussten. Ohne diese jedoch wäre die Suppe noch langweiliger, denn sie sorgen wenigstens für etwas Geschmack. Wir halten einen Kellner auf und bitten um zwei Spezi. Der junge Mann in der roten Weste ist sehr freundlich, lächelt, entschuldigt sich und bringt sofort die Getränke. Ein sehr netter Kellner, der die Augen offen hat, nachfragt und lächelt – trotz Stress sieht er den Gast!
Die Suppe kann man sich zu Hause sehr gut selber machen, Brühwürfel auflösen, fertig. Das Weißbrot ist 08/15. Die Klosterseufzer sind sehr gut. Ich habe vier Stückchen, meine Begleitung zweieinhalb.

Der Backhendlsalat ist toll angerichtet in einer dünnen Teigschale – die so neutral schmeckt wie Pappe und das gute Kürbiskernöldressing nicht im Geringsten aufsaugen kann. Hier kann man doch sicherlich etwas anderes machen! Der Salat ist Standard, lässt sich durch die Schale schlecht essen, das Dressing ist super, das Backhendl mit der Kürbiskernpanade absolut spitze. Wir bekommen endlich auch Besteck und Servietten (warum nicht vorher???), aber keine zwei Teller. So, warum bestimmt die gestrenge Dame, dass die Suppe auf zwei Tellern serviert wird, aber gibt nicht zwei leere Teller zum Salat dazu?

Zwischen Vorspeise und Hauptgang suchen wir die Toiletten auf. Bei den Herren ist der Handtuchspender leer. Bei den Damen hat man schon sauberere Toiletten gesehen. Es würde sich anbieten, dass man diese Desinfektionsmittelspender installiert, damit jeder selbsttätig die Klobrille abwischen kann, wenn man das möchte. Der Seifenspender tropft, der Wasserhahn funktioniert insofern, dass ein bisschen Wasser rauskommt. Man müsste mal zwischendurch mit einem Lappen über die Toiletten und das Waschbecken gehen.

Als Hauptspeise haben wir den Schweinsbraten in Dunkelbiersoße mit Kartoffel- und Semmelknödel und Speckkrautsalat für 9,50 € sowie den Pfarrerwürger, Spinatknödel mit brauner Butter und gehobeltem Bergkäse, dazu Beilagensalat für 12,50 €.

Letztere sind vier dünne Scheiben, die in zerlassener Butter ertrinken und unter Käse ersticken. Geschmacklich aber sind sie sehr lecker.

Der Schweinsbraten ist unterer Durchschnitt. Das Fleisch ist okay, die Sauce ist alles, aber keine Dunkelbiersauce, noch dazu aus der Tüte, was man deutlich schmeckt. Die Kruste ist kaubar, was ich sogar gut finde. Die Knödel sind zwei Semmelknödel und nicht wie angegeben einmal Semmel-, einmal Kartoffelknödel. Sie schmecken nach nichts. Nach rein gar nichts. Nicht mal nach Salz. Ein leichter Bärlauchgeschmack entsteht, wann man die Kräuter isst, die obendrauf sind, die ich erst für Petersilie gehalten hatte. Sie sind vermutlich zwar hausgemacht, aber geschmacksneutral und alles andere als zu empfehlen. Selbst mit der Packerlsauce wird es nicht besser. Der Krautsalat scheint ebenfalls hausgemacht, mir persönlich ein bisschen zu wenig Geschmack. Es ist nicht der typisch bayerische Speck-Kümmel-Kraut-Geschmack. Es ist Kraut und gut. Absolutes No-Go: Der Teller ist nicht sauber. Der Tellerrand ist deutlich mit Kalkflecken besprenkelt und ist mit Tropfen von Sauce bekleckert. Der Tellerrand gehört dem Gast; ist so, bleibt so! Darüber könnte man hinwegsehen, wenn man ein Auge zudrückt, das Essen gut ist und vor allem nicht noch angebranste Essensreste vom Vorgast an der Seite kleben würden.

Der doppelte Espresso ist Durchschnitt und mit 3,00 € definitiv überteuert.

Fazit: Der Perlacher Hof ist nicht zu empfehlen. Ganz nett, wenn man mal schnell etwas essen möchte, damit man etwas im Bauch hat, aber nicht die Empfehlung für ein gutes Abendessen – und dafür auch zu teuer.

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