CD: Morta Skuld – Wounds deeper than time


Handeln wir mal die hard facts ab, bevor es ans Eingemachte geht. Morta Skuld sind seit 27 Jahren im Geschäft. 1990 gegründet, hat sich das Quartett irgendwann um 2004 herum aufgelöst. Aber das war nicht das Ende. 2012 kamen sie zurück und seitdem sind sie wieder eine sichere Bank, wenn es um guten Death Metal geht. Sie stammen aus Milwaukee, USA, und machen es einem nicht gerade leicht, über sie etwas zu erfahren. Immerhin, 2014 gab es eine EP Serving Two Masters, und jetzt kommt endlich ein neuer Longplayer, der erste seit 20 (!) Jahren. Da erwartet man schon was. Ob man enttäuscht wird, wird sich nun zeigen.

Wounds deeper than time fängt auf jeden Fall schon mal gut an. Gitarrenklänge, die aus der Anlage dröhnen und einen dazu verleiten, gleich mal ein bisschen innezuhalten und zuzuhören. Ja, vielleicht schafft es die Band mit dem ersten Track „Breathe in the black“ zu zeigen, was sie drauf hat. Es wird auch rasch nach dem Einsetzen eines ganz guten Growlings (dazu kommen wir gleich noch) etwas schneller, getriggertes Schlagzeug, hach, einfach eine Band, die man auf einem Festival mitnehmen würde.
„Hating life“ zeigt dann zum einen, was man so vom Leben halten kann, zum anderen haut die Nummer ordentlich auf die Trommelfelle und boxt sich mit einem schnellen Riff durch. Das Growling ist nicht schlecht, und ja, wie knüppeln hier schnell ein Klischee durch, es ist nur halbherzig, weil man den Text größtenteils sehr gut verstehen kann. Im Ernst, das rechne ich Morta Skuld mal hoch an, man versteht Sänger Dave Gregor und kann dadurch auch mal nachvollziehen, worum es denn geht. Zwischendurch, nur kurz zwar, aber immerhin, haben wir ein feines Gitarrensolo, das schon mal aufhorchen lässt, weil man es gar nicht vermutet.
Immer noch zu langsam und brav? Dann eben weiter. Mit „My weakness“ sind wir nun endgültig im Death-Metal-Himmel angelangt und drehen richtig auf. Morta Skuld prügeln auf die Instrumente ein und legen einen fetten Sound hin. Das Tempo wird nur langsamer, wenn Gregor sein Growling in Mikro haucht. Auch hier hört man wieder eine vorwitzige Gitarre, die mal eben die Führung übernimmt und diese dann auch bald wieder an die anderen abtritt. Gute Nummer, die hier und da kleine Death-Metal-musikalische Überraschungen birgt.
„Against the origin“ knüpft nahtlos daran an, während „In judgment“ noch eine Nummer schneller zu werden scheint. Nein, man kann einfach nicht stillhalten, wenn die Songs aus den Lautsprechern dröhnen. Ein bisschen Sehnsucht nach Metal-Festivals kommt auf, aber in diesem Jahr werden wir zumindest nicht in Deutschland auf Morta Skuld treffen können. Wer aber mal die Gelegenheit hat, sollte sie wahrnehmen, denn nach dieser Scheibe können sie live eigentlich nur eine sichere Bank sein.
Nummer Sechs ist der Titeltrack und ein absolutes Brett, das uns um die Ohren gehauen wird. Nehmt und fresst, schüttelt die langen Haare, geht mal richtig aus euch raus! Wer hier stillhalten kann, muss scheintot sein.
Gitarrenfans kommen wieder voll auf ihre Kosten bei Track sieben. „Scars within“ beginnt nicht nur mit Saitengeschrabbel, sondern hat ein schnelles, hartes Riff als Grundlage.
„Devour the chaos“ beginnt ähnlich. Überhaupt haben Morta Skuld gerne diesen kurzen gitarrenlastigen Einstieg, der sich dann zum Death-Metal-Brett wandelt mit allem, was dazu gehört. Bei den meisten Songs gibt es etwa zur Mitte hin eine ruhigere Phase oder auch mal ein kurzes Gitarrensolo. Vielleicht ist das auch dem Umstand geschuldet, dass der Sänger zusätzlich Gitarre spielt und somit zwei Gitarristen zu ihrem Recht kommen wollen.
Mit „Becoming the flesh“ gibt es den würdigen Abschluss, ein bisschen mehr im Midtempo verweilend. Diese Nummer muss man übrigens ganz unbedingt bis zum Ende hin anhören!

Für Morta Skuld ist die Scheibe ein gelungenes Comeback. Eindrucksvoller Death-Metal, der das Verspielte der 2000er größtenteils ignoriert und nicht um alles in der Welt hart sein möchte – sondern es einfach ist, ohne dabei übertrieben zu sein. Ein solides Album, das nicht im CD-Regal (ja, die Vinyl-Ausgabe fehlt leider) fehlen sollte.

5/5


Morta Skuld – Wound deeper than time
Snapper Music, 2017
CD: 14,99 €
Amazon

Tracklisting:
Breathe in the black
Hating life
My Weakness
Against the origin
In Judgment
Wound deeper than time
Scars within
Devour the chaos
Becoming flesh

 

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