CD: Emmure – Look at yourself


Die US-Amerikaner Emmure sagten mir bis heute nicht so viel. Das muss man ja auch mal zugeben. Ganz schwach habe ich eine kurze Erinnerung beim Kramen im Gedächtnis gefunden, aber hängengeblieben ist nichts. So ist es auch ein Zufall, dass ich nicht bei Spotify eingeloggt war und die Werbung für die aktuelle Scheibe Look at yourself gehört habe. Der kurze Ausschnitt hat allerdings gereicht, um sich die Scheibe zu kaufen – Verkaufsstrategie aufgegangen.

Emmure waren zuletzt auch wegen interner Streitigkeiten und Neubesetzungen im Gespräch, nun soll es aber nur um die Musik gehen. Look at yourself ist das siebte Album in vierzehn Jahren und unter neuem Label, man wechselte von Victory Records zu Sharptone und landete prompt auf Platz 59 der deutschen Albumcharts. Guter Start.

„You ask for it“ ist der Einstieg in das neue Album, eine Art Zeichensetzung, dass Emmure nun zurück sind und den Bitten folgten, eine neue Scheibe auf den Markt zu bringen. Hier zeigen sie auch gleich mal, wo der Hammer hängt und legen mit gutem Saitengeschrabbel los, ehe es dann eben mit Screaming und Growling – hier noch verstärkt ersteres – losgeht. Kurze Nummer, gute Einführung, denn „Shinjuku Masterlord“ bombt dann richtig los und birgt die Überraschung: Es gibt erstaunlich viel Klargesang, der etwas später im Song immer wieder mit Growls gemischt wird. „Smokey“ irritiert am Anfang – mich zumindest -, weil mir hier ganz klar der Hardcore fehlt. Nun ja, nach den ersten 30 Sekunden gibt sich das. Das Thema des Intros wird immer wieder eingespielt, helle, verzerrte Gitarre, die wie ein stechender Schmerz in Cartoons klingt – und dann geht es einfach los mit Power. Die zieht sich natürlich auch durch Song Nummer vier, „Natural Born Killer“. Harte Gitarren, Bass und viel Screaming, das einem entgegen schlägt und mitreißt. Zwischendurch ruhige instrumentale Parts, die aber nicht von langer Dauer sind. Eine gute Nummer, die man gerne laut aufdreht. Auch das nächste Stück, „Flag of the Beast“, zeigt, wo der musikalische Hammer hängt und schlägt voll ein. Man kann sich hier etwas an der starken Elektronik stören, aber es passt im Wesentlichen zur Nummer. „Ice Man Confessions“ weckt in mir die Erinnerung an Rammstein. Zumindest anfänglich kann man hier ein bisschen an Till Lindemann und seine Mannen erinnert werden. Dann geht es aber gewohnt hart zur Sache, wenn es zum Refrain kommt. Nur die Strophen dazwischen sind fast schon zärtlich, wenn man in diesem Genre davon sprechen kann.
„Russian Hotel Aftermath“ ist eine harte, schnelle Nummer. Genauso wie „Call me Ninib“ reinhaut. Das ist schöner Hardcore, der ohne Schnörkel auskommt und einfach dahinrockt. Augen zu und treiben lassen, mehr will man nicht – und verschnaufen kann man dann bei „Major Key Alert“, einer ruhigeren und sehr kurzen Nummer mit eingängigem Riff. Die Verschnaufpause brauchte man auch, denn „Turtle in a hare Machine“ ist wieder laut und hart. Sänger Frankie Palmeri gibt mal wieder seine Vielseitigkeit zum Besten und screamt und growlt sich die Seele aus dem Leib. Auffällig ist, dass in jedem Lied relativ gleiche Anteile an Screaming und Growling vorhanden sind. Es gibt nicht die Gesangsart, die überwiegt und lieber verwendet wird. Zwischendurch gibt es Klargesang, gerne auch mal elektronisch verzerrt. Das sorgt für Abwechslung in den Stücken und lässt keine Langeweile aufkommen. „Torch“ ist auch eine typische Hardcorenummer, die allerdings mal mit reinem Growling auskommt. Ab der Hälfte des Songs kommt eine helle Gitarrenstimme dazu, die dem Song ein bisschen die Kraft und Härte raubt. Kann man gut oder schlecht finden, ist auf jeden Fall nicht uninteressant. „Derelict“ ist kein Song im eigentlich Sinn. Eher ein Zwischenstück auf der Scheibe, das auf das Finale, das letzte Lied hinweist. Sicherlich auch hier mit kraftvoller Gitarre und starkem Bass, Klargesang … nun, eben etwas für Zwischendurch. „Gucci Prison“ bildet den harten Abschluss der Scheibe. Zumindest gesanglich wird noch mal alles rausgeholt. Musikalisch lässt auch dieses Stück ein bisschen nach.

Das ist der Punkt, an dem die Kritik ansetzt. Hardcore? Ja und nein. Es gibt starke Hardcoreelemente, die sich durch die ganze Scheibe ziehen und wirklich mitreißen, wenn man auf das Genre steht. Allerdings muss man ein sehr guter Two Step Freund sein, und sich immer wieder auf diese Einspielungen einlassen. Bei manchen Songs ist das sehr gelungen verbaut, bei anderen weniger – oder man muss diese einfach immer wieder anhören, um den Reiz zu erkennen. Ich kann mit dem House-ähnlichen recht wenig anfangen, weshalb das Album bei mir der anfänglichen Euphorie nicht standhält. Insgesamt ist das Album jedoch nicht schlecht und wenn man Two Step mag, dann verdient Look at yourself auf jeden Fall Beachtung.

3/5


Emmure – Look at yourself
Nuklear Blast, 2017
Emmure – Look At Yourself CD: 17,99 €

Tracklisting:
You asked for it
Shinjuku Masterlord
Smokey
Natural Born Killer
Flag of the BEast
Ice Man Confessions
Russian Hotel Aftermath
Call me Ninib
Major Key Alert
Turtle in a hare machine
Torch
Derelict
Gucci Prision

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