Film: Clockwork Orange


1971 brachte Stanley Kubrick mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans Clockwork Orange einen umstrittenen und sehr einflussreichen Film auf die Leinwand. Lange habe ich mich gefragt, ob man diesen Film wirklich gesehen haben muss und selbst während des Anschauens hatte ich so meine Zweifel. Aber Clockwork Orange muss man einfach ein bisschen sacken lassen und sich dann der Bedeutung dahinter bewusst werden.

Worum geht es überhaupt? Es geht um den gewalttätigen Alex, der zusammen mit seinen Droogs die Stadt terrorisiert. Als sich seine Kumpels gegen ihn auflehnen und er unabsichtlich eine Frau erschlägt, wird er wegen Mordes verurteilt. Im Gefängnis muss er sich Regeln und Autoritäten unterwerfen, was ihm im Film zumindest recht leicht fällt. Er bietet sich für ein Projekt an, um seine Resozialisierung voranzutreiben. Unter Drogen – Serum 114 – gesetzt, werden ihm Filme voller Gewalt gezeigt, die schließlich bei ihm Übelkeit hervorrufen und ihn jegliche Form von Brutalität ablehnen lassen. So gelangt er nach zwei Jahren wieder in die Freiheit und muss sich seiner Vergangenheit stellen. Er wird niedergeschlagen, von seinen Freunden verprügelt und landet schließlich unerwartet im Haus eines seiner früheren Opfer, das ihn erkennt und über das Projekt in der Zeitung gelesen hat. Nun soll er durch sein Leiden im Kampf gegen die Regierung helfen.

Der Film an sich klingt unspannend, ist er jedoch nicht. Der Beginn strotzt nur so von Gewalt und Vergewaltigung, von vermittelter Angst der Opfer und aller, die um Alex und seine Droogs herum sind. Alex verliert seine Arroganz nicht mal im Gefängnis, auch wenn er sich gezwungenermaßen fügt. Schnell wechselt man zum Experiment, das vom Innenminister persönlich betreut wird. Dieser stellt dann auch das anscheinend positive Ergebnis vor. Alex ist geheilt, geheilt von Brutalität und Gewalt, verabscheut beides sehr, empfindet Brechreiz und körperliche Schmerzen. So lässt er sich schließlich auch verprügeln, anstatt sich zu wehren, weil er die Schmerzen und die Übelkeit nicht ertragen kann. Ist das eine Lösung? Wäre das ein mögliches Ende der Probleme, der Gewalt? Unter Drogen gesetzt und dem ausgesetzt, was man selbst einmal getan hat, würde das einen Schläger, einen Mörder umpolen? Alex selbst ist ein Sinnbild für viele. Für die damalige Zeit, für die Hooligans, die Schläger, Vergewaltiger, Mörder, für die Skins und gewaltbereiten Punks. Alex ist ein Spielball und einige der eben beschriebenen Gruppenmitglieder mögen sich auch so fühlen, wenn sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Allerdings sind sie genau wie Alex Täter, die nicht aus reiner Willkür verurteilt werden. Hier würde ich auch der Rezeption nicht ganz zustimmen. Zwar ist Alex wirklich immer Mittel zum Zweck, aber vor all diesem steht nun mal seine brutale Vergangenheit. Man darf nicht vergessen, wie der Film aufgenommen wurde und wie viele Parallelen und Hinweise sich in Musik, Film und der Fußballszene finden lassen. Angefangen bei den Toten Hosen mit „Hier kommt Alex“, über die Band Serum 114, die Ultras und entsprechend gewaltbereiten Gruppierungen diverser Fußballvereine wie dem FC Bayern München, der Eintracht Frankfurt oder auch Eintracht Braunschweig bis hin zu Kylie Minogue, die das Outfit übernommen hat. Der Film hat einen großen Einfluss, ob es jedoch pure Begeisterung ist, ehrliche oder überlieferte, oder ob es wirklich um diesen Kampf gegen das Establishment, gegen das Machtstreben von Politik und den Omnipotenzwunsch der Wissenschaft geht, das sei einmal dahingestellt. Clockwork Orange eilt ein Ruf voraus, dem man ruhig mal folgen kann, wenn man etwas Zeit und Geduld mitbringt. Man kann von den dargestellten Gewaltexzessen absolut angeekelt sein, manches ist wirklich widerlich. Aber die Darstellung der Gewalt zeigt, dass es eben genau solche Menschen in unserer Gesellschaft gibt. Die Gefängnisse sind schließlich nicht nur mit Betrügern und Steuerhinterziehenden gefüllt. Schlägt man die Tageszeitungen auf, wird man bombardiert mit schrecklichsten Morden und Untaten, dabei hilft es auch nicht, dass eben erst eine Statistik veröffentlicht wurde, dass die Zahl an Morden deutlich weniger geworden sind. Sicherlich ist es richtig, dass man heute vieles stärker wahrnimmt durch die mediale Präsenz, die ständige Verfügbarkeit von Informationen und Fakenews. Nun bleibt die Frage, wie geht man mit ihnen um. Im Film wird deutlich, dass man vom Wegsperren nicht viel hält, weil sich die Menschen nicht ändern. Wie ist das in der Realität? Und würde es rechtfertigen, dass man mit den Verurteilten solche drastischen Experimente durchführt, die sie eigentlich unfähig für ein normales Leben machen, sie aber ihrer Gewaltbereitschaft erlauben? Wer darf darüber bestimmen und die Probanden auswählen? Wer bestimmt über Erfolg oder Misserfolg? Sind Experimente, Macht der Regierung, Skrupellosigkeit der Wissenschaft die Antwort auf hohe Kriminalität?

Clockwork Orange hat nur Sinn und ist nur dann ein guter Film, wenn man über ihn nachdenkt, sich vielleicht einige Infos über das zugrunde liegende Buch oder zumindest die Ideologie dahinter holt, ansonsten ist er brutal und relativ langweilig, ein bisschen zu schnell, ein bisschen zu einfach.

4/5
Clockwork Orange, Taschenbuch: 9,99 €

Clockwork Orange, DVD: 4,97 €

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