CD: Erdling – Supernova


Erdling, eine junge deutsche Band, die sich zur Hälfte aus ehemaligen Mitgliedern der NDH-Formation Stahlmann zusammensetzt, hat ein neues, bereits zweites, Album rausgebracht. Nun muss man ein bisschen suchen, um an Infos zu kommen, die Homepage ist gerade under construction, Wikipedia und Facebook widersprechen sich, daher mischen wir einfach mal. Irgendwann zwischen 2014 und 2015 formierte sich die Band. Stahlmann und Sündenklang waren um Gitarrist Neill Freiwald ärmer, auch der Schlagzeuger Niklas Kahl kehrte den Rücken und wandte sich dem eigenen Projekt zu: Erdling. Eine Mischung aus Dark Rock und Neuer Deutscher Härte spross aus dem Boden, kein Novum, ein Genre, das in den letzten Jahren reichlich bedient wurde und – das muss man ehrlich sagen – immer weniger Neues bietet. Langsam klingt alles gleich, es gibt nur noch wenig Abwechslung. Das fällt auch bei Erdling schnell auf. Hört man sich das neue Album Supernova an, das mit einigen Lieferschwierigkeiten (für die immer noch nicht die Bands selbst verantwortlich sind, das muss an dieser Stelle mal deutlich gesagt werden!), am 17. März auf den Markt kam, fragt man sich schnell, ob der Bandname austauschbar wäre. Ganz deutlich hört man Stahlmann raus, ein bisschen Megaherz, Eisbrecher, Unzucht, Lord of the Lost und allen voran Chris Harms – der ja auch das Album zusammen mit Benjamin Lawrence produziert hat und wie das so ist: Auch ein Produzent hat irgendwann eine Handschrift (ich bin böse: Chris Harms ist wie Dieter Bohlen: Man hört, wo er seine Finger im Spiel hatte).
Der Gesang erinnert stellenweise auch ganz krass an Harms, was nicht negativ ist, nur ein bisschen verwunderlich.

Noch mal einen Schritt zurück: 2016 brachten Erdling ihren ersten Longplayer Aus den Tiefen raus, kaum ein Jahr später ist schon der nächste am Start. Wenn sie das Tempo durchhalten, haben wir zum Zehnjährigen zehn satte Alben im Regal stehen. Supernova beginnt elektronisch, hart, mit einem sehr eingängigen Beat. „Absolutus Rex“ wird erst mal durchgesungen und ist spätestens beim Refrain absolut tanzbar. Hier wird aber die Herkunft sehr deutlich, der Song könnte auch von Stahlmann sein. Dafür hat „Es gibt dich nicht“ diese ruhige Passage, die an frühe Lord of the Lost Songs erinnert, bevor es wieder etwas härter wird. „Mein Element“ beginnt herrlich ruhig, bricht dann aber in ein Midtempo aus, das auch an die LotLs erinnert. Ist das böse? Vielleicht. Erdling müssen sich eigentlich nicht verstecken. Weder der satte Sound, noch die Texte über Liebe, Schmerz, Lügen, Leidenschaft (sehr grob zusammengefasst und den Themen nicht ganz gerecht werdend) sind purer Abklatsch bereits seit längerem bestehender NDH-Formationen. Eingängige Riffs, harte Beats, tanzbare Rhythmen, die live sicherlich ein Publikum perfekt anheizen können, ziehen sich durch die Lieder. „Kein Schatten ohne Licht“ könnte mal eben von Harms gesungen worden sein, hat einen einfachen, eingängigen Text und bietet wenig Besonderes. „Angst“ ist eine typische Megaherz– oder Eisbrecher-Nummer.

Break! Wenn man bis hierher gelesen hat, merkt man, dass es gar nicht um Erdling geht. Das wirft die Frage auf, ob man mittlerweile schon wieder übersättigt ist von der Dark-Rock-NDH-Welle, die man einst so herzlich und freudig aufgenommen hat. Oder fällt jungen Bands nichts mehr ein, weil sie sehen, mit welchem Sound andere Bands Erfolg haben? Es ist schwierig. Wenn man weiterhört, „Unanstastbar“, wird man an Unzucht erinnert. Man erinnert sich. An all die anderen Formationen des Genres und das ist schade. Ich persönlich sehe in Erdling nichts Neues, kein Alleinstellungsmerkmal und die Jungs haben sich aber viel Mühe gegeben und hier ein gutes Musikprojekt auf die Beine gestellt, das mehr verdient, als schnöde Vergleiche. Noch einer: „Frei wie der Wind“, schönes Klavierintro, erinnert mich an „Total Eclipse of my heart“ – hallo? Das eine hat mit dem anderen doch gar nichts zu tun, und doch: Es tut mir leid für die Erdlinge. Kam die zweite Platte zu schnell? Bin ich zu voll mit Dark Rock und NDH? Und warum klingt der Refrain nach „Vollmond“ von InExtremo?

Kürzen wir das alles ab: Erdlinge, das Album ist gut, wenn man nicht drauf achtet, nach wem es alles klingt. Es sind tolle Balladen dabei, tanzbare Nummern, Anheizer für jedes Konzert, Texte, die tiefer gehen. Die Scheibe an sich ist wirklich gelungen und macht Spaß. Eine klare Kaufempfehlung für jeden, der auf Stahlmann und Co. steht, denn hier werdet ihr nicht enttäuscht.

Auf der Deluxe Edition gibt es sieben Bonustracks mit rockigen, harten, elektronischen Remixes – mein Highlight ist eindeutig der Remix von Heldmaschine!

4/5

Erdling – Supernova
Out of Line, 2017
CD Deluxe Edition: 18,99 €

Tracklisting:
Absolutus Rex
Es gibt dich nicht
Mein Element
Kein Schatten ohne Licht
Angst
Unantastbar
Frei wie der Wind
Supernova
Über-Ich
Getrieben von Hass
Phoenix
Als ich Gott schuf

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