Gastro: Unertl Bräustüberl – Haag in Oberbayern


Immer wieder nehmen wir die 70 Kilometer Reise auf uns, wenn wir wieder mal vorzüglich speisen wollen, und fahren nach Haag in Oberbayern. Dort gibt’s mit Sicherheit einige gute Lokale, in denen man seinen Hunger stillen kann. Für uns gibt’s aber nur eine einzige Adresse in dem kleinen Ort: Das Unertl Bräustüberl in der Lerchenberger Straße 2 … direkt neben der kleinen Brauerei. Was da auf den Tisch kommt, muss man woanders entweder teuer bezahlen, wenn man dieselbe Qualität auf dem Teller haben will, oder man bekommt diese Köstlichkeiten schlichtweg nicht. Heute war’s mal wieder soweit und wir sind mit einem Freund, dem Münchner Schwammerlkönig, nach Haag gefahren. Angekommen und nach einer herzlichen Begrüßung auch gleich einen schönen Eckplatz am Fenster bekommen, studierten wir die Karte. Man fühlt sich unweigerlich wohl, wenn man im Bräustüberl sitzt. Ein alter Holzboden, ein Kachelofen mittig, Wände teilweise dezent mit Zierkacheln verkleidet und holzvertäfelt. Überall kleine Gestecke und Zeugs aus der Braukunst als Dekor. Hinter dem kleinen Tresen mit der großen Kupfersudpfanne sieht man durch die Durchreiche offen in die Küche, was für mich ein Qualitätsmerkmal ist. Nur was gut ist, muss man nicht hinter verschlossenen Türen verstecken. Beim letzten Mal ließ ich mir den sensationellen Schweinebraten schmecken. Diesen Ausbund an zartem Fleisch, saftigen Knödeln und dem Stückerl extra aufgelegter Kruste (ohne Fettschicht) gibt es mit ziemlicher Sicherheit nirgends in gleicher Qualität. Das superzarte Fleisch kann man fast mit der Gabel alleine zerteilen und Fettschwarten sucht man vergebens. Als Vorspeise hatten wir damals Nudeltaschen mit Wirsing/Bergkäse Füllung. Schweinebraten war eigentlich auch mein Plan für heute … eigentlich. Nachdem unser Freund uns vom leckeren Bierburger vorgeschwärmt hatte, der aber nicht immer auf der Speisekarte steht, entschied sich Kyra für genau denjenigen. Kyra hatte beim letzten Mal das Haager Schnitzel, super lecker mit Senfpanade und frisch geriebenem Meerrettich. Als ich das Schnitzel auf der Karte las, habe ich mich spontan von meinem Schweinebraten verabschiedet und das Haager Schnitzel gewählt. Als Vorspeise gab es wieder Nudeltascherl, diesmal aber gefüllt mit Kürbis/Honig/Ingwer. Eigentlich als Hauptgericht gedacht, aber wir teilten uns das vorab. Geschwenkt in brauner Butter und mit Parmesanraspeln obenauf. Unser Freund entschied sich für die Vorspeise Caesar’s Salat (ohne Anchovisauce) und eben den leckeren Schweinebraten mit Semmelknödeln und Krautsalat. Die Nudeltascherl waren wie zu erwarten war einmal mehr sensationell. Der Hauptgeschmacksteil war der Kürbis, der süße Honig und der scharfe Ingwer hoben sich gegenseitig auf und rundeten den Kürbis ab.

Als die Hauptspeise aufgetragen wurde, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Das goldgelbe Schnitzel roch schon äußerst verführerisch und schmeckte dementsprechend. Die lockere Panade wölbte sich goldbraun auf dem Fleisch, was für genug Butterschmalz stand. Hier wird nicht mit billigem Bratrama gebraten. Als Beilage wählte ich anstatt Pommes Frites meine geliebten Bratkartoffeln. Diese waren äußerst delikat. Perfekt auf den Punkt in der Pfanne geschwenkt, mit Zwiebeln und kleinen Speckwürfeln abgerundet. Besser geht’s nicht. Obenauf der frisch geraspelte Meerrettich. Ein Schnitzel der Extraklasse. Der Bierburger von Kyra war schlichtweg ein wahrer Turm an Zutaten. Nicht nur das Übliche mit Masse draufgepappt, sondern super abgestimmt. Als sie den Burger angeschnitten hatte, konnte man sehen, dass der übliche Fettanteil im Hack fast komplett fehlte. Hier wurde nur das magere Fleisch durch den Wolf gedreht und sehr fein mit Unertl Weißbier abgeschmeckt. Viel leckerer Käse, kross gebratener Bacon und mit der richtigen Menge an Salat zubereitet. Die Burgersemmel war leicht angegrillt. Zusammen mit einem kleinen Salatbuquet angerichtet, war er mit sämtlichen anderen Burgern, die man mittlerweile überall findet, nicht vergleichbar. Hier schmeckte man jede frische Zutat raus. Die Nachspeise bestand aus einem Zwetschgenknödel mit einer Kugel Vanilleeis, Vanillesoße und einem Klecks Schlagsahne. Dekoriert mit Erdbeere, Physalis und roten Johannisbeeren. Ich bin normalerweise kein so großer Freund von Vanilleeis, aber das hier war mit normalem Eis aus einer Eisdiele nicht vergleichbar. Hinterher gab’s noch zwei doppelte Espressi und ein sehr schöner Mittag war wieder mal zu verzeichnen.

Das Unertl Bräustüberl wird von Katrin Frische und ihrer Familie geführt und ist ein echter Familienbetrieb, was man dem Ganzen auch ansieht und schmeckt. Der Hausherr selbst steht am Herd und die Oma werkelt an den Wochenenden fleißig in der Küche mit. Das Personal ist ein Ausbund an Freundlichkeit und man kann auch sehr gut mal einen kleinen Ratsch mit ihnen abhalten, sofern mal etwas weniger Betrieb sein sollte, weil die Hauptspeisezeit vorbei ist. Die frischen, einheimischen Zutaten kommen fast alle aus der engeren Gegend von befreundeten Bauern. Hier wird Qualität noch sehr groß geschrieben. Die Preise sind für die reichlichen, aber nicht überkandidelten Portionen sehr gut angemessen und billig.

Als Fazit stelle ich fest, dass man beim Verlassen des Unertl Bräustüberls sofort wieder Geschmack auf den nächsten Besuch hat. Ein gut bürgerliches Lokal der Extraklasse. Wir freuen uns schon auf die nächste 70 Kilometer Reise über die B12 dorthin.

Homepage: Unertl Bräustüberl

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