The Story behind … Sam Gopal – Escalator


Geboren wurde Samuel Gopal im Dezember 1944 in Malaysien. Bereits im zarten Alter von sieben Jahren lernte er Tabla, die indisch/asiatische Trommel zu spielen. 1962 zog er als Musikstudent nach London in England. London war in den Sixties ein (auch) musikalischer Schmelztiegel der Kulturen. 1966 gründete er zusammen mit Mick Hutchinson an der Gitarre und Pete Sears am Bass die Gruppe Sam Gopal Dream. Kurze Zeit später kam auch noch der Keyboarder Andy Clark dazu. In dieser Besetzung machte die Band einige Demoaufnahmen für Screen Gems. Recording Engineer war seinerzeit Gus Dudgeon. Trotzdem ging die Gruppe bald getrennte Wege. Andy Clark und Mick Hutchinson blieben miteinander verbandelt und gründeten 1968 die Band Clark-Hutchinson, welche vier hervorragende Langspielplatten veröffentlichten  (A=MH² ; Gestalt ; Retribution und Blues). Noch im gleichen Jahr stellte Gopal eine neue Formation zusammen, die unter seinem Namen Sam Gopal zusammenspielte. Als Gitarrist und Sänger heuerte ein gewisser Ian Fraser Kilmister bei Gopal an, der vorher bereits in verschieden Bands gespielt hatte. Unter anderem bei The Rainmakers, The Motown Sect. und The Rockin Vickers, mit denen er zwischen 1965 und 1967 drei Singles aufnahm. Die zweite Gitarre wurde von Roger D’Elia gespielt und Phil Duke bediente den Bass. In dieser Quartettbesetzung ging man ins Studio und nahm von Oktober bis November 1968 in den De Lane Lea und den Morgan Sound Studios elf Songs auf, die auf Langspielplatte gepresst wurden und 1969 auf dem kurzlebigen  Stable Label unter der Nummer SLE 8001 veröffentlicht wurden. Betitelt wurde die LP mit den Namen Escalator und war verpackt in ein mattes strukturiertes Klappcover. In Deutschland wurde die LP auf dem Vogue Label mit der Nummer LDVS 17225 veröffentlicht. Vier Tracks der LP wurden vorab unter der gleichen Nummer als D.J. Promotion EP an Radiostationen und Discjockeys ausgegeben. Außerdem brachte Stable noch die Sam Gopal Single „Horse“ / „Back Door Man“ raus. Der Sänger Ian Fraser Kilmister war auf dem Plattencover unter dem Namen Ian Willis vermerkt, dem Nachnamen seines Stiefvaters.

Mit „Cold Embrace“ beginnt der Hörgenuss. Eine psychedelische Midtemponummer mit aggressiver bestimmender Sologitarre ist der perfekte Einstieg. Bass und Percussion bilden einen dichten Hintergrund, auf den die verzerrte Gitarre drüber schwebt. Song Nummer zwei, „The dark Lord“ ist eine langsame bluesige Nummer nach ähnlichem Strickmuster wie „Cold Embrace“. Bestimmt wird der Song vom schönen Zusammenspiel der beiden Gitarristen, die sich mit den Leadparts andauernd abwechseln. „The Sky is burning“ beginnt mit knisterndem Feuerprasseln. Sogleich folgen Gitarrenharmonien ohne Verzerrung und als die Tabla einsetzt, entwickelt es sich zu einer bluesigen Folknummer. Schön langsam und intensiv. Progressiv und etwas schneller ist „You´re alone now“. Der Bass steht hier etwas stärker als Hauptelement im Vordergrund. Mittendrin faded der Klang kurz fast ganz aus, aber kommt sofort wieder. Ähnlich in der Stimmung wie „The Sky is burning“ ist das folgende „Grass“. Die Stimme steht hier schön klar im Vordergrund. „It’s only Love“ beginnt kurz mit folkigen Gitarrenklängen, aber schon bald entwickelt sich ein swingender Shuffle-Stil. Die tonleiterähnliche Hauptgitarrenmelodie ist das prägende Element. Mittig steigert sich die Intensivität etwas, aber gleitet bald wieder zurück in das Getragene, Hypnotische. Mit Brandungsrauschen endet der Song. Der Titeltrack „Escalator“ ist ein etwas härterer progressiver Song mit teilweise schön hervorgesetztem Tablaspiel. Die Stimme zeigt einen bluesigen Touch im Stil eines Rory Gallagher. Mit gut fünfzig Sekunden Gewittergrollen beginnt „Angry Faces“, welches von folkigen klaren Gitarrentönen abgelöst wird. Bezeichnend ist das Zusammenspiel von Kilmister und D’Elia an den Sechssaitern. Folkige Harmonien treffen auf bluesige Licks. Ein Riff, welches fast an „You really got me“ von den Kinks erinnert, beginnt „Midsummer Night’s Dream“. Die Leadgitarre ist hier im Musikspektrum etwas zurückversetzt. Eine grandiose Coverversion ist der vorletzte Song der LP. „Season of the Witch“ aus der Feder von Donovan Leitch zeigt einen fast souligen Touch; vor allem durch den Backgroundgesang von zwei Sängerinnen. Folkige Klänge im Verbund mit Tabla bilden den Einstieg in den letzten Song der Platte: „Yesterlove“. Der Gesang von Kilmister ist hier fast flehend, zehrend. Erstaunlicherweise faded der Song etwa eine halbe Minute vor Ende aus und für circa 20 Sekunden ertönen Klänge wie vor einem klassischen Orchesterauftritt.

Leider hielt die Gruppe trotz der Plattenveröffentlichung nicht zusammen und trennte sich noch im Jahr 1969. Ian Kilmister heuerte kurzzeitig bei der Gruppe Opal Butterfly an, mit denen er die Single „Groupie Girl“ aufnahm und vor der Veröffentlichung der Single schon wieder verließ, um bei den Spacerockern von Hawkwind einzusteigen. Jetzt aber unter seinem Spitznamen „Lemmy“ Kilmister. 1975 gründete Kilmister dann die Gruppe Motörhead.

Gopal aber formierte schon 1969 eine zweite Formation unter dem Gruppennamen Sam Gopal. Besetzung war neben Gopal an der Percussion Micky Finn Waller an der Gitarre, Mox Gowland mit Mundharmonika und Flöten und Freddie Gandy am Bass. Den Gesang übernahm Alan Mark. Für das Stable Label nahm die Gruppe einige Songs auf, unter anderem „Somebody stole the Sun“. Eine Umbenennung in Cosmosis erfolgte schon bald und obwohl der Led Zeppelin Manager Peter Grant das Management übernahm, blieb die Band erfolglos. 1971 war ein rabenschwarzes Jahr für Sam Gopal. Ein schwerer Autounfall setzte Gopal für einige Jahre außer Gefecht. 1976 ging er dann nach Paris, wo er mit den beiden Gong Musikern Didier Malherbe und Patrick Lemoine „Feedback“ und „Backfeet“ für Radio France aufnahm. Immer mal wieder hat Gopal in diversen Studios einzelne Lieder aufgenommen. So 1980 in den Londoner Olympic Studios die Songs „Sell out Joe“, „Falling in“ und „Showdown“. Zwischen 1981 und 1988 verbrachte Gopal die Jahre in Nepal, wo er sich weiteren Tabla-Studien hingab. Anschließend war wieder Europa angesagt. 1989 realisierte er das Album Largo in Zürich. In Berlin gründete er die Band Sangit, welche im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie in einem Live-Recording eine Platte aufnahmen. Später verwirklichten sie den Soundtrack zur sechsteiligen Dokumentationsreihe „The Great Moghuls“ im Jahr 1990 für den britischen Sender Chanel 4. Mit seinem alten Mitstreiter Andy Clark nahm er 1990 das Album Soap Opera und im Jahr drauf Not for Sale auf. 1992 gründete Sam Gopal die Formation Brain Tonic, mit denen er ein selbstbetiteltes Album aufnahm. Ein Jahr später dann die Platte Blind Man’s Movie in München. In den späteren 1990ern wandte sich Gopal der 12-Ton Musik zu. 1999 brachte er das Album Father Mucker auf den Markt. Mitwirkende neben Gopal waren Andy Clark, Sandro Ricciarelli und Chuck Jake.

Bestens erhaltene Originalpressungen von Sam Gopal – Escalator sind heutzutage schwer gesuchte und hochbezahlte Sammlerstücke, deren Preis sich in höheren Einhundert-Euroregionen bewegt. Die beiden Single-Tracks  „Horse“ und „Back Door Man“ waren erstmalig auf der 1999er Nachpressung von Get Back mit enthalten.

 

 

 

 

 

 

Sam Gopal – Escalator
1969 – Stable Records – SLE 8001
Tracklisting:
A1 – Cold Embrace
A2 – The dark Lord
A3 – The Sky is burning
A4 – You’re alone now
A5 – Grass
A6 – It’s only Love
B1 – Escalator
B2 – Angry Faces
B3 – Midsummer Night’s Dream
B4 – Season of the Witch
B5 – Yesterlove

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