Buch: A.C. Hurts – Gone Mad


Zu Beginn dieser Geschichtensammlung wird gefragt, wie weit Hardcore Horror eigentlich gehen darf – und am Ende hat man für sich selbst sicherlich eine Antwort gefunden. Die Warnung sei aber vorweg gegeben: Gone Mad ist nichts für Zartbesaitete oder Soft-Hardcore-Fans. Es geht ziemlich rücksichtslos zu, eklig und grenzüberschreitend. Da werden Abgründe auf Papier gebannt, die man gerne verurteilen darf, die allerdings gar nicht so weltfremd sind, wie sich einige vielleicht einreden möchten. Aber beginnen wir bei der ersten Geschichte.

„Der Schlachter“ ist eine relativ harmlose Idee, die den Hardcoreleser mit einem schwachen, wissenden Lächeln zurücklässt. Klar ist alles sehr vorhersehbar, aber der Aufbau sorgt dann doch für Spannung und für reichlich ekelhafte Szenen.

„Marys Lover“ ist ebenfalls absehbar, aber nicht ohne einen gewissen Witz. Wer Marys Lover sind und warum sie sich promiskuitiv geben muss, trotz der Eifersucht ihres Partners, ist der kleine Kniff, der zwar wenig Hardcoreelemente hat, für Zartbesaitete aber immerhin ein Schocker sein dürfte.

Mit „Aufhören!“ hat Hurts Alltagshorror niedergeschrieben, den so mancher sehr gut nachempfinden kann. Zu viel darf man nicht verraten, sonst nimmt man der kurzen Sequenz ihre Kraft.

Ein bisschen schmutzig wird es bei „Dark Rose“. Die Idee finde ich wiederum ziemlich gut, die Umsetzung sehr gelungen. Hier gehen die schwachen Nerven dann endgültig spazieren. Die Perspektivenwechsel bieten einen guten Spannungsaufbau.

„Das lebende Buffet“ geht ein bisschen in Richtung der ersten Story. Natürlich wird es eklig, das ist ganz klar, aber das Lesevergnügen bleibt ungetrübt.

Ein bisschen zu Atmen kommen und sich entspannen, kann man bei „Lauf!“. Wieder nur eine kurze Sequenz, die aber aus dem Alltag gegriffen ist und bei der man sich viel denken kann, bis man die Auflösung geboten bekommt.

Wirklich mitgerissen hat mich „Die Bescherung“. Das liegt daran, dass der Leser erstmal auf eine etwas andere Spur gebracht wird und nicht so recht auf den Gedanken kommen kann, worum es geht. Mittendrin liest man gefühlt immer schneller, weil man endlich wissen möchte, wie es denn endet.

Geister der Vergangenheit begegnen dem „Kinderschreck“ und kreieren dabei keine wirklich neue Idee, aber doch eine coole Geschichte, die sich in die Reihen der großen Horrorautoren einreihen kann.

Wieder eine Alltagssequenz wird in „Faszination des Grauens“ dargestellt und diese Faszination werden einige sehr gut nachempfinden können.

„Dunkles Verlangen“ kann einem durchaus Gänsehaut, Grusel und ein bisschen Paranoia bescheren – oder auch einfach nur ein tolles Lesevergnügen.

Wenn es für einige bisher noch harmlos war, geht es nun ans Eingemachte und es gibt im Buch eine deutliche Warnung, dass man die nachfolgende Geschichte lieber überspringen sollte, wenn man Gewalt gegen Kinder nicht in der Literatur haben möchte. Das ist ganz legitim, verurteilen würde ich die Geschichte trotzdem nicht, denn Grausamkeiten und Abschreckendes kann man täglich in den Medien lesen und diese Dinge sind real, Hurts Geschichte eben nicht. Zudem sei gesagt, dass „Zum Fressen gern“ einige Anlehnungen an andere Hardcoregeschichten hat. Die Idee dahinter ist gut, die Ausarbeitung ebenfalls. Beschönigen muss man nichts, aber wer wirklich auf Hardcore steht, wird vor dieser Geschichte weder Halt machen noch das Krasseste, das er jemals gelesen hat, darin finden.

Kurz vor Weihnachten ist „Weihnachtsgeschenk“ sicherlich die richtige Alltagsgeschichte. Wieder kurz gehalten und perfekt ausgearbeitet, so dass der Leser auf eine vollkommen falsche Fährte gelockt wird.

„Der Angler“ ist faszinierend. Die Grundidee gefällt mir, es ist schon ein bisschen hart, für Fans der Saw-Reihe könnte es ganz ansprechend sein. Für mich eine der besten Geschichten des Buches. Übrigens eine geniale Vorlage für einen B-Movie!

Als Bonus hat Simone Trojahn ihre Kurzgeschichte „Hexensaft“ beigesteuert. Geschickt ausgearbeitet, weiß die Autorin sehr gut, wie man mit der Vorstellungskraft und der Ekelgrenze des Lesers spielt.

Ebenfalls ein Bonus ist Jutta Wölks „Böses Erwachen“. Ziemlich vorhersehbar, macht die Geschichte dennoch großen Spaß. Die Idee ist zwar nicht ganz neu, aber die Ausarbeitung bereitet hier ein wirkliches Lesevergnügen.

Als Fazit bleibt die Warnung des Beginns: Lasst die Finger von diesem Buch, wenn ihr keinen Hardcorehorror mögt. Mit wenigen Ausnahmen halte ich die Geschichten zwar für harmlos, wenn man gefestigter Hardcoreleser ist; wenn man nur auf Gruselhorror steht, gilt ein absolutes Finger weg! Mir hat Gone Mad sehr gut gefallen, die vielen verschiedenen Ideen bereiten ein richtiges Lesevergnügen, das nach mehr schreit – und wer sie noch nicht kennt, sollte sich an die Hardcoreromane von A.C. Hurts heranwagen.

5/5

A.C. Hurts – Gone Mad
Redrum, 2017
252 Seiten
Taschenbuch: 14,99 € (direkt beim Redrum Verlag)
Amazon

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