The Story behind … Baumstam – On Tour


Die Geschichte der Band Baumstam beginnt hier mit einer bekannten Textzeile von Herbert GrönemeyerTief im Westen, wo die Sonne versinkt … Ja, tief im Westen von Deutschland liegt der Ruhrpott. Und mitten im Gewühl aus Hochöfen, Fördertürmen, Zechen und kleinen Arbeitersiedlungen zwischen Bochum und Dortmund liegt die Stadt Witten. Anfang der Siebziger dominierte in Deutschland der Krautrock, ein schwerer, orgellastiger Sound mit harten Gitarren und teilweise psychedelischen Strukturen. Bands schossen wie Pilze aus dem Boden und so geschah es auch in Witten, dass die ehemaligen Schulfreunde Ulrich Klawitter und Michael Lobbe an den Gitarren, Gerd Stracke an der Schießbude und Michael Willecke am Bass eine Band gründeten. Baumstam, geschrieben mit nur einem „M“ am Ende, wurde diese benannt und schwamm von Anfang an auf der Krautrockwelle mit. Schon bald bespielten Baumstam größere Hallen und auch Open Air Konzerte. Befreundet mit den Bands Franz K. und Faithful Breath gingen Baumstam mit Franz K. sogar auf gemeinsame Deutschlandtour. Ihr harter, von den beiden Fuzzgitarren bestimmter Sound war nicht gerade alltäglich und sorgte bei den Liveshows für Begeisterung. Dieser Sound mit den beiden harten Gitarren wird teilweise als wegweisend für die deutsche Rockgeschichte bezeichnet. Michael Willecke verließ 1974 die Band und wurde von Volker Wobbe am Bass abgelöst. Den Part am Schlagzeug übernahm Gerhard Meyer von Stracke. 1975 war es dann soweit. Baumstam fand sich im Knöterich Studio von Lothar Simmsheuser in Witten-Annen ein, und an nur einem Wochenende wurden die neun Stücke für die LP eingespielt. Ein Schaller Verzerrer und eine alte Framus Deluxe Gitarre – fertig war der maßgebende Fuzz-Sound der Gruppe. Aufgelegt wurde die Platte in Eigenvertrieb auf dem eigenen BMF Label mit der Katalognummer BS 6232 855. Recording Engineers waren Lothar Simmsheuser und Bernd Düfel. Der Chorusgesang wurde durch Düfel, Gerhard Meyer, Michael Lobbe und Birgitt Hahn eingesungen.

Los geht’s auf Seite Eins mit dem Titeltrack „On Tour“. Sofort schreit einen die fuzzige Gitarre an. Der Track, im Midtempo gehalten, hat einen stampfenden Groove und bringt einen sofort zum Kopfnicken. Das schöne Zusammenspiel der beiden Gitarren fällt sehr ins Gewicht. Klawitter singt mit heiserer, rauer Stimme, was sehr gut zum Sound passt. Das folgende „Lucky Strike“ könnte fast als Fortsetzung durchgehen, wäre da nicht der ruhigere Strophenteil der allerdings ab der Liedmitte in eine wahre Orgie an Gitarrenlärm übergeht. Akustischer und ruhiger gehalten beginnt Song Nummer drei, „Hold me“. In langsamer Geschwindigkeit gespielt und nur im Mittelteil mit schneller verzerrter Gitarre bringt der Track einen bluesigen Touch ins Spiel. Mit Jazz hat der vierte Song „Jazz Break“ relativ wenig zu tun. Groovend beginnt er, aber steigert sich im Laufe zu einer typischen schnellen Krautrocknummer, basierend auf der fuzzigen Leadgitarre. Ähnlich wie der Titeltrack pflügt „Dusty Road“ durch die Gehörgänge und bringt die Köpfe vier Minuten lang zum Wackeln. Das live eingespielte „Girl I want to stay into your Fire“ erinnert bei Stimmung und Gesang etwas an die alten Rory Gallagher Aufnahmen. Der Song treibt in seiner ungeschlachteten Rohheit ganz schön vorwärts. Mit Brandungsrauschen beginnt „Last Letter“. Die Akustikgitarre spielt die Rhythmusakkorde und die Elektrische schwirrt obenauf mit der Leadstimme. Der Gesang tönt in wehmütiger Stimmung dazu. Eine willkommene Abwechslung der sonst so treibenden Nummern. Schneller wird’s wieder mit „Fifteen Years old Mary“. Im Mittelteil agiert wieder eine Fuzzorgie. Wäre im abschließendem „He’s a Liar“ eine Querflöte dabei, man könnte den Song fast als Jethro Tull Komposition vermuten.

Die Qualität von Band und ihre Musik war bei den Fans beliebt und so hatte Baumstam keinen Mangel an Auftrittsmöglichkeiten. Durch die sehr gute LP Produktion wurden auch einige große Plattenfirmen auf die Wittener aufmerksam und gaben sich teilweise die Türklinke in die Hand. Da sich die Musiker aber nicht über einen angebotenen Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon einigen konnten, trennte sich die Band 1977 und das Kapitel Baumstam war erstmal beendet. Für Ulrich Klawitter und Gerd Stracke war damals aber nicht Schluss mit der Musik, sie spielten unabhängig voneinander in Wittener Bands weiter. Im Rahmen einer Wiederveröffentlichung der LP On Tour auf dem Amber Soundroom Label trafen sich 2004 die Musiker wieder und stellten fest, dass anscheinend noch viel von der alten Magie vorhanden war. So kam es zur Reunion von Baumstam in der Besetzung Klawitter, Stracke und Volker Wobbe. Für Michael Lobbe kam Ullis Sohn Adrian „Adi“ Klawitter an Gitarre und Keyboards, und Anna Weigand für die Vocals und an der Flöte in die Band. Diese Mischung stimmte so sehr, dass Baumstam wieder ins Studio ging und die LP Dreams of Yesterday aufnahm. Recording-Engineer und Studiobesitzer der involvierten Fanton-Studios war wie 30 Jahre zuvor der altbekannte Lothar Simmsheuser. Die LP auf dem studioeigenen Schöne Töne Label enthält zehn neue Songs im altbekannten Baumstam-Stil. Seit Anfang 2005 spielt die Band auch wieder live in Deutschland und Frankreich. Anna Weigand verließ Baumstam 2006. Die Hinzunahme von Adi Klawitter frischte den Sound der Band mit neuen Einflüssen etwas auf, so dass schon 2007 die nächste Plattenaufnahme anstand. Moment lautet der Name der CD und wiederum zwei Jahre später kam eine Liveplatte zur Diskographie dazu. Die Dusty Roads Tour wurde im Juni 2009 in der Wittener WerkStadt mitgeschnitten und unter gleichlautendem Namen wie schon Moment und Dreams of Yesterday auf dem Schöne Töne Label herausgebracht. Auf der Live-CD finden sich neuere Songs genauso wie die alten Kracher der 75er On Tour. Als weiterer Gitarrist war Roman Ronzon mit dabei. Im Jahre 2012 stand das vierzigjährige Bandjubiläum an und so fand sich die Band wieder mal im Studio ein, um dem Jubiläum mit einer neuen Studio-LP Tribut zu zollen. Volker Wobbe wurde jetzt von Jens Gubert am Bass abgelöst und Rex Dehnhardt kam an den Keyboards zu Baumstam. Betitelt wurde das Jubiläumswerk mit der Gleichung 72 – 12 = 40. Der Sinn dahinter ist einfach … 1972 bis 2012 = 40 Jahre Baumstam. Herausgegeben wurde das Werk auf dem Green Tree Label, welches schon die On Tour mehrfach re-releast hatte und enthält elf neue Songs. Die 40th Anniversary Tour führte Baumstam durch zahlreiche Städte der Republik. Anfang 2014 verließ Gerd Stracke die Band, so dass eine weitere Umbesetzung vonnöten wurde. Adi Klawitter übernahm jetzt die Schlagzeugarbeit und Baumstam machen seitdem als Quartett weiter. Auch die Aufnahme eines weiteren Studioalbums ist geplant. Der geneigte Musikhörer darf sich also auf weitere Großtaten aus dem Hause Baumstam freuen und sich bis dahin an den bisherigen Werken aus blueslastigen Kraut-Stoner-Rock’n’Roll erfreuen. Hoffen wir, dass es so erfolgreich weitergeht.

Da die Originalpressung der On Tour nur in sehr kleiner Auflage vertrieben wurde, bringen besterhaltene Exemplare heutzutage bis zu vierstellige Preise auf dem Markt, da die Platte weltweit extrem gesucht ist. Mittlerweile gibt es einige Nachpressungen auf Vinyl und CD, von denen einige mit Bonustracks ausgestattet sind, die aber nicht die Qualität der neun auf der LP enthaltenen Songs aufweisen können. Die originalen Tracks werden heute noch von einigen Sendern in den USA im Radio gespielt und dienen dem sogenannten Stoner-Rock als Vorbild oder Referenz.

Baumstam – On Tour
1976 – BMF Label (Privat) – BS 6232 855

 

 

 

 


Tracklisting:

A1 – On Tour
A2 – Lucky Strike
A3 – Hold me
A4 – Jazz Break
A5 – Dusty Roads
B1 – Girl, i want to stay into your Fire
B2 – Last Letter
B3 – Fifteen Years old Mary
B4 – He’s a Liar

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