CD: Tangerine Dream – Quantum Gate


Der 29. September – Ein Datum, das für die Berliner Band Tangerine Dream zweimal wichtig ist. Zum ersten, weil genau an diesem Tag im Jahre 1967 der Geburtstag eines der wichtigsten Meilensteine in der Musik war, als Edgar Froese einen der Vorreiter der elektronischen Musik aus der Taufe hob. Zum anderen, weil just an diesem Tag, nur 50 Jahre später, Edgar Froeses musikalisches Vermächtnis veröffentlicht wurde. Leider verließ das Genie Froese 2015 die irdische Welt, um mit all den anderen Legenden die himmlischen Heerscharen des Musik-Olymps musikalisch zu unterhalten. Wenn man aber weiß, welch Tausendsassa Froese zu seinen Lebzeiten war, kann man sich denken, dass Unmengen an musikalischen Notizen aus seiner Feder, die bisher nicht das Licht der Welt erblickt haben, vorhanden sein „müssen“. Ein kleiner Teil dieser Notizen liegt jetzt in musikalischer Form vor mir und quillt in unnachahmlicher Art aus den Lautsprechern.

Quantum Gate heißt das vorliegende Werk, welches insgesamt neun Kompositionen beinhaltet, bei acht davon wird Edgar Froese als Komponist und Autor genannt. Mit Thorsten Quaeschning und Ulrich Schnauss an den Keyboards und Hoshiko Yamane als Cellistin sind drei Musiker mit an Board, mit denen Froese zu seinen Lebzeiten in den letzten Jahren gespielt hatte. Die neun Tracks von Quantum Gate fügen sich nahtlos ins Gesamtwerk von Tangerine Dream ein. Nicht unbedingt in das elektronische Gewabber der ersten frühen Jahre, dazu ist zuviel Melodie mit im Spiel. Ich persönlich würde die Scheibe ab Mitte der 80er Jahre einordnen. Die melodiösen Strukturen von damals mit der Moderne der Jetztzeit. Schwebend treibende Melodien aus Sequenzerpatterns, in denen Froese und Mitstreiter die passenden Harmonien aus Klavier und Synthesizern treffend einzuweben verstanden. Immer wieder wiederholende Klangbilder und musikalische Bilder mit typisch markanten Hüllkurven des analogen Equipments, polyphone Klangteppiche aus mehrfach geschichteten, analogen Synthesizern, die von wiederkehrenden Sequenzermustern überlagert werden, bilden den typischen, homogenen Sound, der TD berühmt gemacht hat. Gilt doch Froese fast als Erfinder des stilvollen Sequenzer-Geblubbers. Der Celloeinsatz von Hoshiko Yamane ist als sporadisch anzusehen. Ebenso, und das leider, der Einsatz der typischen Froese-Gitarre. Anscheinend hatte Froese in seinen musikalischen Aufzeichnungen sehr wenig Gitarrenspuren eingespielt.

Mit dem Tod von Edgar Froese ist ein musikalischer Meilenstein von uns gegangen. Mag es ein kleines Quantum Trost sein, dass uns Tangerine Dream mit Quantum Gate ein musikalisches Vermächtnis hinterlassen haben, das sich bestens in das Gesamtkunstwerk Edgar Froeses einfügt.

4,5 / 5

Tangerine Dream – Quantum Gate
Label: Kscope  (Edel)
CD: 14,99 €

Tracklisting:
01 – Sensing Elements
02 – Roll the Seven twice
03 – Granular Blankets
04 – It is Time to leave when everyone is dancing
05 – Identity proven Matrix
06 – Non-Locality Destination
07 – Proton Bonfire
08 – Tear down the grey Skies
09 – Genesis of precious Thoughts

 

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s