COOGANS BLUFF – Live im Bräu in Garching/Alz am 17.2.2018


Coogans Bluff – logisch – kennt man doch. Das war doch dieser Film mit Clint Eastwood. So werden die meisten antworten, wenn man den Namen Coogans Bluff in den Raum wirft. Hier geht’s aber mitnichten um die alte Eastwood-Schmonzette, sondern um eine Band aus Rostock, die aber mittlerweile in Berlin ihre neue Heimat gefunden hat. Coogans Bluff fanden erstmals 2012 den Weg in meine Gehörgänge, als ein Freund die LP Poncho Express mit in meinen Münchner Stammplattenladen brachte und dort dann der Track „Beefheart“ aus den Boxen polterte. Sofort wurden alle bis dato vorhandenen LPs beschafft und durchwegs für gut befunden.

Nachdem wir wie jedes Jahr im Januar zum obligatorischen Konzert der Hamburg Blues Band den Weg nach Garching/Alz auf uns genommen hatten, fanden wir dort den Flyer der beiden verrückten Idealisten von Luckyman Concerts, und was sahen meine Augen? Die Konzertankündigung von Coogans Bluff. Sofort war zu 100% klar, dass wir im Februar wieder den Weg ins Nirgendwo aufnehmen „mussten“, um da dabei zu sein. In besagtem Plattenladen war alles Feuer und Flamme, aber viele schreckten anlässlich der weiten Entfernung und der Wetterlage von starkem Schneefall doch zurück. Ein paar Unverzagte machten sich aber dann doch am 17. Februar auf den Weg zum Bräu, dieser extrem urigen Konzertlocation. Wider erwartens war der Konzertsaal gut gefüllt. Fast voll schaute das aus. Waren Coogans Bluff doch so bekannt, oder hatten Hans Wiesmüller und Ludwig Geisler erwartungsgemäß die Werbetrommel aufs Heftigste gerührt? Sind die beiden von Luckyman Concerts doch für Qualität beim Booking bekannt . Nach dem obligatorischen Cordon Bleu in der Wirtsstube nebenan ging’s so gegen 21:00 Uhr los.

Wie will man jetzt den Sound von Coogans Bluff beschreiben? In eine Schublade passt das Quintett beileibe nicht. Rock, gut … ne Prise progressiven Krautrock mit bluesig-jazzig-funkigen Anleihen, garniert mit punkigem Brass. Oben auf den Deckel schreiben wir noch Stoner-Rock drauf und dann passt das. Hört sich schräg an, und ist es auch, aber mit Dampf und bestens strukturiert. Gebremsten Schaum gibt’s da nicht. Der Sound marschiert durch die Hirnwindungen, wie seinerzeit der Wüstenfuchs Rommel durch Nordafrika – gnadenlos vorwärts. Ebenfalls ungewöhnlich ist der Bühnenaufbau. Das Schlagzeug von Charlie Paschen vorne in der Mitte. Gitarrist und Bruder Willi Paschen zu seiner Seite hatte entschieden mehr Platz als Basser Clemens Marasus auf der anderen Seite. Max Thum und Stefan Meinking am Gebläse wurden hinten mittig platziert.
Los geht ihr Set mit dem Titeltrack des letzten Studioalbums „Fly to the Stars“. Von Anfang an war das Publikum, das aus gut 200 Zuhörern bestand, voll mit dabei. Dieser verschwurbelte Sound, den der Berliner Fünfer da ablieferte, brachte die Leute sofort zum Abfeiern. Lange instrumentale Passagen, abgehobener spaceiger Gesang und eine Bläsersektion, die das Salz und den Pfeffer in der Soundsuppe bildete und das Ganze perfekt abrundete. Weiter ging’s mit „Back to the One“, ebenfalls vom Fly to the Stars Album. Das aktuelle Studioalbum aus dem Jahre 2016 bildete einen der Eckpfeiler des Sets und deshalb kann man auch die ersten fünf Songs darauf finden. „Hooray!“, „N.H.I.R.C.“ und „A Swim in the Park“ folgten. Von schnell bis langsam, von hart bis zart, jede Art von Sound wurde abgeliefert und begeistert angenommen. Mittlerweile konnten sich auch die anfangs zögernden Anwesenden im Publikum nicht mehr bremsen und gingen voll ab, wie schon der Großteil von Anfang an. Für eine relativ unbekannte Band, wenn man das vom Radio-Airplay-Standpunkt aus betrachtet, war das nicht schlecht. Ja mei … die können’s halt und überzeugen eben. Auf die folgende Nummer hatten mit Sicherheit viele gewartet. „Beefheart“ vom Poncho Express Album und der einzige Track, von dem es auch ein offizielles Youtube-Video gibt. Leise geht’s los, aber wenn Clemens Marasus die Röhre auspackt, geht’s ab wie die sprichwörtliche Luzie. Der originale Beefheart, Don van Vliet, besser bekannt unter Captain Beefheart, wäre zurecht stolz gewesen auf seinen Nachfolger. Marasus polterte durch die Strophen, dass es eine wahre Freude war. Einfach sensationell. Fast noch besser war der endslange, extrem gefühlvolle Posaunenpart von Max Thum darin. Mit „Money & Mess“ wurde endlich auch der vorletzte Longplayer Gettin‘ Dizzy bedient. „Why did you talk“ ist ebenso darauf zu finden, wie das abschließende „Ellen James Society“, welches meinen Spezl erstens den Unterkiefer sprichwörtlich nach unten klappen ließ, und ihn zweitens sofort dazu veranlasste, sich die LP am Merchandisestand zu kaufen. Mit einem begeistertem Gefühl ging es in eine gut viertelstündige kleine Pause.

Mit einem Oldie begann der zweite Teil des Sets. „Heartfull of Soul“, der alte Yardbirds Klassiker wurde dargebracht und bejubelt. „Where no Man has gone before“, „Gettin‘ Dizzy“, „No need (to hurry up)“ und „Too late“. Mit schöner Abwechslung wurden die beiden letzten Alben live performt, ehe mit „You and me“ wieder mal der Poncho Express zum Zuge kam. Als letzte Nummer des regulären Sets kam wieder eine Coverversion. „Gaffa Man“ von Ginger Bakers Airforce. Mit sehr lautem Jubel und einer Runde Schnaps wurde die Band von der Stage entlassen. Am Bühnenabgang standen sie grinsend inmitten der alten und neuen Fans, die sie zu Recht feierten und lautstark nach einer Zugabe verlangten. „Her Tears“ vom Dizzy-Album bildete den Schlusspunkt eines tollen Konzerts. Schade, dass sie die beiden ersten Alben CB Funk und Magic Bubbles nicht bedienten , aber mei … man kann nicht alles haben. Dann würde ein Bluff Konzert mehr als drei Stunden dauern, was jetzt auch nicht das Schlechteste wäre.

Den Boys hatte der Abend sichtlich Spaß gemacht, denn als ich kurze Zeit später zu ihnen backstage kam, waren sie immer noch am Grinsen. Schon bald mischten sie sich unter ihre glücklichen Fans und signierten, was das Zeug hielt. Der Merchandisestand wurde aufs Heftigste geplündert, was ein guter Indikator für die Zufriedenheit der Leute war.

Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich begeistert vom dargebotenen Programm war und mir Coogans Bluff bei ihrem nächsten Abstecher in den Süden der Republik definitiv wieder anschauen werde. Meine Bekannten waren ebenso begeistert, sowohl von der urigen Location, als auch von der Band.

Coogans Bluff – Setlist
01 – Flying to the Stars
02 – Back to the One
03 – Hooray!
04 – N.R.I.H.C.
05 – A Swim in the Park
06 – Beefheart
07 – Money & Mess
08 – Why did you talk
09 – Ellen James Society
10 – Heartfull of Soul
11 – Where no Man has gone before
12 – Gettin‘ Dizzy
13 – No need  (to hurry up)
14 – Too late
15 – You and me
16 – Gaffa Man
17 – Her Tears  (Zugabe)

 

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