Roger Waters – Us and Them Tour – 13.6.2018 – München Olympiahalle


Roger Waters – Immer, wenn der alte Pink Floyd Mastermind Station in München macht, sorgt das für eine ausverkaufte Location innerhalb von Stunden. So auch dieses Mal, nachdem Waters bekannt gab, dass er auf dieser Tour in erster Linie Material aus den „großen“ vier Pink Floyd Alben The dark Side of the Moon (1973), Wish you were here (1975), Animals (1977) und The Wall (1979) spielen würde. Jene Alben, die den Ruf dieser legendären Band unverrückbar festzementieren sollten. Innerhalb weniger Stunden war also die Olympiahalle wieder einmal ausverkauft. Wir hatten unsere Tickets rechtzeitig gesichert und bei Angebotspreisen bis zu 1000 Euro für ein Ticket kurz vor dem Termin konnte man merken, welchen Ruf Waters in der Welt der Musikliebhaber innehat. Einige Tage vor dem Konzert gabs noch Störfeuer vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, der groß in den Tageszeitungen verkündete, dass die Stadt München den Auftritt von Waters verhindert hätte, wenn die Verträge nicht schon vor längerer Zeit abgeschlossen worden wären. Laut Reiter hätten die antisemitischen Äußerungen Waters in der vergangenen Zeit keinen Platz in München.

In der Olympiahalle angekommen, sahen wir eine spartanische Bühne ohne großen Aufbau, der Meister hat sowas nicht nötig, außer er lässt die Mauer wieder auferstehen. Die Arena war bestuhlt, sein Publikum ist halt auch nicht mehr das jüngste, trotzdem er mittlerweile auch die Kids seiner alten Fans begeistern kann. So waren trotz einem ziemlich erhöhten Altersschnitt auch viele junge Fans in der Halle. Ein paar Minuten nach Acht gings dann los. Das Saallicht erlosch und die ersten Töne vom Band erklangen als Intro. „Speak to me“ aus dem The dark Side of the Moon Album bildete den Opener für „Breathe“, ebenfalls aus dem 73er Album. Waters wurde sofort bejubelt und gefeiert. Großflächige Videoprojektionen bilden den Hintergrund der Stage. Ein markanter Basslauf zu Beginn des nächsten Songs ließ mein Herz höher schlagen. Als alter Pink Floyd Fan kannte ich natürlich den Song, der jetzt kommen sollte. „One of these Days“ vom 1971er Album Meddle ist seit über 30 Jahren einer meiner Lieblingssongs der Band. Dem Applaus-Orkan zu urteilen anscheinend nicht nur meiner. Mit dem Ticken und Läuten vieler Uhren und Wecker ging es umjubelt wieder zurück zu einem der legendärsten Alben der Musikgeschichte – The Dark Side of the Moon. „Time“, gefolgt von „Breathe (Reprise)“ und „The great Gig in the Sky“ wurden allesamt bejubelt. Auf Dark Side folgte zwei Jahre später ein nicht minder berühmtes Album. Wish you were here hieß das Meisterwerk, welches eine Hommage an den Pink Floyd Mitgründer Syd Barrett war und ist. Das weltbekannte Cover mit dem brennenden Mann aus der Graphikschmiede Hipgnosis ist wohl eines der bekanntesten Motive auf einer Plattenhülle, wie auch das Prisma im Schwarzen von der Dark Side. „Welcome to the Machine“ aus diesem Werk wurde jetzt gespielt und zurecht bejubelt. Doch zurück in die Zukunft war jetzt angesagt. Is this the Life we really want? lautet der Titel von Waters‚ letztem Solowerk aus dem vergangenen Jahr. Daraus kamen die Songs „Deja Vu“, „The last Refugee“ und „Picture that“ an die Reihe, ehe Waters wieder ins Jahr 1975 zurückkehrte und den Titelsong  an der akustischen Gitarre anstimmte, in dem er den Weggang von Syd Barret bedauerte. „Wish you were here“ wurde mitgesungen und bejubelt. Der Applaus ebbte nicht ab, als gleich darauf Hubschraubergeräusche zu hören waren. Jeder wusste, was jetzt kommt. „The happiest Days in our Live“, gefolgt vom Megahit „Another Brick in the Wall – Part 2“ und Part 3 bildeten den Abschluss des ersten Teils des Konzertes. Anschließend wurde eine 20-minütige Pause eingelegt. So manche Blase dankte es Waters, ja ja – das Alter des Publikums …

Zu Beginn des zweiten Teils durchdrangen rote Blinklichter das Dunkel in der Halle und der Schriftzug DOGS war hinter der Bühne in leuchtendem Rot zu lesen. Das 1977er Album Animals kam anscheinend jetzt an die Reihe. Ein gefühlt 50 Meter langer Rahmen, an dem die Blinklichter kreisten, senkte sich auf die komplette Länge der Olympiahalle nach unten bis kurz über die Köpfe der Besucher in der Arena. Eine dröhnende Geräuschkulisse sorgte für eine bedrohliche Atmosphäre. Unter Getöse und Dampfschwaden tauchten auf einmal vier Schlote aus dem Rahmen auf und schoben sich nach oben. Dem Publikum stockte der Atem als sich die Schlote zu einer gigantischen kompletten Battersea Powersea Station auswuchsen, die da aus dem Nichts enstand, dem Covermotiv des 77er Animals Albums. Inklusive dem berühmten Schwein, das zwischen zwei Kaminen schwebte. Dieses Fabrikmotiv als optisches Etikett für die Technologisierung und der daraus entstandenen Kommerzialisierung hernehmend, tauchten jetzt zunehmend politische Botschaften im Bühnenbild auf. Beim nächstfolgenden Song „Pigs (Three different ones)“ benutzte Waters das Konterfeit eines seiner ärgsten Feindbilder als Hauptmotiv seiner Projektionen. Donald Trump war und ist für Waters das Oberschwein dieser Welt. Trump, der amerikanische Oberclown, der sich einen Dreck um das schert, was viele Leute vor ihm zum Schutze der Natur, der Minderheiten, der einfachen Leute in den USA aufgebaut hatten. Der stattdessen nur auf Profit aus ist, koste es, was es wolle. Diese Ablehnung zeigt Waters sehr deutlich in großen Lettern. Trump ist ein Schwein stand da in deutscher Schrift zu lesen. Zum Song schwebte auch wieder das riesige aufblasbare Schwein durch die Halle, auf dem zu lesen stand: Stay human und Bleibe menschlich. Um Profit geht’s auch im folgenden Song, wieder vom Dark Side Album. Registrierkassenklingeln kündigte einen der größten Hits von Pink Floyd an. „Money“ bretterte durch die Halle und wurde begeistert angenommen. Bezeichnend für Waters das Konterfeit des Herrn Mark Zuckerberg an der Videowand beim Thema Money. Mit „Us and them“ von der gleichen LP gings weiter, ehe mit „Smell the Roses“ wieder das neueste Solowerk von Waters an der Reihe war. Mittlerweile war nicht mehr nur der amerikanische Trump(el) das Hauptmotiv der Projektionen. Nein – Waters wetterte allgemein über den wiederkehrenden Faschismus dieser Tage. Farage, Orban, Le Pen, Kurz und Putin … alle standen da zu lesen. Putins Name mit einem Fragezeichen versehen. RESIST, auf deutsch WIDERSTEHE stand in großen Lettern oft zu lesen an der Wand. Widersteht den extremistischen Strömungen lautete Waters‚ Botschaft. Roger Waters stellte sich auf die Seite der Unterdrückten in vielen Staaten dieser Erde. Auch eben auf die Seite der Palästinenser, die mehr als offensichtlich vom Staate Israel unterdrückt werden. Diesen Zusammenhang hat der Münchner Oberbürgermeister anscheinend nicht verstanden oder wollte ihn nicht im allgemeinen Waters-Kontext sehen. Das hat in keinster Weise mit Antisemitismus zu tun, sondern mit der Ablehnung der Machenschaften des Staates Israel. Aber klar – mit der Antisemitismus-Keule argumentiert es sich halt viel leichter.  Reiter – setzen – Sechs. Beim nächsten Mal bitte den allgemeinen Kontext betrachten und nicht nur da,s was anscheinend mit der deutschen Vergangenheit zu tun hat. Auch die Gegenwart zählt, und Waters zeigt die gegenwärtigen Strömungen deutlich auf. Er nahm auch die Gelegenheit wahr, um auf das Statement von Dieter Reiter in einen Ansprache einzugehen – in nicht zu sanften Worten. Bei so manchem Politiker ist der Titel des folgenden Songs anscheinend Teil seiner Karriere. „Brain Damage“, gefolgt von „Eclipse“, beide vom 73er Erfolgsalbum The dark Side of the Moon bildeten den umjubelten Abschluss der Us and them Show. Die Band verschwand von der Bühne, um schon kurz danach wiederzukommen und mit einem grandiosen „Comfortably Numb“ schloss Waters den Liederabend der politischen Botschaften.

Mein Fazit für den Abend: Waters mit Band ist eigentlich immer gut, so auch an diesem Abend. Ich hab Roger Waters 2002 auf der In the Flesh Tour live gesehen und da hatte er um einiges mehr Biss, was vielleicht auch an der damaligen Besetzung mit Fairweather Low, Snowy White, Broad und P.P.Arnold, selbst allesamt Weltstars, gelegen haben mag. Waters Show wirkte etwas statisch und zu durchgeplant an diesem Abend – vielleicht auch etwas zu politisch. Trotzdem war es für mich und für gut 10.000 weitere ein vergnüglicher Abend.

Setlist:
01 – Speak to me (Intro)
02 – Breathe
03 – One of these Days
04 – Time
05 – Breathe  (Reprise)
06 – The great Gig in the Sky
07 – Welcome to the Machine
08 – Deja Vu
09 – The last Refugee
10 – Picture that
11 – Wish you were here
12 – The happiest Days of our Lives
13 – Another Brick in the Wall – Part 2
14 – Another Brick in the Wall – Part 3
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15 – Dogs
16 – Pigs  (Three different Ones)
17 – Money
18 – Us and them
19 – Smell the Roses
20 – Brain Damage
21 – Eclipse
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22 – Comfortably Numb

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