Film: Swiss Army Man


Hank ist auf einer einsamen Insel gestrandet und möchte seinem Leben ein Ende setzen, da entdeckt er eine Leiche am Strand. Mit Mannys Hilfe schafft er es, wieder ans Festland zu kommen und macht sich gemeinsam mit ihm auf die Suche nach Zivilisation und seinem alten Leben. Doch Leiche Manny zeigt ihm eine völlig neue Sicht auf das Sein.
Kann hinter einer furzende Leiche eine philosophische Bedeutung stecken – oder hat Der, dessen Name nicht genannt werden darf doch gewonnen? Grotesk ist die Rolle des großen Daniel Radcliffe schon, der fahl geschminkt mit angehenden Leichenflecken einen Toten mimt. Bei den ersten Flatulenzen, die sogar die Aufmerksamkeit des suizidgefährdeten Hank erregen, weiß der Zuschauer noch nicht ganz, ob er lachen oder abgestoßen sein soll. Spätestens bei den nachfolgenden Szenen entscheiden sich die meisten für ein irritiertes Lachen, ist es doch zu absonderlich, dass die flatulierende Leiche als Speedboot genutzt wird, um von der einsamen Insel zu entkommen. Danach beginnt ein waghalsiger Trip durch den Wald, der leider nicht ganz so drogenverzerrt ist wie beispielsweise Fear and Loathing in Las Vegas. Da fehlt der Esprit, der Wahnwitz und Charme eines Hunter S. Thompson ganz deutlich. Dafür wird Manny ein treuer und schwerlastender Weggefährte, dem die Welt erklärt werden muss und dessen Erektion bald schon zum Kompass wird. Liebesszenen, die so nie stattgefunden hatten, werden nachgespielt, Hank baut mit viel Geschick einen Bus nach, ein Café, ein glückliches Leben. Man muss sich zwischenzeitlich fragen, warum der Swiss Army Man, der so vieles kann (also furzen als Antrieb, Wasser spenden, Kieselsteine schießen und damit Tiere abknallen, als Hacke dienen, Feuer machen…) nicht für etwas Sinnvolleres genutzt wird. Die Rettung des ehemals schiffbrüchigen Hank scheint so nahe zu liegen, so simpel zu sein mit einem menschlichen Schweizer Taschenmesser – jedoch nutzt er es nicht dafür. Stattdessen gibt er sich einem Traum hin, den er der Leiche als dessen eigenen verkaufen möchte.
Man kann sich am Ende fragen: Machen Flatulenzen glücklich? Manny fragt Hank einmal, warum dieser nie in seiner Gegenwart furzt – und hier ist eine kleine Schlüsselszene, denn Hank ist weitgehend gefangen in gesellschaftlichen Grenzen, kennt die Tabus, über die man nicht spricht oder die man eben nicht bricht. Manny zeigt ihm, dass es auch anders geht und man unbeschwerter leben kann, wenn man auf all diese Tabus pfeift. Am Ende lässt Hank einen fahren und die Zivilisation findet es widerlich – für ihn jedoch ist es ein Befreiungsschlag, ein Ausbrechen aus Regeln und Engstirnigkeit.
Die Frage aller Fragen in einer Beziehung wird hiermit beantwortet: Wie peinlich ist es, vor dem Partner zu furzen. Während Männer damit seltener Probleme haben, ist es für den weiblichen Part geradezu dramatisch – aber ist eine Flatulenz nicht der größte Vertrauensbeweis und die eigentliche, wahre Freiheit?
Für den Film braucht man etwas stärkere Nerven und keine allzu hohe Schamgrenze. Entweder nimmt man ihn als komödiantischen Tragikstreifen oder lässt der Interpretation freien Lauf.
3/5

Swiss Army Man
Regie: Daniel Kwan, Daniel Scheinert
USA 2016
Darsteller: Daniel Radcliffe, Paul Dano, Mary Elizabeth Winstead
FSK: 12 Jahre
Spielzeit: 97 Minuten

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