The Story behind … Buffalo – Volcanic Rock


Die Story um eine der großen Bands Australiens begann im Jahr 1966 in Brisbane in Queensland, als die beiden  Kumpels Dave Tice und Peter Wells zusammen in der Band The Odd Colours spielten. Wells zupfte den Bass und Tice war der Sänger. Nach dem Zerfall der Band und einem kurzen Intermezzo mit Strange Brew formten die beiden Freunde die Capitol Show Band, die relativ erfolgreich den lokalen Markt in Queensland bediente. Im Jahr 1969 gründeten Wells und Tice zusammen mit Neil Jensen an der Gitarre und Steve Jones an den Drums die Band Head. Nachdem die Szene für Head in Brisbane langsam zu klein wurde, zogen die vier nach Sydney wo sie sich bald einen guten Ruf in der Szene machten. Dem schwierigeren Leben in der Metropole Sydney war es geschuldet, dass Jensen und Jones die Band nach einigen Monaten verließen. John Baxter (Ex-Mandala) und Peter Leighton (Ex-Aftermath) übernahmen die vakanten Posten. Ihr guter Ruf als harte Rockband wuchs enorm, als die Gruppe mit der Dal Myles Agentur zusammenarbeitete. Der Lohn für ihre Anstrengungen war ein Vertrag mit Phonogram und der Aufnahme ihrer ersten Single „Hobo“ / „Sad Song: Then“ auf dem Philips Label. Beide Titel wurden von Baxter und Tice geschrieben. Die Single ist heute fast nicht zu finden und schwer gesucht. Einige Wochen nach der Veröffentlichung verließ Peter Leighton aus Unzufriedenheit über die Ignoranz der Radiostationen in Bezug auf Airplay enttäuscht die Band und wurde durch Paul Balbi am Schlagzeug ersetzt. Als zweiten Sänger konnte man Allan Milano gewinnen, der bereits bei Mandala mit Baxter gespielt hatte. Da die Band wusste, was sie zu bieten hatte, kam man mit dem Management überein, den Namen Head zu entsorgen und taufte sich in Buffalo um. Gleichzeitig wurde der Sound der Band noch etwas härter. Die Umbenennung hatte mehrere Gründe. Einer davon war, dass es bereits eine Gruppe mit dem Namen Headband gab und dies manchmal für Verwicklungen gesorgt hatte. Die Jungs wollten auch einen Namen, der ihren neuen, härteren Stil besser verkörperte. Der neue Name sollte unbedingt mit einem „B“ beginnen. Von den Bandmitgliedern sind verschiedene Versionen für den Grund der Auswahl überliefert. Am wahrscheinlichsten ist die Behauptung von Allan Milano, der auf einer Landkarte einen gezeichneten Wasserbüffel sah. Der Bandname Buffalo war also geboren. Der nächst große Durchbruch war im März 1972 die Vertragsunterzeichnung beim Vertigo Label. Buffalo waren 72 die erste Band, die bei Vertigo außerhalb Englands anheuerte. Namhafte Labelkollegen waren da zum Beispiel Black Sabbath, Uriah Heep, Colosseum oder Manfred Mann. Zusammen mit Produzent Spencer Lee ging die Truppe in die United Sound Studios, um ihre erste LP aufzunehmen. Vor der Debut-LP brachte Phonogram, die Muttergesellschaft von Vertigo, ihre erste Single „Suzie Sunshine“ / „No particular Place to go“ wieder auf dem Philips Label, als Vorgeschmack für den Longplayer auf den Markt. Zum großen Ärger von Plattenfirma und Band lief die Single nur selten im Radio. Um die Band zu promoten, veranstaltete Phonogram ein Konzert von Buffalo, zusammen mit australischen Kollegen von Chain, Coloured Balls und Spectrum. Als Promotiongag fand eine Fotosession auf dem Rookwood Friedhof in Sydney statt. Im Mai 1972 war es dann endlich soweit: Ihre erste Langspielplatte, mit dem Namen Dead Forever betitelt, kam auf den Markt und fand bei der Journalie auch guten Anklang. Die Platte wurde 1972 ausschließlich als australische und als deutsche Pressung veröffentlicht. Beide auf dem legendären Vertigo Swirl Label. Auf der Coverrückseite war das Bandmotto gleich aufgedruckt: „Play this Album loud“ stand da zu lesen. Buffalo live klangen damals so gewaltig wie eine durchgehende Büffelherde und galten als Australiens lauteste Band. Als nächste Veröffentlichung warf Philips die nächste Single „Just a little Rock’n’Roll“ / „Barbershop Rock“ auf den Markt. Der Rest des Jahres war geprägt von Unstimmigkeiten innerhalb der Band. Dave Tice spielte einige Gigs mit der Band Mr. Madness, Allan Milano hatte die Musikszene ganz verlassen und kurz darauf folgte ihm Paul Balbi, der durch Drummer Jimmy Economou ersetzt wurde. Der wiederum war früher ebenfalls bei Mandala beschäftigt. Die jetzige Bandbesetzung Tice, Wells, Baxter und Economou wird als das klassische Buffalo-Line-Up bezeichnet. Im Januar 1973 gingen Black Sabbath auf Australien Tournee und Vertigo nutzte die Chance, Buffalo als einheimische Labelband als Supportband für die beiden Konzerte in Sydney zu buchen. Verkauft wurden die beiden Show als „Clash of the Titans“. Es wurden zwei grandiose Shows … für Buffalo. Während ihr hartes Paket von Presse und Fans gefeiert wurde, war über Sabbath nur Negatives zu lesen. Buffalo hatten den Headliner buchstäblich an die Wand gespielt. Kurz nach den beiden Sydney Konzerten spielten Buffalo zusammen mit Status Quo, Lindisfarne und Caravan eine Show in Melbourne, wo sie erneut eine grandiose Presse bekamen.

Angestachelt durch den Tourerfolg reiften die Pläne für das zweite Album. Wieder mit Spencer Lee in den United Sound Studios entstand dort Volcanic Rock, eine der größten australischen Plattenproduktionen. Dieses Album ist wie aus einem Guss geschmolzene Lava, vom Anfang bis zum Ende. Alle Songs wurden von Tice / Baxter geschrieben, mit Ausnahme des Instrumentals „Pound of Flesh“ aus der Feder von Baxter / Wells. Volcanic Rock wurde ausschließlich in Australien heraus gebracht, wieder auf dem Vertigo Swirl Label und mit der Nummer 6357 101. Die Gestaltung des Klappcovers, welches einen gezeichneten, weiblichen menstruierenden Vulkan zeigt, sorgte wie schon bei Dead Forever für Kontroversen innerhalb der Band. Der Erstauflage im Klappcover lag ein Poster bei.

Die erste Seite der LP beginnt gleich mit einem Dampfhammer. Eine lärmende Gitarre auf einem grollenden Teppich aus Drums und Bass fegt durch die Boxen. Gleich nach einem kurzen Intro keucht die röhrende Stimme von Dave Tice aus den Boxen. „Sunrise (Coming my Way)“ donnert mit Vollgas dahin. Gleich darauf folgt eine wahre Progrock-Hymne. Ein lautes Intro auf der elektrischen Gitarre, gefolgt von einem zähen Basslauf. Peter Wells zupft stoisch im bluesigen Midtempo ein simples Thema, auf dem sich die Gitarre von John Baxter in psychedelischer Manier durch die Gehörgänge schraubt. „Freedom“ ist eine echte Gitarrenorgie, die, wenn man sie laut auf sich einwirken lässt, neun Minuten lang Zeit und Raum verschmelzen lässt. Keuchend und verzerrt beginnt „Till my Death“. Tice röhrt sich im wahrsten Sinn die Seele aus dem Leib. Ein bluesiges Thema, welches Vergleiche mit den Bands Cream oder Mountain ziehen lässt. Langsam stolpert „The Prophet“ dahin. Ein hart gespielter, schwerer Midtempo-Blues, der einen siebeneinhalb Minuten zum Mitwippen und Kopfschütteln animiert. Ein dahinstolperndes Instrumental pumpt stoisch. Oben drüber jault Baxters Gitarre in psychedelischen verhallten Verrenkungen. Nach fünf Minuten geht die Post aber gehörig ab. Mit einem Riff, welches schwer an Black Sabbath erinnert, donnert der letzte Track durch die Speaker. „Shylock“ bringt durch die schnelle Härte alles nochmal zum Kochen. Auf der Original-LP ist jetzt Schluss, aber die diversen Nachpressungen auf Vinyl und CD bringen einige Bonustracks mit. Buffalo hatte sich in den letzten zwei Jahren ihre Reputation als progressive Hard and Heavy-Band ehrlich verdient, aber mit der Veröffentlichung der Volcanic Rock LP wurde diese australische Legende in Stein gemeißelt. Musikalische Lava, die sich in bösartiger, dreckiger Weise aus der Hölle direkt in die Ohren der Hörer ergießt.

Vertigo veröffentlichte aus der LP eine einzige Single. „Sunrise (Coming my Way)“ mit dem instrumentalen „Pound of Flesh“ auf der Rückseite wurde aber wiederum vom Radio komplett ignoriert. Bei den Fans dagegen war Volcanic Rock extrem beliebt und die Band spielte in den nächsten Monaten ständig auf dem australischen Kontinent. Sogar bei der Eröffnung des Sydney Operahouse spielten Buffalo ein Set. Auf ihrer Welle der Erfolgs folgten erneute Aufnahmen in den United Sound Studios, welche zur dritten LP Only want you to your Body führten. Etwas weg vom progressiven, psychedelischen, orgiastischen Sound und hin zum harten dreckigen heavy Riff-Rock. Kurz vor der LP schob Vertigo noch schnell die Single „What’s going on“ / „I’m coming on“ und die mittlerweile fast unmöglich zu findende 4-Track EP Buffalo voraus. Mit der Covergestaltung schoss die Band jetzt den Vogel an Geschmacklosigkeit ab. Das in graubraunen Tönen gehaltene Cover zeigte eine dicke, schreiende Frau auf einer Streckbank. Das Bild auf der Rückseite zeigte die Band als laszive Aussierocker. Ende 1974 kam der Ex-Band of Light Gitarrist Norman Roue zusätzlich in die Band. Buffalo spielten nur kurze Zeit als Quintett, bis John Baxter vom damaligen Manager Sebastian Chase entlassen wurde, um den Sound mehr in eine kommerzielle Richtung zu lenken. Dave Tice erklärte im Nachhinein, dass die Entlassung Baxters die schlimmste Entscheidung der Bandgeschichte war. Trotz dem Buffalo noch zwei weitere Platten aufnahmen, war der Spirit der Band erloschen. Kurz danach wurde Colin Stead, der vorher bei Prolog, Lloyd’s World und Sweet Wine zugange war, in die Band gehievt, um der Gitarrenarbeit mehr Power zu verleihen. Nach nur einer kurzen Tour verließ Stead die Band aber wieder. Während der Aufnahmen zur folgenden LP machte Gitarrist Roue den Abflug und wurde schnell durch Karl Taylor ersetzt. Im März 1976 kam Mothers Choice auf den Markt. Vom vorherigen, schweren und harten Sound war fast nichts mehr vorhanden. Stattdessen beherrschte ein eher traditionell gehaltener Rock and Roll den Ton. Die beiden ursprünglichen geplanten Plattentitel „Lieder für die frustrierte Hausfrau“ oder „Diebe, Punks, Abzocker und Lügner“ (Ein politisches Konzept) lehnte Phonogram als zu sexuell und umstritten ab. Als Vorgeschmack auf die LP wurden die beiden Singles „Queenie“ / „Girl can not help it“ und „Lucky“ / „On my Way“ veröffentlicht. Die beiden B-Seiten waren nicht auf der LP vorhanden, sondern wurden erst 1990 auf dem Band-Sampler Rock Lifters (Highlights & Oversites 1972-1976) auf Raven Records wiederveröffentlicht. Einige Monate nach dem Album Release wurde Karl Taylor von der Band entlassen und durch Chris Turner ersetzt. Er spielte vorher bei den Consorts, Action und Drain.

Mittlerweile hatte Peter Wells die Nase gestrichen voll und quittierte den Dienst in seiner Band. Er sattelte vom Bass auf die Gitarre um und gründete zusammen mit Gary „Angry“ Anderson (Ex-Buster Brown) und Ian Rilen (Ex-Band of Light) die Hardrocktruppe Rose Tattoo. Für Wells kam Ross Simms zu Buffalo. Im November 76 ging die Band als Anheizer für Rainbow auf eine Australientour. Gegen Ende des Jahres nahmen Buffalo das Album Average Rock’n’Roller auf, das nichts mehr mit der dreckigen Wucht der ersten beiden Alben gemeinsam hatte, sondern nur noch ein müder Abklatsch der einstigen Kraft war. Einzig der Track „Hotel Ladies“ kann etwas hervorgehoben werden. Nachdem Dave Tice im März 1977 nach London ging, um mit seinem alten Kumpel Paul Balbi, mit dem er bereits bei Head und Buffalo gespielt hatte, in der Band The Count Bishops zu spielen, lösten sich Buffalo endgültig auf. Average Rock’n’Roller wurde im Juli 77 veröffentlicht.

Buffalo – Volcanic Rock
1973 – Vertigo – 6357 101

 

 

 

Tracklisting:
A1 – Sunrise (Come my Way)
A2 – Freedom
A3 – Till my Death
B1 – The Prophet
B2a – Intro: Pound of Flesh
B2b – Shylock

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s