Buch: Markus Heitz – Da die Menschen böse sind


Was geschieht, wenn man die Grundlagen des Behaviorismus veranschaulichen würde? Was würde passieren, wenn man Menschen zu einer exklusiven Cluberöffnung einlädt, alle Zugänge verschließt, Koks, andere Drogen, Waffen und Alkohol zur freien Verfügung positioniert? Was machen diese Menschen, wenn man ihnen sagt, sie seien 24 Stunden eingeschlossen und es gelten keine Regeln, alles sei erlaubt?

Es ist der Verlust sämtlicher Zivilisation und wirft gleichzeitig die Frage auf, was den Menschen davon abhält, in einem weniger eingegrenzten Raum sich ähnlich zu verhalten. Behaviorismus, ein wahnsinnig interessanter Bereich aus der Psychologie, wurde vor allem durch die Black Box von Frederic Burrhus Skinner bekannt, der allerdings Tauben als Versuchstiere nahm. Es ist eine Form von Verhaltensforschung, die, vereinfacht ausgedrückt, menschliches oder tierisches Verhalten erklären und auf einen Ursprung zurückführen möchte. Auch Pawlow spielt hierbei eine Rolle, war er doch an der Konditionierung interessiert. Aber schweifen wir nicht zu sehr ab.

Heitz stellt vielmehr die unterschwellige Frage: Wozu ist der Mensch fähig, wenn man ihn von der Leine lässt, also von allen Regeln befreit? Wenn er alles tun und lassen kann, was er möchte. Nicht nur in seinem Szenario beginnt das Morden. Man kennt ähnliche Geschichten – übrigens sind Battle Royal und die Tribute von Panem sowie die Geschichte von A.C. Hurts All beauty must die an ähnliche Verhaltensweisen angelehnt. Auch die bekannte Verfilmung mit Moritz Bleibtreu Das Experiment Black Box ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Heitz beschreibt in der Rahmengeschichte, wie Studierende von ihrem Professor einen Film vorgeführt bekommen, der eben dieses Szenario zum Inhalt hat – und wie sie am Ende reagieren, was nichts anderes ist, als die Weiterführung des Experiments oder noch besser ausgedrückt, ein eigenständiges Experiment, das sich dem Milgram-Experiment anschließt. Wer steht auf, wer geht, wer unterbricht, wer feuert an, wer macht weiter? Brillante und gleichzeitig maßlos erschreckende Versuche und Ergebnisse. Markus Heitz schreibt also nicht einfach eine Horrorgeschichte mit viel Mord und Blut, sondern ein tiefgründiges Kurzwerk, das vielleicht gerade in Hinblick auf Extreme-Horror-Fans interessant sein dürfte, denn man kann durchaus fragen, ob es bei ihnen diese Schmerzgrenze gibt – und es sei gesagt, ja, es gibt sie – aber was ist mit den Lesern, die das Buch nicht aus der Hand legen? Was ist der Unterschied zwischen Fiktion und Realität?

Nach diesem Ausflug kurz zurück zum Buch: Neben dem Gemetzel findet man unterschiedliche Charaktere, den Kämpfer, den Angsthasen, den Sozialen und die zahllosen Opfer. Es ist spannend, wie Heitz die Geschichte aufbaut und wie er seine Charaktere agieren und vor allem auf Unerwartetes reagieren lässt. Manches ist vermutlich einfacher nachvollziehbar als anderes, manche Charakterzüge bringt der Leser selbst mit und kann sich so seine Rolle in diesem Szenario ausmalen. Man hat natürlich seine Favoriten, die paar Figuren, die näher beschrieben werden und die allein deshalb vielleicht eine Chance haben, zu überleben. Doch die Spannung wird aufgebaut und gehalten durch einige Überraschungen – und man darf nicht vergessen, es gibt ja auch noch eine Rahmengeschichte…

Auch ohne den Hintergrund des Behaviorismus ist es eine großartige Kurzgeschichte geworden. Vielleicht regt sich auch manchen Leser dazu an, sich mehr mit diesem Thema und den Experimenten zu befassen. Absoluter Lesetipp!

5/5

Markus Heitz – Da die Menschen böse sind
Kindle ebook
ca. 62 Seiten
1,99 €
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