Buch: Benjamin von Stuckrad-Barre – Panikherz


Benjamin von Stuckrad-Barre erzählt eine Geschichte, wie man sie sich nicht ausdenken kann: Er wollte den Rockstar-Taumel und das Rockstar-Leben, bekam beides und folgerichtig auch den Rockstar-Absturz. Früher Ruhm, Realitätsverlust, Drogenabhängigkeit. Udo Lindenbergs rebellische Märchenlieder prägten und verführten ihn, doch Udo selbst wird Freund und später Retter. Und dann eine Selbstfindung am dafür unwahrscheinlichsten Ort – im mythenumrankten Hotel »Chateau Marmont« in Hollywood. Was als Rückzug und Klausur geplant war, erweist sich als Rückkehr ins Schreiben und in ein Leben als Roman. Drumherum tobt der Rausch, der Erzähler bleibt diesmal nüchtern. Schreibend erinnert er sich an seine Träume und Helden – und trifft viele von ihnen wieder, am Ende auch sich selbst. (Quelle: Amazon – Produktbeschreibung)

Stuckrad-Barre … wer kennt ihn nicht? Den Liebling des Feuilletons, den hochgejubelten Held der Massen und der Klatschspalten , den Hero vom Rolling Stone. Ich kenne ihn – und ich mag ihn nicht. Sein blasierter, affektierter Schreibstil ist mir schon als Abonnent vom Stone auf die Nerven gefallen. Ich bin also absolut kein Fan von ihm. Wessen Fan ich aber schon seit den Endsiebzigern bin, ist unser oller Panik-Udo. Udo Lindenberg, der huttragende und Likörell-malende Zampano, dem trotz seiner skurrilen Ausschweifungen niemand böse sein kann. Weibchen weiß das, und so lag eines Tages das Werk Panikherz auf meinem Tisch. Beschreibt doch das Buch die Beziehung zwischen uns Udo und BVS-B. Ojee – Stuckrad-Barre dachte ich und legte das Buch zur Seite. Dort lag es ein paar Wochen, aber endlich konnte ich mich zum Lesen durchringen. Doch was war das? Nach den ersten 30 Seiten meinte ich schon meine Meinung über Stuckrad-Barre ändern zu müssen. Normaler Schreibstil, der so ganz anders war als sein bisheriges Geschriebenes. Die Geschichte, wie S-B als Kind und Jugendlicher Udo Lindenberg wahrgenommen und lieben gelernt hatte, war schlichtweg gut. Der Aufstieg in die Musik- und Medien-Szene Stuckrad-Barres nahm seinen Lauf und während der Beschreibung dessen kam auch der alte Stil wieder zum Vorschein – der Stil, den ich eben nicht an S-B mag. Selbstüberschätzend und großspurig. Dieser Stil zieht sich über den Großteil des Buches dahin. Man meint während des Lesens nur immer raus zu hören: „Schaut alle, wie cool ich bin – wen ich alles kenne – wen ich alles getroffen hab – wo ich schon überall war“. Fast alle Medien, die meinen, zu jeder hochstilisierten Person ihren Senf dazugeben zu müssen, schlugen auch in die gleiche Kerbe. „Lange nichts gelesen, was mich so berührt hat“ (Ferdinand von Schirach), „Eine brillante Erzählung über die Obsessionen unserer westlichen Kultur“ (Der Spiegel), „Ein großes Buch, ein Buch, was bleiben wird“ (TAZ). Lobhudelei auf einen hochgejubelten, vermeintlichen Großen? Ich würde von Schirach und dem Spiegel mal empfehlen in die Ghettos und Slums unserer westlichen Armutskultur der Tafeln und Obdachlosigkeiten hinab zu tauchen und schauen was hier in Deutschland wirklich bewegen kann und sollte. Ob das Buch „bleibt“ wird sich in zehn bis zwanzig Jahren zeigen. Ich glaub das nicht.

Für mich ist dieses Buch ein fast überflüssiges Machwerk. Es ist ein nettes Werk über die Freundschaft zweier Menschen, das stimmt. Eigentlich ein Lobgesang auf Udo Lindenbergs Persönlichkeit und Wesen. Dem stimme ich voll und ganz zu, das hat der Udo wahrlich verdient – mehr aber nicht. Nur weil jemand vom Feuilleton hochgejubelt wird, muss er kein Wunderkind sein, was im Falle Benjamin von Stuckrad-Barres vielerorts so suggeriert wird.

1,5 / 5

Benjamin von Stuckrad-Barre – Panikherz
Kiepenheuer & Witsch, 2017
576 Seiten
Taschenbuch: 12,99 €
Amazon:

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