Buch: Carla Berling – Der Alte muss weg


Steffi ist Mitte fünfzig und furchtbar unzufrieden – mit allem: dem Leben, der Ehe mit Tom, der Gesamtsituation. Ihren Freundinnen geht es nicht anders, auch sie sind gelangweilt oder leiden unter den tyrannischen Ehemännern. Wie wäre es, wenn man diese hinter sich lassen könnte, dabei aber die Annehmlichkeiten wie Haus, Auto und Geld nicht verlieren würde? Geht das überhaupt und wie vertuscht man einen Mord?

Carla Berling schreibt seit Jahren erfolgreich als Selfpublisherin ihre Krimireihe rund um Ira Wittekind. Der Weg zu Heyne war goldrichtig und nun wird mit Der Alte muss weg ein weiteres Genre bedient. Die Damen sind alle Mitte fünfzig und haben in ihrem Leben einiges erlebt und hinter sich gebracht. Sie leben, lieben, arbeiten, habe ihre Kinder erzogen und flügge werden lassen. Nun könnte ein toller zweiter Lebensabschnitt folgen, aber die Damen sind festgefahren und fühlen sich eingeengt in ihren Lebensumständen. Protagonistin Steffi langweilt sich und möchte etwas ändern, am liebsten ohne ihren Tom, aber das, was sie all die Jahre über gemeinsam aufgebaut haben, das möchte sie dann doch nicht verlieren. Da hat es die Nachbarin Babette schon erheblich schwerer. Sie muss unter einem widerlichen Ehemann leiden, der seine Ehefrau für ein verpfuschtes Leben verantwortlich macht und kein gutes Haar an ihr lässt. Immerhin hat er eine Vereinbarung mit ihr getroffen, sie darf den Haushalt schmeißen und in der Einliegerwohnung im Keller leben, dafür aber mit anderen Männern ins Bett. Während sich die Freundinnen über die Dreistigkeit des Ehemanns aufregen, hat Babette sich damit abgefunden.

Ein paar Klischees werden abgeklopft, das bleibt nicht aus. Aber Berling schafft es mit viel Charme, der Geschichte einen sehr amüsanten Touch zu verleihen und macht dabei deutlich, dass man mit fünfzig vieles ist, aber keinesfalls alt. Lebenslustig erzählt sie von einem eintönigen Leben nahe Köln, lässt immer wieder Lokalkolorit einfließen und natürlich auch den liebenswerten Dialekt. Die Frauentypen sind spitz gezeichnet, man hat die Damen direkt vor Augen und fühlt sich in ihren Kreis aufgenommen, wenn sie von ihren Männern, Affären oder den tristen Jobs berichten.

Der Alte muss weg ist vermutlich der vergnüglichste Roman des Jahres, mit erhobenen Augenbrauen und Zeigefingern, Lachfältchen und der tollen Botschaft: Sei wie Du bist – und rede drüber. Ein absolutes Lesemuss mit höchsten Amüsementfaktor.

5/5

Carla Berling – Der Alte muss weg
Heyne Verlag, 2019
320 Seiten
Taschenbuch: 9,99 €
Verlagsseite

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