CD: Wardress – Dress for War


Wir schreiben das Jahr 1984. Der Kalte Krieg zwischen den USA und dem kommunistischen Russland ist in vollem Gange als sich zwei Jungs, Gitarrist Alex Gor und Sänger Erich Eysn aufmachen, eine Band zu gründen. Genannt wurde das Bandprojekt Wardress und schnell wurden auch einige Songs geschrieben und als Demo aufgenommen. Nur ein Jahr später gab es einige persönliche Probleme und Wardress war wieder Geschichte. Aufgelöst und Vergangenheit. Ganze 33 Jahre später entdeckte Alex das alte Demotape und fragte sich, wie die alten Songs sich anhören würden, wenn das Ganze unter studiomäßigen Bedingungen sauber aufgenommen worden wäre. Verrücktheiten soll man bisweilen pflegen, also lag nichts näher als dass er seinen alten Kumpel Erich kontaktierte, um diese Idee in die Tat umzusetzen. Zwei neue Mitstreiter, Mirco Daugsch am Bass und Andy Setter am Schlagzeug waren schnell gefunden und los ging’s.

Die Demosongs dampften den Geist der alten Heavy Metal Götter aus. Das alte Material wurde von den vielen alten Bandlegenden inspiriert, also war anzunehmen, dass es nicht unbedingt das schlechteste war. Ein paar neue Songs im alten Gewand waren schnell geschrieben und ab ging’s ins Empire Studio in Bensheim, um den alten Klang gehörig aufzupolieren und das Ganze auf Band zu bannen. Und das gelang dem Quartett gehörig. Mit Rolf Munkes (Empire, Crematory) hatten die Jungs einen mehr als kompetenten Ansprechpartner an den Reglern. Viele neue Bands meinen, das Genre oft neu erfinden zu müssen oder wollen. Das wiederum machen Wardress in keinster Weise. Sie ziehen ihr altes Ding durch – und das gehörig.

Der Silberling beinhaltet zehn knackige Songs, die bestens in die 80er gepasst hätten. Los geht’s mit einem ruhigen zwei-Minuten-Intro namens „Prelude to War“. Aber schon im zweiten Song „Wardress“ geht die Post gehörig ab. Der ist prädestiniert zum Headbangen. Mit satten Riffs a la Manowar startet „Thou shalt now kill“. Holy Shit ist das ein sattes Brett. Im Refrain ändert sich die Geschwindigkeit etwas, was sehr gut für Abwechslung sorgt. Das folgende „Mad Raper“ poltert schön im klassischen Heavy-Stil dahin. Ein Gitarrenintro eröffnet „Metal Melodies“ ehe der Track nach etwas über einer halben Minute losprescht und Gas gibt. Klassischer Heavy Metal der 80er Jahre kracht aus den Boxen und das ist gut so. Der nächste Song, „Dark Lord“ folgt bewährtem Muster. Ein einminütiges ruhiges Intro, dem ein schneller Part folgt. Ein Herzinfarkt-verdächtiges Keuchen leitet „Betrayal“ ein. Tief gestimmte Gitarren und ein langsames Tempo lassen ein wenig an Black Sabbath denken. In einem kurzen Mittelteil geht zwischendrin gehörig der Punk ab, ehe es wieder langsamer und zäh dahingeht. Der Song hat was Episches an sich. „Atrocity“ poltert gleich richtig los und sorgt für ziehende Nackenmuskeln nach einem Clubabend. Mit einem satten Gitarrenriff beginnt „Werhen“, ehe es langsamer und zäh wird. Das hört sich fett an, und der schnellere Mittelteil, der ein Solo beinhaltet, besteht eigentlich nur aus prägnanten Riffs. Yeeesssss … so muss das! Mit einem Schlag ist man zurück inmitten der 80er Jahre. Der Track ist eine klassische Heavy Metal Hymne. Schneller geht’s los in dem Schlusssong „Metal League“. Mit gehörigem Dampf hätte der Track auf jedem 80er Heavy-Sampler seinen Platz gefunden und verdient gehabt. Eine gute Minute vor Ende bricht der Song abrupt ab mit einem Knistern und startet mit dem satten langsamen Riff und einem andauernden gesungenen Refrain in den Endspurt, ehe in den letzen Sekunden Stimmen aus dem Probenraum zu hören sind und der Song ganz abbricht. Ein kleines Gimmick, das den Schlusspunkt unter eine geile Scheibe setzt.

Wie weiter oben schon erwähnt, meinen Bands oft, sich selber und eine Musikrichtung neu erfinden zu müssen, drum gibt es in keinem Musikgenre mehr stilistische Schubladen als im Heavy Metal und dessen Abarten. Wenn eine Band meint, sich besonders hervortun zu müssen und besonders originell zu sein, dann wird schnell mal ein neues Genre erfunden – das es eigentlich nicht braucht. Wardress machen den ganzen Mist nicht mit und besinnen sich auf die Stärken, die Merkmale, die viele der alten Bands zu Legenden werden ließen. Einfacher, schnörkelloser grader Dampfhammerrock mit fetten Riffs. Und das ist schlichtweg geil. Mit der vorliegenden Scheibe haben sich Wardress ihren Platz in den Heavy Metal Annalen gesichert. Der Silberling macht einfach Spaß zu hören und dazu auf den diversen Tanzflächen abzurocken und sich den Nacken zu verrenken. Volle Punktzahl für das >etwas späte< Debüt.

5 / 5

Wardress – Dress for War
Fastball Music, 2019
VÖ: 4.10.2019

Tracklist:
01 – Prelude to War
02 – Wardress
03 – Thou shalt now kill
04 – Mad Raper
05 – Metal Melodies
06 – Dark Lord
07 – Betrayal
08 – Atrocity
09 – Werhen
10 – Metal League

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