CD: Mirrorplain – Lost in Paradise


Mirrorplain also wieder. Nachdem mir der Erstling des Sauerländer Quintetts sehr gut gefallen hat und von mir auch hier rezensiert wurde, ist in diesem Sommer der zweite Longplayer ins Haus geschneit. Bei einem Debutalbum darf und kann man nicht allzu viel erwarten. Bei einem zweiten aber sollte man etwaige Fehler eines ersten ausgemerzt haben und dem Ganzen noch eine Schippe drauflegen. Nun also Lost in Paradise, und wie schon bei Path of Salvation hat auch diesmal Hilton Theissen (Dark Millenium) wieder sein ganzes Können in die aktuelle Produktion eingebracht. Das Artwork in dunklem Grün gehalten mit dem markanten Mirrorplain Logo/Schriftzug gefällt schon mal gut, das fällt einem ins Auge. Elf Songs sind auf dem Silberling zu finden, also zwei mehr als auf Path of Salvation. Außerdem ist der Fünfer zu einem Sechser angewachsen.

Los geht’s mit einem satten Brett aus den Gitarren von Jeremy Vollmert und Jan Ackerschott, das „Northstar“ einleitet. Die tiefe Stimme von Christian Döring setzt ein und wechselt bald in eine höhere Tonlage. Das nenne ich mal einen Anfang! Ein Hammer Song, der einem ins Gebein fährt. Schön im Hintergrund die akzentuierenden Keyboardklänge aus den Tasten von Kevin Ax. Dem Wechsel von hoher und tiefer Tonlage bleibt Döring auch im zweiten Track „Speak to the Deaf“ treu. Nach gut 35 Sekunden Intro aus Gitarre und Keys poltert der Song treibend dahin und sorgt für rhythmisches Kopfnicken. Lied Nummer drei, „No. 1-0-7“ prescht mit Vollgas los, bleibt aber im Schatten des prägnanten „Northstar“. Ruhigere Klänge der Gitarre leiten „Judgement Day“ ein. Im Mittelteil nimmt der Song Fahrt auf, ehe er zum Ende hin wieder ruhig akustisch wird. Fast genau der vorherigen Melodienlinie folgend, beginnt der Titeltrack „Lost in Paradise“ ebenfalls akustisch mit einer klaren elektrischen Gitarrenlinie, die sich über die akustischen Chords legt, ehe nach eineinhalb Minuten ein Riff das Ruhige durchbricht und den Song nach vorne schiebt. Mit Gas und einem kurzen Trommelintro aus den Fellen von Drummer Nikolas „Uli“ Hoffmann beginnt „Listen up“ und in diesem Tempo bleibt der Song bis zum Ende. Bassist Sascha Drendel darf auch mal eröffnen und lässt seinen Bass klingen wie Rammsteins Oliver Riedel in „Seemann“. „Sealed off“ hat manchmal den Punch eines Grungesongs, ist streckenweise aber dafür zu gerade. Prägnant ist der Gitarrenpart mit den markanten Riffs … leider nur teilweise. Tiefe Gitarrensounds bestimmen den Beginn von „Drown“. In schönem Midtempo ist man unweigerlich zum Mitnicken angehalten. Nach mehrmaligem Hören entfaltet der Song erst richtig seine Klasse. Die ersten gut 20 Sekunden von „World of Pain“ sind von langsameren Gitarren bestimmt, ehe es dann schnell wird. Leider bleibt von diesem Song fast nichts hängen bei mir. Eine melodische Gitarrenlinie eröffnet „Mr. Hyde“, ehe es nach knapp einer halben Minute riffig wird. Eine gesunde Härte, die trotzdem schön melodisch rüberkommt. Der abschließende Track auf der CD „Faceless World“ ist eine Ballade, die mit gedämpfter Power nett rüberkommt.

Fazit: Für einen Zweitling ist das Album ganz nett, aber Mirrorplain zeigen mir noch etwas zu wenig Eigenständigkeit, zu wenig Zacken, an denen man sich reiben kann. Das Zeug dazu haben sie, das zeigt der Song „Northstar“. Das könnte fast eine kleine Hymne werden. Der wäre bei mir im Hauptprogramm gelaufen und hätte mit Sicherheit für eine volle Tanzfläche gesorgt. Musikalisch haben es die Jungs drauf, da gibt’s keine Diskussionen, und die Stimme von Christian Döring steht sowieso oben drüber. Der Kerl ist wandelbar von zart bis hart, in allen Tonlagen. So bleibt’s aber beim guten Durchschnitt, aber mit Tendenz nach oben. Eigentlich eine 3,5 aber für den ersten Track gibt’s einen halben Punkt Bonus obendrauf. Der ist schlichtweg geil.

4 / 5

Mirrorplain – Lost in Paradise
Fastball Music, 2019
CD: 12,99 €

Tracklist:
01 – Northstar
02 – Speak to the Deaf
03 – No. 1-0-7
04 – Judgement Day
05 – Lost in Paradise
06 – Listen up
07 – Sealed off
08 – Drown
09 – World of Pain
10 – Mr. Hyde
11 – Faceless World

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