Buch: Hermann Hesse – Eine Stunde hinter Mitternacht


Ende des 19. Jahrhunderts kannte noch niemand den späteren Nobelpreisträger Hermann Hesse und niemand glaubte an den Erfolg seiner Schreibkunst. Das Studium der Theologie war verhasst, wurde abgebrochen zum Unverständnis des Elternhauses und später in der Novelle Unterm Rad verarbeitet. Hermann Hesse hatte stets seinen eigenen Stil und seine eigene Art und Denkweise, die um ihn und sein Werk einen Kult entstehen ließen – und immer wieder auch auf viel Unverständnis trafen. Immer wieder gibt es ein wellenartiges Aufflackern von neuen und alten Hessianern, die seine Werke nicht nur gerne lesen, sondern auch rezipieren.

Eine Stunde hinter Mitternacht waren die ersten, schweren Gehversuche auf literarischem Parkett. Fiel es schwer, einen Verleger zu finden, fand Hesse in Eugen Diederichs einen Mann, der ihm die Chance geben wollte, ohne dabei an einen Erfolg zu glauben – und vorerst sollte Diederichs damit auch recht behalten, denn die ohnehin geringe Auflage verkaufte sich nur sehr schlecht.

Hesse fasst kurze Prosadichtungen zu einem kleinen Band zusammen, der in eine träumerische Welt entführt. Ein lautmalerisches Wandeln zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Sehnsucht nach Liebe und Einsamkeit. In diesem Erstling kann man die sprachlichen Möglichkeiten und die später vertrauten Ausdrucksweisen des Autors bereits erkennen. Das ihn weiterhin auszeichnende Melancholische weist er auch in diesen Zeilen auf.

Ein kurzweiliges Büchlein, keine zwingend leichte Kost, schon gar nicht, wenn man Hesse nicht kennt. Als Einstieg in das Werk des Nobelpreisträgers wenig geeignet, da man die Tiefe und Vielfalt nur erahnen kann, beides aber aufgrund der Jugend des Autors und fehlenden Lebenserfahrung noch nicht ganz so gefestigt und fein ausgeprägt ist, wie in späteren, glanzvollen Werken.

4/5

Hermann Hesse – Eine Stunde hinter Mitternacht
Diederichs Verlag, 2019
112 Seiten
Hardcover: 16,00 €

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