CD: Inadream – No Songs for Lovers


Bochum – von uns Herbert besungene heimliche Hauptstadt des Ruhrpotts. Inmitten einfacher Bergarbeitersiedlungen, alten Fördertürmen und ehemaligen Kohlegruben entstand irgendwann eine Band. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, das gibt’s oft und überall. Die vier Jungs aus Bochum, die sich da zusammentaten, nannten sich Inadream und waren Anhänger des Postpunk, einer Stilrichtung, die sich gegen Ende der 70er Jahre in England manifestierte, als sich die echte Punkwelle in der Auflösung befand. Kerniger schnörkelloser Rock mit Punk-, Reggae- und Ska-Anleihen drin. Echte handgemachte Musik für echte Kerle und nicht gerade das A und O für schmusige Liebhabereien. Inadream betiteln also folgerichtig ihr Debutalbum aussagekräftig mit No Songs for Lovers. Dennis Wüllner am Bass und Achim Bockermann am Schlagzeug sorgen für den nötigen erdigen Grund, auf dem sich die beiden Gitarren von Thorsten Wüllner und Frank Bottke ungeniert austoben können. Das Ganze wird garniert von der Stimme von Frank Bottke.

Los geht das Teil mit „Romantic Tragedy“ und einem perlenden Gitarrenintro, dem ein kerniges Riff folgt. Bei der Stimme von Bottke meint man einen waschechten Engländer singen zu hören. Nix ist’s mit dem harten deutschen Akzent, den man so oft hört. Gitarrenmäßig etwas an The Cure erinnernd, muss man zwangsläufig sofort den Kopf mitschütteln. Fängt schon mal klasse an. „Love me or leave me“ ist ein Punkrockkracher der seinerzeit auf jedem Sex Pistols oder The Damned Album seinen Platz gefunden hätte. „The Stalker“ klingt irgendwie wie Madness auf Speed. Mit einem schönen Ska-Rhythmus beginnt „And if“, eine perlende melodische Gitarre umrahmt das Ganze, ehe es bei „Black Bird“ wieder mit Karacho weitergeht. Ein Hauch von Fischer-Z umweht den folgenden Song namens „Friends“. Der Track hätte auch den Pixies gut zu Gesicht gestanden. Satte 40 Sekunden Intro aus beiden Gitarren leiten „Favourite Song“ ein. Ein im Midtempo gehaltener Song, bei dem die Gitarrenarbeit heraussticht. Das klingt richtig Klasse. Die noisigen Gitarren ziehen sich auch prägnant durch „Red Light“. Da werden diverse Tanzflächen voll sein. Fischer-Z scheinen auch Pate gestanden haben bei „Cryptographic“, gewürzt mit einer Prise New Model Army. Die sägenden Gitarren beißen sich schneidend durch die Hörgänge ohne aufdringlich zu sein. Genau mit diesen prägnanten Gitarren beginnt der abschließende Titeltrack des Albums. „No Songs for Lovers“ beschließt ein klasse Album, welches im Postpunkbereich keine Wünsche mehr offen lässt.

Inadream haben von den ganz Großen gelernt. Einflüsse von den Pixies, Joy Division, Madness, The Clash, Fischer-Z oder The Cure sind nicht gerade die schlechtesten Voraussetzungen, um aus dem heutigen gleichklingenden Einheitsbrei herauszustechen. Die Jungs machen ihr Ding richtig gut, bringen ihre eigene Note auf die CD und mit den sägenden, aber doch brillant perlenden Noisegitarren heben sie sich ab vom Rest. Richtig erstaunt  bin ich von der Stimme Frank Bottkes. Man meint wirklich einen Londoner gegen Ende der 70er singen zu hören. Inhaltlich drehen sich die Songs um Gesellschaftskritik, Beziehungen samt ihren Dramen, Drogen und andere persönliche Gefühle und Empfindungen. Also eher die problematischere Seite eines Lebens, die heiti-teiti-Liebeslieder oder Schmachtfetzen bleiben außen vor. Folgerichtig passt der Titel No Songs for Lovers wie die Faust aufs Auge. Einziger kleiner Kritikpunkt, den ich anbringen will ist, dass die Songs im Gesamten keine Weite ausstrahlen, eher wie ein fast mono-artiger Dampfhammer gerade durch die Mitte kommen. Das Klangbild öffnet sich nicht seitlich. Das mag vielleicht sogar bei der Produktion gewollt gewesen sein. Keine Ahnung, aber den klasse Gesamteindruck schmälert das in keinster Weise.

4,5 / 5

Inadream – No Songs for Lovers
(((echozone))), 2019
VÖ: 15.11.2019

Tracklist:
01 – Romantic Tragedy
02 – Love me or leave me
03 – The Stalker
04 – And if
05 – Black Bird
06 – Friends
07 – Favourite Song
08 – Red Light
09 – Cryptographic
10 – No Songs for Lovers

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