Hans Wallbaum – Erinnerungen an einen Freund


Es ist circa 25 Jahre her, als ein Freund mir von der Hamburg Blues Band vorschwärmte, und dass ich diese unbedingt mal sehen müsste. Na ja … eine Blues-Rock-Band, die einige Standards aus den genannten Bereichen abdeckte, vielleicht auch ein paar eigene Songs beisteuerte … davon gibt’s ja nicht gerade wenige. Aber ich ging mit zum Konzert und war recht angetan, was da auf der Bühne abging. Bandchef Gert Lange hat die Hamburg Blues Band 1982 zusammen mit Colosseum-Legende Dick Heckstall-Smith aus einer Bierlaune gegründet und seitdem immer wieder mit neuen Superstars der Musikszene gespickt. Im Hintergrund, hinter der Schießbude saß ein Trommler mit Spitzbärtchen, den Kopf seitlich geneigt, die Augen oft geschlossen und sorgte für einen satten Beat. Nach dem Konzert lernte ich Hans Wallbaum kennen und stellte fest, dass ich sogar einige Platten aus seiner musikalischen Vergangenheit in meiner Sammlung hatte.

Geboren im Mai 1949 im Ruhrpott, und bereits in jungen Jahren von den alten Rock’n’Rollern wie Ray Charles, Elvis oder Bo Diddley mit dem Musikvirus infiziert, gründete Hansi zusammen mit Schulfreunden im Alter von 14 Jahren seine erste eigene Band – die Moondogs. Ins Rampenlicht geriet er ab 1969, als er bei der Krautrockband Curly Curve einstieg und mit ihnen zwei Schallplatten aufnahm. Mit deren Mitgliedern Alex Conti, Heiner Pudelko und Kurt Herkenberg sollte sich der musikalische Weg des Hans Wallbaum immer wieder kreuzen. In den Siebzigern spielte Wallbaum in einigen Bands wie The Blue Notes, Joy Rider oder Frank Slim & The Continental Cowboys. Ebenso in der Berlin-Bar-Band, die sich nach einer Single 1980 in Interzone umbenannte. Deren drei Longplayer sind mittlerweile legendär. Durch die Achtziger hindurch spielte Hansi unter anderem mit Chuck Berry, Danny Dziuk, Romy Haag, Guitar Crusher, Julian Dawson, Marius Müller-Westernhagen, den Escalatorz oder Mungo Jerry. Teils auf deren Platten oder live in deren Tourbands. In den 90ern bildeten zwei Bands das Fundament des Hans Wallbaum: Stefan Stoppok und die Hamburg Blues Band um Gert Lange. Und eben mit dieser All-Star-Band lernte ich den Menschen Hans Wallbaum kennen und mögen.

Wie es das Los fast aller Drummer ist, spielte Hansi nie im Vordergrund. Die Saitenquäler standen im Licht und Wallbaum dahinter im Halbschatten. Mit seinem soliden Schlagzeugspiel sorgte er für den soliden Sockel, auf dem sich seine unzähligen Mitstreiter an diversen Instrumenten oder Mikrophonen austoben konnten. Seine oftmals eingestreuten, etwas schrägen Off-Beat Schepperer bleiben mir immer im Gedächtnis. Immer etwas abwesend wirkend war Hans Wallbaum ein Fels, auf den sich jeder verlassen konnte. Die Gespräche bei unseren Treffen waren stets lustig und anregend.

2019 wurde bei ihm Krebs festgestellt und er konnte nicht mehr für die HBB trommeln. Hans Wallbaum war vielen ein Freund und nicht nur der Musiker. Das ging soweit, dass sich HBB-Bassist Bexi Becker weigerte, ohne Hansi auf die Bühne zu gehen. Er wollte mit keinem anderen als seinem Freund bei der Hamburg Blues Band spielen. Am 28. März 2020 endete der Kampf gegen die Krankheit und Hans Wallbaum verließ diese Welt, um jetzt im Rockhimmel für die ganzen Legenden zu spielen, die ihm als Jungspund den musikalischen Weg wiesen. Dort trifft er auch auf seinen langjährigen Wegbegleiter Heiner Pudelko, der 1995 schon vorausgegangen ist.

Ich werde ihn sehr vermissen, den Hans. Immer ein offenes Ohr und niemals um einen Kalauer verlegen. Mach’s gut Hansi, wo immer du jetzt bist. Ruhe in Frieden.

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