CD: Slin’s Strassenköter – Ohne Heimat!


Neue Genres braucht das Land, also her mit Straßenköterrock. Dahinter verbirgt sich ein deutsches Trio, Slin’s Strassenköter, das ein buntes Gemisch an Rock’n’Roll, Country, Blues und ein bisschen Punk im Gepäck hat. Die einzelnen Mitglieder können auf langjährige Musikererfahrung zurückgreifen, etwa Motorjesus, Fyredogs oder auch The Grand Sleep. 2014 gründeten Anger, Randy und Slin dann eine neue Band und bringen sechs Jahre später ihr Debütalbum Ohne Heimat! auf den Markt.

13 Titel umfasst die Scheibe, beginnend mit Gitarrengeplänkel, es klingt ein bisschen nach Spaßmusik, die ersten Takte kann man nicht richtig einordnen, dann geht es aber los. Slin mit etwas rauchiger Stimme, tief und gut passend zu dem, was er da besingt. Da das erste Stück nach ihm benannt ist, verwundert gar nichts mehr, wenn er singt: „Mein Vater war der Teufel und meine Mutter Miss Untergrund“. Alles gesagt, oder? Man kommt damit schon recht gut rein in die Scheibe. „Plattenspielertrick“ ist eine kleine Hommage an die Schallplatte – der übrigens auch mit dem Design des Silberlings gehuldigt wird. Vinyl überlebt eben alles. Ein recht gelungenes Cover von Rose Tattoo folgt. „Lutscher“ ist die deutsche, textlich leicht abgewandelte Version von „Nice Boy“. Spätestens bei „Allein“ ist man drin, so richtig gefangen in der Scheibe und der Musik. Ein bisschen Country, ein bisschen Rock’n’Roll, viel Mitsingpotential bereits beim ersten Anhören. Der Sound ist tanzbar auf unterschiedliche Weise, man kann sich kaum stillhalten, tippelt den Takt mit, wippt mit dem Kopf. Alles richtig gemacht, möchte man meinen. Immer wieder kleine Gitarrenschnörkel, kurze Soloparts, es passt alles. „Pfeil“ geht mehr in die Countryrichtung, sogar ein Banjo ist dabei und wird von Chris Pfeil gezupft. Es geht allerdings nicht um die Pferdchen, Saloonladies und Knarren, sondern um den Asphalt, die PS und Karren. Das folgende „Dame“ geht dann aber in eine andere Richtung. mehr Rock, ein bisschen dreckiger Blues, und schließlich wird es punkig mit „Sonne“, das so richtig an Fahrt aufnimmt. „Herz“ ist wieder langsamer, ruhiger und man kommt nur schwer rein. Seltsamer Rhythmus und Gesang, man kann sich nicht drauf einlassen, schon wechselt alles, ein bisschen wie ein Medley, bisher der schwächste Song auf dem Album. Für Drum’n’Bass-Fans ist die nächste Nummer „Bombster“. Könnte man einfach so stehen und wirken lassen, könnte man kurz an Motörhead anlehnen. Das Intro ist definitiv von den großen Rock’n’Rollern, man vergleiche den Anfang mit „Overkill“. Schöne Hommage, mehr kann man dazu nicht sagen – aber auf jeden Fall der Anspieltipp für die Platte! Den dazugehörigen Clip kann man sich auch mal anschauen. Übrigens habe ich nicht rausgefunden, an was mich „KSKWKP“ erinnert; es ist ein bisschen Reinhard Meys „Narrenschiff“ in der Version von Harms & Kapelle gemixt mit Achim Reichel. Wenn wir schon bei Vergleichen sind, haben wir mit „Chief“ eine zahme Version von Ohrenfeindt. „Freund“ birgt keine Überraschungen mehr und mit „Taub“ endet das Debüt.

Meine Lieblinge habe ich schnell gefunden. Zusammengefasst in das Album ein starkes Debüt. Das Zusammenspiel verschiedener Genres ist absolut geglückt. Hörer von Country, Blues und Rock’n’Roll kommen auf ihre Kosten. Mit Anlehnungen an große Vorbilder und vermeintliche Lieblingsongs ist das 13 Titel starke Album Ohne Heimat! eine der besten Platten 2020 und macht richtig gute Laune. Unbedingt reinhören!

5/5

Slin’s Strassenköter – Ohne Heimat!
Fastball Music, 2020
VÖ: 08.05.2020
CD: 15,52 €

Tracklist:
Slin
Plattenspielertrick
Lutscher
Allein
Karre
Dame
Sonne
Herz
Bombster
KSKWKP
Cheif
Freund
Taub

 

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