CD: Dobermann – Shaken to the core


Rock’n’Roll aus Italien! Wenn man Dobermann sieht, kommen einem Assoziationen wie die alten Guns’n’Roses, T.Rex oder The Darkness – rein optisch. Das Trio hat die erste Scheibe bereits 2012 auf den Markt gebracht, 2021 nun das für letztes Jahr angekündigte Album Shaken to the Core. Ja, ein bisschen erwartet man mehr als nur Rock’n’Roll, ein bisschen Glam Rock, ein bisschen Irrwitz.

Aber der Titeltrack verbirgt nichts dergleichen, sondern genau das, was angekündigt wurde. Zur Hälfte allerdings gibt es ein gutes Gitarrensolo, das richtig Laune macht. Damit kann man arbeiten, das kann man anhören. „Staring at the black road“ ist eine fiese Nummer, denn ohne es zu wollen, singt man recht schnell mit. Die Stimme von Band Leader Paul Del Bello dürfte einigen Damen ganz gut gefallen, wir reiten hier mal das Klischee durch die Arena. Und so langhaarige Rock’n’Roller aus Italien, die in den vergangenen Jahren über 800 Bühnen gerockt haben, lassen doch das ein oder andere Herz höher schlagen. „Stiff upper lip“ ist etwas härter angehaucht, bricht aber auch nicht aus. „Dropping like flies“, schöner, alter Rock’n’Roll, herrlicher Bass, ach, das kann man hören, das kann man tanzen, feiern. Man muss sich nicht mal ein Video der Turiner anschauen, um zu wissen, die rocken die Bühne. Das ist eine Liveband, die das, was sie macht, verdammt gerne tut und das Handwerk beherrscht. Sie wissen, wo man die Stellen zum Mitsingen einbaut und wann es Zeit wird für ein gutes Solo – irgendwie in jedem Song und für Fans guter Gitarrenmusik ist das einfach klasse. Alleine wegen der Soli würde ich die Scheibe empfehlen. Dabei driften die drei nicht in die Langeweile und in Wiederholungen ab. „Over the Top“ hat das nächste Ohrwurmpotential in petto. Schlimm. Man hört den Song einmal und kriegt ihn nicht wieder raus. Etwas balladesk kommt dann „Talk to the dust“ rüber. Das ist so der Song, der zu regnerischem Wetter passt, zu Liebeskummer, Vermissen und Melancholie – auf Rock’n’Roll-Art. Es bleibt aber nicht traurig und düster, „Rolling with the times“ geht dann wieder schneller los und hat auch wieder einen fiesen Takt, den man automatisch mitwippt. Echt gute Nummer, ein Anspieltipp für die Scheibe. Mit Drums beginnt „Summer Devil“, hier wird wieder deutlich, dass die Jungs Bühnen rocken können, ebenso bei „Rock Steady“, die typische Mitklatschnummer, um das Publikum einzubeziehen. Yeah Baby, Rock’n’Roll: „Run for Shade“ und die Menge tobt noch mal bei der vorletzten Nummer. Noch einmal heulen? Bitteschön: „Last Man Standing“ lädt dazu ein und bildet den Abschluss.

Nach diesem Album muss ich mir ernsthaft die Frage stellen: Warum habe ich in neun Jahren noch nie etwas von Dobermann gehört? Warum sind mir die Italiener noch nie untergekommen? Ihr neues Album ist wie ein Livekonzert daheim, man spürt die Musik, die Leidenschaft, die gute Laune, das, was sie vermutlich auf der Bühne machen. Ihre Songs sind abwechslungsreich, der Sound ein guter 80er-Jahre-Rock’n’Roll, wie es ihn kaum noch gibt. Da muss man definitiv reinhören!

5/5

Dobermann – Shaken to the core
Wild Mondays Music, 2021
CD: 15 €
Website

Tracklist:
01 Shaken to the core
02 Staring at the black road
03 Stiff upper lip
04 Dropping like flies
05 Over the top
06 Talk to the dust
07 Rolling with the times
08 Summer Devil
09 Rock steady
10 Run for shade
11 Last man standing

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