Peter Frohmader – Erinnerungen an einen Freund



Irgendwann Mitte/Ende der 80er Jahre muss es gewesen sein, dass ich auf einem Konzert einen befreundeten Musiker getroffen habe, der mir seinen Begleiter als Peter Frohmader vorstellte. Der Name sagte mir seinerzeit nichts, als er mir offenbarte, dass er selbst auch schon länger Musik machte. Ein paar Jahre später landete irgendwie eine Musikkassette, betitelt mit „Spheres“ bei mir und ich war auf Anhieb begeistert. Auf dem Deckblatt war eine Münchner Adresse vermerkt, und als alter Autogrammsammler wollte ich natürlich, wenn möglich, das Teil signiert haben. Im Telefonbuch fand ich dann die Nummer und rief dort an. Die Stimme am Telefon sagte mir das Signieren sofort zu und ich tauchte zwei Tage später dort auf. Mein Erstaunen war groß, als ich den Musiker als eben jenen Begleiter meines Bekannten vom damaligen Konzert erkannte. Peter konnte sich nicht mehr erinnern, was aber egal war. Die zufälligen Treffen wurden häufiger. Mal auf einem Konzert, auch mal zufällig im Biergarten. Ich freute mich immer, wenn ich das markante Gesicht vom Peter erblickte. Irgendwann schaffte ich es dann auch auf ein Frohmader-Konzert und was ich da hörte, gefiel mir sehr. Ab da wollte ich natürlich alles auf Vinyl haben, was er bis dahin rausgebracht hatte. Das eine oder andere hatte Peter auch noch zu Hause, und so besuchte ich ihn einige Male. Da lernte ich auch seine Frau Antje kennen, und von beiden wurde ich sehr nett und freundlich aufgenommen.

Peter war kein abgehobener oder entrückter Musikerstar. Nein, ganz im Gegenteil war er volksnah und freundlich zu fast jedem. Die Themen unserer Gespräche wurden privater und ich lud ihn irgendwann auch zu meinem Stammtischen ein. Er besuchte mich, ich besuchte die beiden in ihrem Haus am Rande des Perlacher Forsts. Gemeinsame Biergarten- und Restaurantbesuche vertieften unsere Bekanntschaft zu einem freundschaftlichen Verhältnis. Es ging immer lustig zu, wenn wir uns trafen. Mittlerweile hatte ich ihn auch schon öfter live gesehen und hatte so gut wie alles, was es auf Vinyl von ihm gibt in meiner Sammlung. Ich betrachtete Peter Frohmader schon lange nicht mehr nur als einen befreundeten Musiker. Er war mir ein Freund geworden den ich als Mensch sehr schätzte.

Als Musiker war Peter Frohmader beim gemeinen Volk nicht unbedingt sehr bekannt hier in Deutschland. Ganz anders in Japan, England und Amerika. Dort hatte er teilweise bereits Legendenstatus. Er wurde betitelt als „Godfather of Gothic“ und „Lord der düsteren Töne“, galt als der Erschaffer der „German Angst Music“. In Japan wollten sie ihn sogar als Wachsfigur ausstellen, zusammen mit weiteren deutschen Krautrock-Musikern. Mit der Musik begonnen hat Peter bereits Anfang der 70er als 13-Jähriger mit seiner ersten Band Alpha Centauri. Mehrere Formationen später begründete er das Projekt Nekropolis, welches er bis zuletzt fortführte. Sein Debütalbum 1979 hieß Musik aus dem Schattenreich und der Name sprach Bände. Songtitel wie „Hölle im Angesicht“, „Unendliche Qual“ oder „Fegefeuer“ lassen erahnen, welche Töne da aus den Boxen dröhnten. Ein Konglomerat aus wabernden Elektronikschwaden, düsteren urweltlichen Klängen und infernalischen Bassgewittern ließen einem so manches Mal die Nackenhaare kräuseln. Dantes Inferno in finstere Klänge verpackt. Weltbekannte Wave- und Avantgarde-Bands wie Throbbing Gristle oder die Sisters of Mercy, deutsche Gothic-Legenden wie Lacrimosa und Deine Lakaien beriefen sich auf Peter Frohmader als Vorbild. Seine eigene Inspiration holte sich Peter aus der Klassik eines Carl Orff oder Bands wie Tangerine Dream oder Black Sabbath. Mit dem Erschaffer der Alien-Figur, dem Schweizer H.R. Giger war Peter seit 1982 befreundet. Analog zur Musik malte Frohmader, der seinerzeit Kunst studiert hatte, seine düsteren Gedanken auch auf Bildern. Das allzu Düstere ließ Peter aber schon länger im Dunkeln. Er jammte lieber mit seinen Freunden, sei es in seinem Studio im Keller oder auf Konzerten mit vielen namhaften Musikern. Chris Karrer, Damo Suzuki, Chris Void, Carl-Ludwig Reichert oder Sigi Hümmer, um nur einige zu nennen.

Am 2. Mai hat Peter Frohmaders Herz seinen Dienst quittiert. Es wollte nicht mehr weiterschlagen. Für viele Musiker und Bands auf der ganzen Welt verstummte eine Inspirationsquelle, eine Musiklegende von der viele gar nicht wussten dass es ihn gab. Für mich ist ein Freund gegangen der eine große Lücke hinterlässt.

Ruhe in Frieden, Peter – egal, wo du jetzt bist. Sei es im Schattenreich deiner Klänge oder auf eben der Wolke von der der Engel Aloysius seinerzeit nicht frohlocken wollte.

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