CD: xIron Sharpens Ironx – The Aftermath of Tragedy


xIron Sharpens Ironx lässt sofort an Sprüche 27,17 denken: „Eisen wird an Eisen geschliffen; / so schleift einer den Charakter des andern.“ Gerade die englische Übersetzung des Bibelverses wird gerne im Fitnessbereich verwendet oder wenn es darum geht, sich gegenseitig mental zu stärken. In den meisten Fällen findet man diese Strömung in den USA, was nicht weiter verwundert. Wer dahinter allerdings etwas Kriegerisches sehen will, ist falsch, denn hierbei geht nicht um Gewalt a la Auge um Auge, Zahn um Zahn (was im Grunde auch weniger gewalttätig ist, als vielfach ausgelegt), sondern darum, dass Erfahrung und Weisheit weitergegeben werden und den Charakter der Jüngeren formen. Es steckt also etwas sehr Positives dahinter. Da verwundert es dann auch nicht, wenn man bei den Recherchen schnell auf eine christliche Band trifft – die jedoch mit xIron Sharpens Ironx nichts weiter als den Namen gemeinsam hat.

Letztere kommen aus Muskegon, Michigan, USA und haben sich 2018 gegründet. Die Infos sind rar: Irgendwo kann man nachlesen, dass es ursprünglich ein Ein-Mann-Projekt gewesen ist, das bald zu einem Quartett heranwuchs. Sie selbst beschreiben ihren Stil als irgendwas zwischen Black und Death Metal, angelehnt an Converge, Vein oder auch Dying Fetus. Alles keine braven Bands und schon mal gute Vorboten auf das, was xISIx zu bieten haben. Anfang Juli bringt die Band ihre neue EP auf den Markt, The Aftermath of Tragedy, und zeigen damit, was sie drauf haben.

Die Scheibe beginnt mit „Emotion Over Sincerity“. Gleich mal volle Power mit getriggertem Schlagzeug. Die Saiteninstrumente sorgen für ein wuchtiges Riff, das auch recht schnell ins Ohr geht. Das Growling ist gut, im Grunde genau das, was man erwartet. Aber sind das Vorschusslorbeeren, oder können die Jungs halten, was der erste Song verspricht? Ein bisschen Luft nach oben wäre da nämlich noch. „Silence Is Violence“ ballert sofort los und ist alles andere als still. Hier steckt so viel Gesellschaftskritik drin, dass man es wirklich schaden finden könnte, dass man durch das Growling sehr genau zuhören muss oder am besten den Text vor sich hat, heißt es hier doch: „Silence is Violence, destroy this. Stand up for all those who suffer.“ Musikalisch schlägt einem hier ein Brett in die Fresse – oder den Gehörgang, wenn man so will. Es ist eine voll ausgereifte, gute Nummer, die viel Potential zeigt. Weiter geht es mit „The Weight Of Lies“ – alleine der Songtitel lässt vermuten, dass auch hier wieder besser auf die Lyrics geachtet werden sollte. xIron Sharpens Ironx haben eine gute Textarbeit, die aber im ersten Moment gar nicht so deutlich rauskommt. Nach einer Minute legen hier Gitarre und Bass so richtig los. Das zieht absolut mit, ein sehr gutes Riff, das die Jungs hier komponiert haben, mehr davon, bitte! Natürlich gibt es mehr, der vierte Song „The Deception Of Escape“ bietet auch wieder schöne schwere Gitarren und Bass. Leider finde ich, dass genau dieser gute Sound hier ein bisschen zerstört wird durch das getriggerte Schlagzeug, das diese Schwere und Kraft der Saiten brachial unterbricht. Im weiteren Verlauf hört man die Drums stellenweise selten, aber genau dann, wenn etwas mehr Speed reinkommt, schlägt es an. Ja, klar gehört das zum Genre und natürlich kann der Drummer schlecht eine Nummer lang tatenlos hinter den Fellen sitzen. Aber schade ist es schon. Einfach nur das Triggern weglassen und der Song ist das Highlight. „Cloak of Differenz“, ach ja, das beginnt ja gleich mit dem, was ich eben kritisiert hatte. Aber hier stört es nicht so. Um 1:30 rum gibt es tolle Gitarrenarbeit, da spult man gerne zurück und hört sich das Solo noch mal an. Allerdings wirft das kurzzeitig auch die Frage auf, warum man nicht mehr in dieser Richtung macht? Der Cut am Ende ist hart, wie abgeschnitten, bringt einen ein bisschen raus aus den Gedanken über die Gitarren. The final Song, „No Salvation“ hat prominente Unterstützung von Jaaron Sanford bekommen. Müsste Teil von Blood In Blood Out sein, wenn ich mich nicht täusche. Und hier merkt man auch, dass noch jemand dabei ist, dass die Band nicht mehr ganz unter sich ist. Die letzte Nummer sticht ein bisschen heraus und ist mega! Das ist das, was man hören will in diesem Genre. Macht weiter so und ihr habt einen großen Weg vor euch!

xIron Sharpens Ironx machen sehr vieles richtig. Sie haben durchdachte Texte, mit denen sie mal querbeet aktuelle Themen durchgehen und an den Pranger stellen, was nervt. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, wo sie herkommen, nämlich aus den USA, um ihre Gedanken und Blickwinkel zu verstehen. Sänger und Instrumentalisten wissen, was sie wollen und tun und machen das wirklich gut. Da kommt hoffentlich noch einiges von xISIx auf den Markt und in unsere Gehörgänge – live reißen sie vermutlich jede Hütte ab, das kann man sich gut vorstellen, wenn man die Augen schließt und einfach nur zuhört. Was macht die Band falsch? Musikalisch recht wenig. Man könnte ankreiden, dass sie hin und wieder zu viel Abwechslung in einem Song unterbringen, zu viele verschiedene Elemente einarbeiten. Aber es hält sich noch in verträglichen Grenzen. Wer auf Growling und Hardcore steht, sollte unbedingt bei xIron Sharpens Ironx reinhören und sie weiterhin beobachten, da kommt sicherlich noch ganz viel mehr!

4/5

xIron Sharpens Ironx – The Aftermath Of Tragedy
Independent, 2022
Download über die bekannten Portale

Tracklist:
Emotion Over Sincerity
Silence Is Violence
The Weight Of Lies
The Deception Of Escape
A Cloak Of Indifference
No Salvation (feat. Jaaron Sanford)

>> click here for English version <<

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