Musik: Monster Wolf – Monster Massacre Live


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Monster Wolf, nie gehört? Das mag daran liegen, dass die Hardcoreband noch weitgehend unbekannt ist und nur einem etwas kleineres Kreis ein Begriff ist. Die Band formierte sich rund um den professionellen Wrestler Mecha Wolf 450 (John Yurnet), der durch sein Facepaint – sehr zur Musik passend – oder die Wolfsmaske einem breiteren Publikum bekannt ist. Wenn er nicht gerade im Ring steht oder trainiert, widmet er sich unter anderem der Musik und auch sein Entrance wurde von ihm geschrieben. Anfang Juli überraschten Monster Wolf mit der Live EP Monster Massacre. Aufgenommen wurde die EP im Mai 2022 in Austin, Texas (USA), als die Band mit Cancerslug auf der Bühne stand.

Die Songs sind Fans längst bekannt. Natürlich ist das Mitternacht-Wolf-Düsternis-Thema immer irgendwie vorhanden, ist ja auch kein Schmusekurs, denn Mecha Wolf hier fährt. „Lupin Skin Killer“ macht den Einstieg und brettert nach etwa 50 Sekunden richtig los. Gitarrenintro ist ja nie verkehrt und ein gutes Riff kann man auch immer vertragen. Schnell gespielt, total eingängig und absolut tanzbar. Das strapaziert die Nackenmuskeln beim Headbangen – und genau so soll es sein. Der Sänger selbst haut mit einer tiefen, etwas rauen Stimme seine Lyrics ins Mikro. Oh, kommt da die erste Enttäuschung auf? Mal sehen. Song Nummer zwei ist „Mecha Wolf“, muss man als alter Wrestlingfan kennen, oder? Auch hier wieder ein schönes Intro, stampfend, etwas langsamer, schwerer, das ist Finsternis in musikalischer Form, man hat – lässt man mal das Wrestling außer Acht – gleich diese Filmszene vor dem inneren Auge: Mitternacht, Nebelschwaden, unheilvolle Musik und dann kommt das Monster, herrlicher Old-School-Horror. Textlich geht es dann ums Kämpfen und Siegen. Es gibt auch die Stelle zum Mitsingen und es ist so perfekt für einen kleinen Metalschuppen, nicht zu überfüllt, dunkel, rauchig, geheimnisvoll. „Lust for Flesh“ – was soll ich sagen? Gleicher Stil, gleiche Power. Man hört hier allerdings eine sehr deutliche Schwäche. Nein, nicht der Gesang an sich, sondern die Aufnahme. Es ist keine Studioaufnahme, fein bearbeitet, gut ausgesteuert, ein bisschen Autotune dabei, nein, es ist eine Live-Aufnahme, dreckig, unsauber, aber mit der nötigen Power eines solchen Genres. Wer will schon feingeschliffenen Live-Metal haben, Horrorpunk, Thrash mit weißer Weste? Niemand. Man will unsaubere Klänge, gerne auch mal Gegröle, ein bisschen Screaming, ein bisschen Growling was Schnelles zum Abgehen, Wall-of-Death-Material – und am Ende muss einem der Nacken wehtun. „Samhain“ ist kurz und schmerzlos, daran schließt fast nahtlos „Halloween“ an, bei dem man sehr gut mitsingen kann. Ein bisschen klingt er hier nach den Sex Pistols, nach diesem rauen, dreckigen, ungeschliffenen Punkrock, nach bierseligem Gegröle, zu dem man rumpogte – und das wiederum setzt sich in „Vampira“ fort. Diese drei Songs sind nicht mal zwei Minuten lang. Aber das ist irgendwie auch egal. „Proelium (Fight)“ bildet den Abschluss – und gleichzeitig einen Vorgeschmack auf das angekündigte Debütalbum. Hier hat man wieder schwere Gitarren, einen stärkeren Metal-Touch. Weiter, immer weiter treibt der Rhythmus voran.

Konzentriert man sich mal nur auf die Musik und lässt außer acht, welche Unstimmigkeiten und fehlende Feinheit die Tatsache der Liveaufnahme mit sich bringt, hat man gerade beim letzten Song eine sehr solide Metal-Nummer, die alles in sich birgt, was man gerne auf einem Festival oder zumindest einem Konzert hört. Das Ende ist „Thank you, we’re fucking Monster Wolf, good night!“ – so, wie er das sagt, weiß ich, dass ich meinen Wunsch, Monster Wolf endlich mal live in Deutschland zu sehen und mit ihnen zusammen einen Club abzureißen, absolut revidieren muss. Jungs, ich steh da heulend in der Halle, wenn ihr das so sagt! Das geht nicht. Die Stimme, die Art, alles erinnert an einen ganz Großen, an Lemmy – und vielleicht ist es gewollt, eine schöne, rührende Hommage an den Größten.

Perfekt ist es nicht, aber eine dreckige, sündige, geile Live-EP für Freunde der härteren Musikgangart. Lautstärke aufgedreht und ordentlich geheadbangt und gepogt. Das ist rotzig, das klingt nach Wacken, nach einem der ersten Slots dort, nach Matsch und Dreck und unbändiger Lust auf so viel mehr!

3,5/5 (wegen der Aufnahme)

Monster Wolf – Monster Massacre LIVE
VÖ: 13.07.2022
Nur digital erhältlich

Tracklist:
Lupin Skin Killer
Mecha Wolf
Lust for Flesh
Samhain
Halloween
Vampira
Proelium (Fight)

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