Live: Der Moderne Man – 16.12.2022 – Nachtleben – Frankfurt


Irgendwann in den 90ern war es, da hörte ich in einem Club einen Song, der sich augenblicklich in meine Gehörwindungen fraß. Der handelte von einem Dschungel und einer riesigen Anakonda. Auf meine Nachfrage erklärte mir der DJ, dass der Song von Der Moderne Man sei. Also, sobald in den Plattenladen meiner Wahl und die Platte gekauft und mich auch sofort mit den restlichen Songs der Band angefreundet und fast alle Platten besorgt. Live war nicht möglich, da sich die Band schon 1984, also nur fünf Jahre nach der Gründung, wieder aufgelöst hatten.

Vor ein paar Jahren stieß ich auf YouTube auf ein Livevideo aus dem Jahr 2019 … ja wie jetzt? Die gibts wieder? – Und die spielen wieder live? Und tatsächlich war Der Moderne Man, mittlerweile (angelehnt an den Titel ihres ersten Albums) 40 Jahre auf See, wieder auf großer Fahrt. Leider nur durch den Norden der Republik … Frankfurt war der südlichste Hafen, wo die Jungs anlegten. Also Weibchen für den Sound begeistert und da die sowieso jeden Scheiß mitmacht, auch gleich Tickets besorgt. Und dann? … Dann kam diese unsägliche Pandemie, die das öffentliche Leben in Deutschland auf Null runterfuhr.

Zwischenzeitlich wurde der Termin mehrfach verschoben und auch die Location wechselte bis ins Nachtleben, einer kleinen Bar mit Liveclub im Keller. Jetzt endlich, nach fast zwei Jahren Warten war es soweit. Wir im kuschligen Nachtleben und die ersten Gäste trudelten ein. Schon nach ein paar Minuten lernten wir den Sänger Mattus kennen, der natürlich meine mitgebrachten Platten signieren durfte und sich ganz begeistert zeigte, dass wir beide extra aus München gekommen waren, um Der Moderne Man live zu sehen. Ich sagte ihm, dass ich unbedingt gern „meinen“ Song hören würde … „Anakonda“ … und er freute sich, mir mitteilen zu können, dass der heute Abend auf der Setlist stehen würde. Er stellte uns auch gleich Lars vor, ihren Schlagzeuger, da der ursprüngliche Drummer Felix Wolter krankheitsbedingt nicht dabei sein konnte. Da Lars aus dem Umfeld der Band stammt, kannte er das Material schon längst. Als dann Saitenschwinger Eckart Kurtz, besser bekannt als EKT eintrudelte, wurde der von Mattus sogleich aufgeklärt, dass da zwei Leute extra aus München angereist waren. Der Club vom Nachtleben wäre mit circa 280 Leuten gerammelt voll. Gut zur Hälfte gefüllt warteten Anhänger der Band auf den Start.

Ursprünglich hätten die Jungs von Devo-Tion, einer Devo Tribute Band den Support bestreiten sollen, aber diese tauchten kommentarlos einfach nicht auf. Schwache Leistung Devo-Tion!

Dementsprechend früher gings dann um 20:45 Uhr mit dem Hauptact los und auch gleich ins Eingemachte. Das „Disco-Lied“ von ihrer ersten EP Umsturz im Kinderzimmer und „Der Unbekannte“ von 80 Tage auf See, beides aus dem Jahr 1980. Nach ein paar Minuten taute das Publikum auf und es wurde gejubelt. Mattus, etwas statisch hinterm Mikro, wie seinerzeit in den alten Videos zu sehen, sprechgesangelte wie in alten Zeiten. „Nicht warten“ kam jetzt an die Reihe, und nicht warten wollten einige Gäste und verlangten nach bekannten Songs der Band. „Gurus und Geheimagenten“, „Frau Krause“ oder den „Baggersee“, welcher 1981 nur auf einer Single B-Seite zu finden war. Die A-Seite jener Single stand jetzt auf dem Programm – „Sandmann“. Das Publikum interagierte sehr schön mit der Band und diese zeigte sich begeistert. Mattus erzählte freudig, dass sich sogar zwei Münchner auf den weiten Weg zu ihnen gemacht hatten. EKT grinste in einem durch und feuerte seine Riffs durch den Club, Lars hinter seinen Kesseln zeigte sich zufrieden und lediglich Jens Gallmeyer an den vier Saiten behielt seinen stoischen, fast mürrischen Gesichtsausdruck das ganze Set über bei. Ein Dreierblock vom zweiten Album Unmodern wurde jetzt dargeboten. „Laut“, „Das Tier“ und „Blaue Matrosen“, in dem „La Paloma“ sehr gekonnt verwurschtelt wird. Der Mix aus Deutschpunk, Minimal und New Wave, seinerzeit als Neue Deutsche Welle klassifiziert, kam sichtlich gut an bei den Leuten und es wurde getanzt. Nach „Mitternacht“ vom Debutalbum folge die Ansage, dass die folgende Nummer jetzt speziell für „den Manni“ sei, und es kam die Riesenschlange aus dem Dschungel gekrochen – die „Anakonda“, nach welcher mittlerweile auch schon aus dem Hintergrund verlangt wurde. Die erste Strophe brachte Mattus auch noch gut rüber, aber dann verpasste er seinen Einsatz und in der Schlange bildete sich ein regelrechter Knoten. Also Abbruch und erneut angesetzt. Dieses Mal klappte es und so kam ich immerhin in den Genuss, die „Anakonda“ eineinhalb mal hören zu können. Auch nicht schlecht. Das Publikum nahm den kleinen Fauxpas locker auf und durfte sich bei den letzten fünf Songs des regulären Sets auf einen Block vom ersten Album freuen. „Licht und Dunkelheit“, „Dauerlauf“, „13“, „Telefonlied“ und mit „Gib mir den Tod“ beendeten Der Moderne Man das reguläre Programm. Großes Gejohle und Gepfeife und die andauernden Zugabe-Rufe ließen die Band nur kurz backstage verschnaufen. Schon nach ein paar Minuten kamen die Musiker zurück auf die Bühne und zeigten sich begeistert, wie gut sie bei den Leuten noch ankamen. Der Moderne Man wurde richtig gefeiert, und endlich kam sie zum Zug. „Frau Krause“ vom letzten Album Neues aus Hong Kong – und was machte „Frau Krause“ anschließend? Sie ging natürlich an den „Baggersee“. Alles jubelte und mit „Vergesslichkeit“ fand auch der Zugabenblock sein Ende und die Musiker durften in die Garderobe. Tja … dem Publikum war das aber noch nicht genug und nach vielen lauten Zugabe-Rufen mussten sie doch wieder zurück auf die Stage. Freudig lachend und den Kopf schüttelnd anlässlich der Begeisterung meinten sie, dass sie einen Song wiederholen müssten, weil der Rest grad nicht abrufbar war. Leider kamen keine Gurus und auch keine Geheimagenten vorbei, sondern lauter „Blaue Matrosen“ fielen von der Reling, was natürlich nach 40 Jahren auf See irgendwie verständlich war. War aber auch egal, denn abgefeiert wurde trotzdem.

Das wars jetzt dann aber auch endgültig, und nach punküblichen kurzen gut 80 Minuten fand ein denkwürdiges Konzert sein gutes Ende. Der Moderne Man ist in keiner Weise Unmodern, sondern kommt richtig gut bei den Leuten an. Endlich mal nicht der Einheitsbrei, mit dem man sonst überall berieselt und zwangsbeschallt wird, sondern richtig guter und zeitloser Sound. Die Band kam auch bald aus dem Backstage und mischte sich unter die Leute. Am Merchandise Stand gabs T-Shirts und Aufkleber und es musste noch so manches signiert werden. Erstaunlicherweise kam der vorher so stoische Jens Gallmeyer jetzt aus dem Grinsen nicht mehr heraus. In der Hoffnung, dass Der Moderne Man auch mal in München live zu sehen sein wird, verabschiedeten wir uns von den Musikern und ab gings zum Bahnhof zum Nachtzug zurück nach München.

Setlist:
01 – Disco-Lied
02 – Der Unbekannte
03 – Nicht warten
04 – Sandmann
05 – Laut
06 – Das Tier
07 – Blaue Matrosen
08 – Mitternacht
08 – Anakonda
09 – Licht und Dunkelheit
10 – Dauerlauf
11 – 13
12 – Telefonlied
13 – Gib mir den Tod
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14 – Frau Krause
15 – Baggersee
16 – Vergesslichkeit
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17 – Blaue Matrosen

3 Kommentare

    1. Hallo Eckart.
      Es war mir eine Freude euch live zu sehen und dies auch unseren Lesern mitzuteilen.
      Das München Projekt nehmen wir bald in Angriff.
      LG….Manni

      1. Das wäre toll!

        Kannst Du mir vielleicht das Band Foto über Deinem Artikel schicken? Ich würde mir das gerne als Computer Background Bild machen.

        E-mail Adresse hast Du ja.

        LG, EKT

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