Buch: Brit Bildøen – Das Unwetter


„Ein abgelegenes Hotel in den norwegischen Bergen: Die Goldene Hochzeit der Eltern ist für Dorte und ihre zwei Geschwister Anlass für eine mehrtägige Familienfeier Ende Oktober. Doch ein dramatischer Dauerregen drückt auf die Stimmung, ein Bergrutsch hat zudem die Straße für die Rückfahrt blockiert. Als zwei Jäger im Hotel stranden, wird die Atmosphäre immer angespannter. Was hatten die beiden Männer bei diesem Unwetter vor – womöglich eine illegale Wolfsjagd? Und warum verhält sich der gutmütige Familienhund so merkwürdig, seit er die Jäger beschnüffelt hat? Im Laufe eines einzigen Abends spitzt sich die Lage zwischen allen Beteiligten dramatisch zu … Meisterhaft legt Brit Bildøen frei, wie hinter der bürgerlichen Fassade einer gefährliche Mischung aus Wut, Rache und Verrat lauert.“ (Quelle: Klappentext)

Norwegische Autoren sind mir noch nicht viele untergekommen. Daher ist es auch erstmal eine Umstellung, die Sätze sind einfach anders gebildet. Aber es macht durchaus Spaß, auch mal längere und verschachteltere Sätze zu lesen. Dagegen sprechen sich ja leider immer mehr aus. Brit Bildøen kann man da jetzt weder sonderlich zu gratulieren, noch sie verdammen, es ist einfach das Norwegische, das teilweise etwas sperrig und hölzern wirkt in der deutschen Übersetzung. Daran gewöhnt man sich aber nach den ersten zwanzig Seiten. Dafür findet man sich ein in einem gemütlichen Berghotel wieder, eher einer Luxushütte, zusammen mit einer Familie – Vater, Mutter, drei erwachsene Kinder, ein Schwiegersohn und ein Familienhund. Begeistert sind nicht alle Familienmitglieder, dass Dorte sie dorthin geschleppt hat. So bekommt man recht bald mit, dass Anette als zehn Jahre ältere Schwester auf sie herabschaut und nur ihren Lebensweg als den besten hält. Auch der Zwillingsbruder von Dorte, Karl, ist nicht gerade das, was die Familie stolz macht. Keine Frau, keine Kinder, kein vernünftiger Job – und dann kommt auch noch raus, dass er eine Firma gegründet hat. Mit welchem Geld eigentlich? Der Vater meckert an einer Tour, ist der große Naturversteher, die Mutter tut das, was alle Mütter tun: Sie versucht zu schlichten. Ole, der Hotelier, ist an diesem Wochenende Mädchen für alles und muss nach einem Murenabgang auch noch zwei Jäger aufnehmen. Die sind abweisend und unfreundlich, die Familie bekommt recht bald Angst vor ihnen. Und dann geht es auch noch dem Hund schlecht.

Man erwartet viel. Mord und Totschlag, den riesen Familienstreit, das Familiengeheimnis, das nach Jahrzehnten endlich gelüftet wird. Aber das wäre zu einfach. Stattdessen baut sich düstere Spannung auf. Eingeschlossen im Hotel auf dem Berg mit zwei Fremden, das wirkt schon unangenehm. Dieses abweisende Gefühl der Familie überträgt sich bald auf den Leser, auch wenn dem gar nicht so klar ist, warum die zwei Fremden, die Ole gut zu kennen scheinen, so unheimlich sind. Und was ist eigentlich so falsch daran, dass Dorte sich ein bisschen in Ole verguckt, nach dem Wochenende sieht sie ihn nie wieder und er ist verheiratet, was soll da schon passieren? Bald merkt man aber, dass mehr im Argen ist und die Familie nur zusammen ist, weil sie es sein muss. Traditionen und Konventionen sind nicht gerade das, was sie miteinander teilen, aber das, was sie immer wieder unweigerlich zusammenbringt.

Am Ende gibt es tatsächlich eine Überraschung, die sich schleichend angebahnt hat, mit der man aber dennoch so nicht gerechnet hat. Ein Pageturner ist es aber nicht geworden. Dafür fehlt das komplett psychologische Spiel, noch mehr Verwirrungen und Streit, die Sticheleien über die Vergangenheit, etwas mehr Düsternis und Spannung. Man ist ein bisschen enttäuscht, weil das Ende so schnell kommt und doch eigentlich noch mehr hätte passieren müssen. Mehr psychologische Spannung wäre wünschenswert gewesen. Denn dafür ist das Motiv zu abgegriffen, eingeschlossen irgendwo in der Wildnis zu hocken.

2/5

Brit Bildøen – Das Unwetter
btb, 2026
240 Seiten

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