Buch: Edward Lee – Golem


Für Judy und Seth geht ein Traum in Erfüllung, als sie in das renovierte Haus am Rande von Lowensport ziehen. Mitten in mehreren Morgen Land liegt das Anwesen abgeschieden von sämtlichen Nachbarn. Doch bald schon entdeckt der ehemalige Junkie Judy seltsame freie Flächen in den Feldern und hört Gesänge und dann wird sie auch noch vergewaltigt und bekommt erneut Crack angeboten …

Golems sollten einmal die Menschen beschützen, aber das ist Jahrhunderte her und sowieso nur ein jüdisches Ammenmärchen. Die Menschen in Lowensport jedoch wissen, dass viel mehr Wahrheit hinter der Legende steckt, als gemeinhin angenommen wird. Als ein Schiff aus dem vergangenen Jahrhundert gefunden wird und auf diesem merkwürdige Fässer mit Lehm, verstehen Seth und Judy nicht, was sie damit sollen. Merkwürdigerweise werden aber genau diese Fässer kurz darauf aus dem Keller gestohlen. Zwar weiß die gelehrte Judy um die Verwendung von Lehm durch die tschechischen Juden, kann jedoch keinen Zusammenhang zwischen seltsamen Gesängen, dem Verschwinden des Lehms und Tierblut herstellen.

„Golem“ ist doch anders als das, was man sonst von Lee kennt. Es fehlen die übertriebenen Sexszenen und auch die krasse Brutalität, mit der sonst durch die Geschichten gemordet wird. Natürlich gibt es auch hier Tote und das ein oder andere abgerissene Körperteil, aber im Vergleich zu  Büchern wir „Der Höllenbote“ oder „Incubus“ ist das neuste Werk des Autors zahm. Das bedeutet aber nicht, dass es eine langweilige Lektüre ist, denn Edward Lee versteht sich sehr wohl darauf, trotzdem für Spannung und schlaflose Nächte zu sorgen. Wie in anderen Werken, kommt auch hier eine Flut an Informationen und Wissen angefahren, leider wirkt dadurch die Figur der Judy ein bisschen zu unrealistisch (ein Paradox im Zusammenhang mit einem Lee-Roman!) und zu übertrieben. Sie kann scheinbar alle Sprachen und weiß alles, ist eine Theologieexpertin, zufällig hat sie sich auch mit den Ideologien beschäftigt, die man beim Zusammentreffen mit den Dorfbewohnern kennen sollte. Ein bisschen zu viele Zufälle, ein bisschen zu stark wurde hier konstruiert, was einen doch hin und wieder enttäuscht und beinahe genervt aufstöhnen lässt.

Mit „Golem“ hat Lee nicht nur ein vergleichsweise zahmes Buch geschrieben, sondern bietet auch einen tiefen Einblick in jüdische Religion und Mythologie. Ein schöner Ausflug in eine andere Welt, wo sich gerade doch alle nur über den Islam unterhalten.

Edward Lee gilt als einer der besten Hardcore-Horror-Autoren der Welt. Unter anderem von ihm erschienen sind: „Monstersperma“, „Der Höllenbote“ und „Incubus“.

4/5

Edward Lee – Golem
Festa Verlag 2014
281 Seiten
ebook: 4,99 €
Broschiert: 13,95 €
Amazon
Festa Verlag

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