Buch: Gustav Meyrink – Der Golem


Der Erzähler schläft beim Lesen ein und träumt davon, der Gemmenschneider Athanasius Pernath zu sein. Dieser lebt im Prager Ghetto Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Fremder taucht bei ihm auf und lässt einen Folianten zurück mit dem Auftrag, das „I“ des Kapitels Ibbur (Seelenschwängerung) zu restaurieren. Danach ist nichts mehr wie zuvor, denn Pernath wird in Intrigen verwickelt und kann nicht immer zwischen Halluzination und Wirklichkeit unterscheiden. Schließlich taucht der Golem wieder auf, der früher bereits das Viertel in Angst und Schrecken versetzt hatte. Pernath gerät unter Mordverdacht und verstrickt sich noch weiter in seine unsteuerbaren Traumwelt.

Der Golem ist ein Klassiker der phantastischen Literatur und schwer zusammenzufassen, ohne zu viel zu verraten. Nun kann man sich fragen, ob man bei solch alten und bekannten Werken überhaupt die Spannung nehmen kann, aber auch Rezensionen über diese Bücher sollen ja zur Lektüre ermutigen. Gustav Meyrink hat mit dem Golem ein Genre bedient, das man heutzutage als festen Bestandteil jeder Buchhandlung finden kann, was zu Zeiten der Entstehung, ca. 1913, nicht der Fall gewesen ist. Phantastische Literatur war aber bereits damals ein Begriff und keinesfalls ein Novum. Wer auf den Grusel der neueren Bücher hofft, wird allerdings enttäuscht. Meyrink setzt sich mit anderen Dingen auseinander und macht grandiose Ausflüge in die Philosophie und religiöse Anschauungen. Vielleicht macht das Buch dem ein oder anderen Leser auch Lust, sich ein bisschen mehr mit Ibbur, Kabbala und dem Judentum zu beschäftigen. Wenn man sich alleine auf die Spuren des Golem-Mythos begibt, findet man viel weiterführende Literatur und Hinweise.

Zurück zum Buch. Man muss sich natürlich etwas an die Sprache gewöhnen, die sich von der meisten Literatur des 21. Jahrhunderts unterscheidet. Gleichzeitig hilft sie aber auch, dass man wegkommt von der heutigen Zeit, von Internet und der Vernetzung, und sich viel einfacher in das Prag um 1890 rum einfinden kann. Hat man das aber getan, kann man sich wunderbar von der Geschichte um Pernath und seine Halluzinationen fesseln lassen, hat Phantastik und einen spannenden Krimi in einem.

Man sollte sich auch mal etwas auf ältere Literatur einlassen, die keineswegs überholt ist. Man denke nur an Edward Lees Golem oder auch an andere Literatur, die sich mit dem Wesen aus Lehm befasst. Wer das Buch nicht mag, es wurde auch verfilmt.

4/5


Gutav Meyrink – Der Golem
Anaconda, 2006
Hardcover: 5,95 €
Ebook: kostenlos bei Amazon

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