Buch: Edward Lee – Gewürm


Eine Fotografin, die vor allem durch ihre sexuelle Anziehungskraft hervorsticht. Zwei Polychaetologen, Wurmforscher, die sie begleiten sollen. Eine Insel, die früher ein Army-Stützpunkt war und heute ein beliebtes, wenngleich verbotenes, Ausflugsziel für Studenten ist. Das klingt romantisch, wären da nicht Würmer und deren Eier, die die Insel bevölkern – und bald auch die Menschen …

Edward Lee ist bekannt für Extreme Horror und seine Splatter, die nicht nur Sex und Crime beinhalten, sondern auch gerne recht fundierte Aussagen und Informationen über ein bestimmtes Thema. Wie sehr sich der Autor mit Polychaetologie befasst haben muss, wird rasch deutlich, wenn das Forscherteam auf die Insel kommt. Detaillierte Informationen und viel Hintergrundwissen werden dargebracht, so dass man bald auf einem guten Stand der Dinge ist. Was langweilig klingt, sorgt irgendwann im Verlauf der Geschichte für einen gewissen Spannungsbogen, denn die Rätsel, vor denen die Wissenschaftler stehen, werden plötzlich deutlich und auch als Leser fragt man sich: Was ist das und wie kann das sein? Zwischendurch brilliert Lee mit seinem typischen Gemisch aus Sex und Blut, aus ekelhaften Szenen, die zwar recht kurz gehalten sind, aber es ist ja auch kein Extreme Horror. Gegen Ende hin gibt es Auflösungen aller Fragen, manches lag ganz deutlich vor einem, aber man hat einfach keine Verbindung hergestellt.

Das einzige, was der Leser verkraften muss, sind die letzten einhundert Seiten mit der Auflösung. Ob man die Lösung gut oder schlecht findet, muss jeder für sich entscheiden. Ich war enttäuscht, muss ich gestehen, weil ich doch etwas anderes erwartet hätte. Es ist die einfache Lösung für das Buch, aber auch eine etwas enttäuschende. Für mich geht das gesamte Werk ein bisschen in Richtung Bighead (ich mag hier nichts vorwegnehmen, wer beide Bücher kennt, wird wissen, warum ich die Enden beider vergleiche), wenngleich Gewürm deutlich mehr zu bieten hat und nicht ganz so flach auf Sex und Gewalt ausgelegt ist

Gewürm ist dennoch ein typischer Lee, den ich Fans von Lee, Horror und diesen schönen Z-Movies, den Splattern, in denen es immer irgendwelche genmanipulierten, aggressiven Viecher gibt, empfehlen kann. Das Buch erinnert ein bisschen an Nick Cutters Das Camp oder auch an Fred Inks Interitus Vermibus – zwei Empfehlungen, wenn einem Gewürm gefallen hat.

4/5

Edward Lee – Gewürm
Festa Verlag, 2016
464 Seiten
Ebook: 4,99 €
Taschenbuch: 13,95 €

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