Buch: Christiane Gref – Die Blutlüge


Jürgen Tessnow durchlebt eine kalte, traurige Kindheit als sehr introvertiertes Kind, das in jüngsten Jahren einen Mord mit ansehen muss. Sein Bruder Bernhard kommt ins Gefängnis, wo er Suizid begeht. Tessnow absolviert eine Tischlerlehre und geht auf die Walz, denn das Wandern gefällt ihm. Doch Bernhard und das Monster verfolgen ihn und immer wieder fehlt ihm die Zeit. Danach tauchen Polizisten auf und befragen ihn zu Morden, an die er sich nicht erinnern kann.

Die Blutlüge zeichnet ein trauriges und gleichsam grausames Bild eines jungen Menschen, der unter Wahnvorstellungen und Schizophrenie leidet. Wenn man nicht wüsste, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht und es Tessnow wirklich gegeben hat, könnte man es für einen ganz gelungenen Krimi halten. Aber Immer wieder muss man sich vor Augen führen, dass Tessnow wirklich diese Menschen getötet und verstümmelt hat. Protokolle der Verhandlungen und der Gespräche mit Psychologen belegen, wie es um sein Seelenleben und seine geistige Gesundheit stand. Christiane Gref hat die Dokumente gut aufbereitet und in einen spannenden Roman verpackt. Der Leser kann mitfühlen, kann verstehen, was in dem Protagonisten vorgeht – auch wenn Gref den Bruder Bernhard erfunden hat, um die Krankheit Tessnows besser darstellen zu können. Es ist ihr perfekt gelungen, die Schizophrenie aus Sicht des Schizophrenen zu beschreiben, nachempfinden zu lassen, was Jürgen Tessnow durchstehen musste, was er selbst nicht verstehen konnte.

Während der Lektüre fragt man sich immer wieder, wie geht es denn aus? Tessnow droht die Todesstrafe. Heute ist das in Deutschland nicht mehr möglich und die Psychotherapie ist erheblich fortgeschritten. Man weiß um Schizophrenie und andere Geisteskrankheiten und Täter werden oftmals als schuldunfähig deklariert. Doch damals, Anfang des 20. Jahrhunderts war das anders.

Die Reihe über wahre Verbrechen des Gmeiner Verlags hat es in sich. Vergessene oder auch kaum beachtete Täter werden in den Mittelpunkt gerückt, ihre Geschichten noch einmal erzählt. Jürgen Tessnow, der begnadete und leider verrückte Tischler hat Kinder ermordet und ihre Leichen grausam verstümmelt. Unentschuldbare Verbrechen. Doch Tessnow hatte seine eigene Hölle, aus der ihn niemand befreien konnte. Ein lesenswertes Buch, spannend, ernst und ein Stück deutscher Kriminalgeschichte.

5/5

Christiane Gref – Die Blutlüge. Jürgen Tessnow
Gmeiner Verlag,  2016
281 Seiten
Taschenbuch: 12,99 €

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