Buch: Juliane Beer – Selbst gerächt


In Berlin liegen Zwangsräumungen an der Tagesordnung und nach dem Tod einer alten Frau, die ihre Zwangsräumung wortwörtlich nicht überlebt hat, wollen vier junge Frauen etwas ändern und den Verantwortlichen einen Denkzettel verpassen. Was sie tun, ist schwere Körperverletzung, aber es sind Denkzettel, die die Miethaie und Immobilienmakler verdient haben. Doch dann kommt auch noch ein richtiger Mord dazu und die Vier müssen sich stellen, um jeden Verdacht von sich abzuwenden.

Die Mieten steigen, viele Menschen sind auf Beihilfe vom Staat angewiesen, aber keiner tut effektiv etwas gegen die steigenden Kosten. Da helfen auch die Mietervereine nichts, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Beer lässt immer wieder eine Politik und Meinungen durchblitzen, die mir als Leser irgendwann gehörig gegen den Strich gehen. Die verdeckte Ermittlerin macht irgendwas, was dem Leser nicht mal logisch erscheint, arbeitet gegen die Polizei und hat dort eigentlich nichts zu suchen. Besetzte Häuser toll zu finden und jede Polizeiaktion als Schikane abzustempeln, lässt einen dann doch ein bisschen am Verstand zweifeln. Klar, Punksein war mal geil, damals, als es noch richtige Punks gab, die wirklich für etwas gekämpft haben. Heute ist es eine lächerliche Gruppierung, wie die meisten Gruppen, die aus dem Boden der Gesellschaft sprießen und wieder ersterben. Irgendwann werden wir alle erwachsen und stellen fest, dass das Leben uns fordert und wir unsere Ideale zwar hochhalten können und auch sollen, aber bitte etwas überlegter als früher, als wir noch jung waren und die Welt noch nicht kannten.

Selbst gerächt ist mir zu einseitig und zu links. Ein ganz netter Zeitvertreib mit einer vielleicht überraschenden Wende, aber nicht der Knaller des Krimidschungels. Das Humorvolle, das im Klappentext angekündigt wird, sucht man vergeblich, weder Ironie und noch schwarzer Humor erhalten ihren Auftritt, lediglich Vorurteile, Verurteilungen und Kritik. Ein großes Fragezeichen – oder vielleicht ist das der Humor des Buches – stellt die militante Verwendung der femininen Formen bis etwa zur Hälfte des Buches. Selbst wo es nicht mal im Zusammenhang passt, werden einfach weibliche Endungen verwendet. „Passantinnen“, weil Männer nicht zu Fuß gehen. „Die Damen und Herren Spekulatinnen“, weil Sammelbegriffe ja maskulin sind und das geht einfach mal gar nicht.
Einen Punkt Abzug gibt es für die Verwendung des Deppenapostrophs, denn so etwas kotzt mich als Leser mehr an als alle Kommata- und grammatikalischen Fehler, die im Buch stehengeblieben sind.

2/5 (ohne Deppenapostroph wäre es eine 3 geworden)

Juliane Beer – Selbst gerächt
Periplaneta, 2017
114 Seiten
Taschenbuch: 10,00 €

Stage Reptiles danken Periplaneta für das Rezensionsexemplar.

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