CD: Bruce Mississippi Johnson – The Deal Baby


Bruce Mississippi Johnson – bis dato noch nie gehört, den Namen, aber als uns eine Anfrage nach einer Rezension ins Haus schneite, machte ich mich mal schlau und fand einiges an Vorbildern, die sich der Gute zu Herzen genommen hatte, und aus diesem Konglomerat dann seinen eigenen Stil entwickelt hat. Ein Ex-US Marine, der als Kind schon in der Kirche seines Großvaters gesungen hatte und später in der Plattensammlung seines Vaters die großen Namen Al Green, Jackie Wilson, Lou Rawls und Gil Scott Heron entdeckte. Als Johnson das mitsang, entdeckte er, dass er richtig singen konnte. Nach seiner Zeit als Marine strandete er in Paris und als er mit seiner Band einen Wettbewerb gewann, der von keiner geringeren als Nina Simone in der Jury geleitet wurde, hatte er die Chance, eine erste Single aufzunehmen. Anschließend konnte er in der Band von Big Joe Turner singen. Mit dessen Keyboarder verstand er sich sehr eng und so entstand sein neuer erdiger Stil, in dem er seine erste CD The Deal Baby aufnahm. Diese dreht sich jetzt seit einigen Tagen im Player.

Los geht’s mit einem Intro, „Let it rain“ betitelt, welches einem unweigerlich in die souligen Gefilde Anfang der Siebziger abtauchen lässt. Die sanfte Baritonstimme Johnsons erinnert unweigerlich an Barry White. Schwebende Orgelklänge aus einer Hammond grooven vor sich hin. Song Nummer zwei ist der Titeltrack der CD, „That’s the Deal Baby“, der auf einen langsamen, soulig-funkigen Rhythmus  aufgebaut ist, über den ein honkytonkartiges Piano und ein geslappter Bass die Leadparts darstellen. Weiter geht’s im funky Stil, diesmal schneller gespielt. „I can’t shake the Blues“ könnte durchaus auch auf einer Scheibe von Keziah Jones oder Seal zu finden sein. Dezent eingesetzte Töne einer Bläsersektion runden das Gesamtbild ab. Jetzt wird’s langsam und bluesig … „Years, Tears“ – eine soulige Bluesnummer, die einem an die Schieberrunden auf den Tanzflächen der Siebziger- und Achzigerjahre denken lässt. „You been workin‘ Mojo“ lebt gleich zu Anfang von der schönen Schweineorgel im Stile eines Billy Preston. Etwas Jazzeinschlag zeigt uns „I’m gonna bring your Game down“. Die jazzige Gitarre, die einen an George Benson denken lässt, in Verbindung mit der Orgel, die im Stile von George Duke gehalten ist, lässt keinen kalt. Gesanglich anlehnend kommt einem auch manches Mal Stevie Wonder in den Sinn. Und immer wieder machen das herrliche Zusammenspiel aus Orgel, fein akzentuierter Gitarre und dezenten Bläsern das Ganze rund. Jetzt wird’s wieder schneller, als die ersten Töne von „Freak on or die“ ertönen. Funkig modern klingt das und lässt einen mitwippen. Bluesig wird’s mit „No good“, schön garniert mit wieder dieser feinen Jazzgitarre. „I’ll bleed“ galoppiert im leichten Funk durch die Boxen. Fette Bläser und eine knackige E-Gitarre bilden den Einstieg zu „The Neighbour next Door“. Schön zu hören ist der knackige Bass, der aber nicht zu aufdringlich wird. Lässt mich manchmal an Stanley Clarke denken. Die Sologitarre, die manchmal reinfährt, ist ein willkommener Akzent. Bluesig wird’s gegen Ende der Scheibe, als die ersten Töne von „See you tomorrow“ ertönen. Das Eingangsthema des Intros bildet auch den Schluss von The Deal Baby. „Let it rain (Outro)“ wiederholt das Thema aber auf eine andere Weise. Nur mit Klavier gespielt, sparsam mit Gitarrenklängen durchsetzt und akzentuiert von der souligen Barry White Stimme bildet es einen schönen runden Abschluss.

Fazit: Das Rad neu erfunden hat Bruce Mississippi Johnson Gott sei Dank nicht. Er verlässt sich lieber auf die Einflüsse seiner berühmten Vorbilder und damit hat er auch vollkommen Recht. Die großen Namen konnten es einfach, also warum anders machen. Wer jetzt unbedingt den Mega-Knaller-Super-Hit auf The Deal Baby sucht, wird mit Sicherheit nicht fündig werden. Stattdessen erwartet den Hörer eine durchgehend stimmige Scheibe mit bluesiger, souliger Lounge-Musik, die schwermütigen Soul ebenso beinhaltet, wie erdigen Knackfunk mit einem feinen Jazztouch. Die ganze CD ist unaufdringlich und das ist gut so.

4 / 5

Bruce Mississippi Johnson – The Deal Baby
Label: Independent; 2017
MP3: 10,69 €
Amazon

Tracklisting:
01 – Let it rain  (Intro)
02 – That’s the Deal Baby
03 – I can’t shake the Blues
04 – Years, Tears
05 – You been workin‘ Mojo
06 – I’m gonna bring your Game down
07 – Freak on or die
08 – No good
09 – I’ll bleed
10 – The Neighbor next Door
11 – See you tomorrow
12 – Let it rain  (Outro)

Homepage / Facebook: Bruce Mississippi Johnson

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