Buch: Tim Miller – Die Verdammten des Himmels


Was geschieht eigentlich, wenn die Bibel ihre Versprechen wahrmacht und das  Armageddon wirklich über die Welt hereinbricht? Kommen die Apokalyptischen Reiter, werden 144.000 gerettet und der Rest geht unter? Pastor Charlie glaubt daran, ebenso an den Gott in Form der Dreifaltigkeit aus der Bibel. Bis ein Bischof in die Stadt kommt, Menschen sterben und die Welt untergehen soll – aber ganz anders, als die Bibel es prophezeit hat…

Tim Miller hat mal Theologie studiert – dass er danach Manuskripte verfasst hat, wie Familienmassker oder auch Die Verdammten des Himmels (letzteres eigentlich drei Manuskripte, die zu einem Band zusammengefügt wurden), mag erstaunen. Ganz ehrlich: Ich feiere den Mann! Mit diesem Thriller hat er ein fantastisches, mitreißendes Buch geschrieben, das vor Sarkasmus und religiöser Kritik nur so trieft. Mit seinem Wissen macht er Theologie für all diejenigen interessant, die wenig damit am Hut haben. Der brave Pfarrer Charlie ist zwar gottesfürchtig, betätigt sich aber nebenbei als Serienkiller, zwar in Gottes Auftrag, wie er meint, aber immerhin gegen das Fünfte Gebot verstoßend. Die Begegnung mit Luzifer wirft einige Fragen auf, ein neuer Bischof noch mehr davon. Was zu Beginn ganz normal wirkt, das übliche Wissen abruft, das man über Gott und die Bibel hat, entpuppt sich bald als Farce und das, was es ist: Von Menschen geschrieben und gemacht. Miller schafft es, die Bibel und die gesamte Theologie auf den Kopf zu stellen. Was wäre denn, wenn alles doch ein wenig anders wäre? Diese Idee weiterzuspinnen hat ihm sichtlich Spaß gemacht und er hat sie in ein tolles Buch gepackt. Nach dem ersten Teil rast die Geschichte allerdings und holt kaum noch Luft. Kurzzeitig tauchen Gleichgesinnte auf, die Charlie unterstützen könnten, wären sie nicht etwas egoistisch und feindlich gesinnt. Schade, dass diese auch schnell wieder verschwinden, denn das hätte man ausbauen können. Der Endkampf ist schnell, der Teil kurz. Das ist schade und muss ich dem Autor leider auch ankreiden: Teil zwei und drei sind hingekleckst, anstatt hier noch mal aus dem Vollen zu schöpfen. Da wäre sicherlich mehr möglich gewesen. Das Ende aber … gelungen!

Trotz des Lobes möchte ich dem Buch am liebsten 0 Punkte geben. Das liegt an Übersetzer und Lektorat und ist für mich unverzeihlich. Der Genetiv von Jesus ist nicht Jesus‘! (Anm. d. Red.: Auch wenn das im Duden entsprechend als Alternative angegeben ist, ist es für mich immer noch ein No-Go. Da sprechen ein Theologiestudium und eine humanistische Bildung einfach dagegen. Sorry.) Als ich das zum ersten Mal entdeckte hatte, wollte ich das Buch sofort in den Müll werfen, denn es darf vieles passieren und klar verzeiht man übersehene Rechtschreibfehler, auch mal eine schlechte Übersetzung, aber nicht so etwas. Daher gibt es einen Punkt Abzug, aber eine klare Leseempfehlung für eine geniale Idee mit toller Umsetzung, die dann etwas nachlässt.

4/5

Tim Miller – Die Verdammten des Himmels
Festa Verlag; 2016
448 Seiten
Taschenbuch: 13,95 €
Amazon

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