Buch: Rich Cohen – Die Sonne, der Mond & die Rolling Stones


Noch ein Buch? Noch eine Biographie? Gibt es irgendein Detail aus dem Leben der größten Rock’n’Roll Band der Welt, welches noch nicht mit dem Mikroskop ausgeleuchtet und in allen Sprachen der kompletten Welt mitgeteilt wurde? Rich Cohen, Schreiberling beim amerikanischen Rolling Stone, ein 1968 Geborener, hat den Aufstieg der Band nicht selbst miterlebt. Er muss sich auf bekannte Fakten verlassen, wenn es um die Anfangstage der Band geht. 1994 hat Cohen die Chance mit den Stones auf Tournee zu gehen und sozusagen ihr Tourneetagebuch zu schreiben. Als Stones-affiner seit Ende der 70er Jahre habe ich sowohl alle Platten der Band mit den jeweiligen Solo-Exkursionen in meiner Sammlung sowie an die 50 Bücher in meinem Regal stehen. Ich hab mit Mick Taylor Witze gerissen und mit Ronnie Wood philosophiert … beide im Vollrausch, auf dem Boden einer Münchner Diskothekentoilette sitzend. Ich weiß also sehr vieles über die Band. Erwartet hatte ich bei der Lektüre des Buches eigentlich den Hauptschwerpunkt auf der 94er Tour. Stattdessen ging es gleich beim Anfang los. Die Stationen über Dartfort, Little Boy Blue & The Blue Boys, Edith Grove, Crawdaddy Club weiß man … trotzdem nimmt einem das Buch durch den Schreibstil von Cohen von Anfang an gefangen. Man merkt seine Liebe zur Band und vor allem zur Musik der Rolling Stones. Fakten beschrieben und erzählt wie ein Roman, in dem man selber mitspielt. Man ist beim Lesen mittendrin in der Geschichte. Zwischendrin versteht es Cohen sehr gut, umzuschwenken in die Zeit der Tourbegleitung und trotzdem bald wieder in die chronologische Reihenfolge einzubiegen. Speziell Keith hat es ihm angetan. Der knorrige alte Wurzelstock, der immer noch grün austreiben kann – wenn er will. Der seltsame Humor eines Charlie Watts, den man erstmal kapieren muss, um zu begreifen, wenn Charlie einen mag. Mick Jaggers Unterschied, wenn er einerseits nur ein Teil der Glimmer Twins ist, aber andererseits als aktiver Teil einer Filmproduktion mitverantwortlich ist. Rich Cohens Schreibstil ist trotz erzählter Fakten so flüssig zu lesen wie ein Roman – in dem man selbst mitspielt. Zu bildhaft und deutlich kommt einem so manche Begebenheit beim Lesen vor. Trotz zigfach bekannter Fakten lernt man immer wieder neue Kleinigkeiten kennen.

Manch einem mag der etwas seltsam anmutende Buchtitel verwirrend vorkommen. Was haben jetzt Sonne, Mond und Stones in einem Atemzug gemeinsam? Auf der Tourbegleitung wurde Cohen von einem Stone gefragt, wann er geboren ist. Auf Cohens Antwort „1968“ wurde er von der Frage überrascht. „Wie ist das, wenn man in eine Welt hineingeboren wird, in der die Rolling Stones schon da waren? Alles gab’s schon … die Sonne, den Mond und die Rolling Stones„. Eine kleine Antwort auf diese Frage mag dieses mit Liebe geschriebene Buch liefern. Die meisten von uns Lesern sind zu spät geboren, um die ersten Tage der neuen Band miterlebt zu haben. Alles war schon da – Die Sonne, der Mond, und die Rolling Stones.

5 / 5

Rich Cohen – Die Sonne, der Mond & Die Rolling Stones
btb Verlag, 2018
528 Seiten
Taschenbuch: 11,00 €
Amazon

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