Buch: Hans Fallada – Jeder stirbt für sich allein


Schreinermeister Otto Quangel verliert seinen Sohn an der Front. Bisher war die Familie eher unpolitisch, Otto selbst nicht in der Partei, was ihm den beruflichen Aufstieg verhinderte. Doch nach dem Tod des Sohnes plant er, denunzierende Karten zu schreiben und zu verteilen, um die Leute auf Hitlers Untaten aufmerksam zu machen. Die ersten Karten tauchen auf und die Gestapo steht vor einem Rätsel: Wer hat sie geschrieben, wer verteilt sie und wie man den Täter dingfest machen kann. Der Kreis um Otto Quangel zieht sich immer weiter zu …

Der Roman Jeder stirbt für sich allein wurde von Fallada im Jahr vor seinem Tode 1947 in nur vier Wochen verfasst und behandelt die wahre Lebensgeschichte von Otto und Elisa Hampel aus Berlin. 2011 übersetzte man den Roman neu und in Deutschland wurde die ungekürzte Originalfassung veröffentlichz. In kürzester Zeit avancierte das Buch zum Bestseller in mehreren Ländern.

Die Geschichte ist so trist und hoffnungslos wie nahezu alle Romane über die NS-Zeit, die vom Widerstand erzählen. In grauen Farben und ohne Hoffnung oder Aussicht auf Erfolg schildert Fallada den Widerstandsversuch der Quangels, die mit dem Tod des Sohnes nur schwer zurechtkommen. Der Protagonist geht dabei recht geschickt vor und weiß sich zu helfen und zu schützen. Es sind eher eine Unachtsamkeit und ein dummer Zufall, die ihn auffliegen lassen. Vor der Verhandlung treffen die Eheleute noch einmal aufeinander. Anna möchte gemeinsam mit ihrem Mann sterben, zumindest doch zur selben Stunde. Inhaftiert und zum Tode verurteilt hofft sie darauf, ihren geliebten Ehemann noch einmal wiederzusehen. Fallada ergeht sich hier gar nicht erst in einer ausführlichen Beschreibung ihrer Sehnsucht, sondern erwähnt sie, fast wie selbstverständlich . Die Tragik wird durch etwas anderes deutlich: Fromm ist ein pensionierter Richter, der im selben Haus wie die Quangels wohnte und beiden jeweils eine Ampulle mit Gift zukommen lassen kann. Anna wirft eben diese – vielleicht erlösende – Kapsel weg, in der Hoffnung, ihren Mann noch einmal zu sehen. Otto freundet sich mich seinem Zellengenossen an, ein Dirigent, der ihm das Schachspiel lehrt und damit einen Weg, seinen Frieden zu finden. Die Giftampulle schluckt Otto zu spät.

Es ist ein Fall, der hier beschrieben wird, dabei gab es so viele Versuche, sich gegen Hitler und das Naziregime aufzulehnen. Fallada urteilt nicht, er beschreibt nur und gibt dem Leser dadurch die Chance, selbst zu begreifen. Das Buch fesselt und nimmt einen unglaublich mit. Gerade das Ende lässt den Leser noch eine Weile still verharren. Und plötzlich ist der Titel des Buches auch noch mal ganz groß vor Augen: Jeder stirbt für sich allein und muss diesen Weg alleine gehen – während die ständige Angst, der geheime Kampf und das gegenseitige Hoffnungmachen noch gemeinsam verlaufen konnte. Der Roman gilt als erstes Buch eines deutschen Schriftstellers über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der nicht emigriert ist. Absolut lesenswert.

5/5

Hans Fallada – Jeder stirbt für sich allein
Aufbauverlag, 2011
704 Seiten
Broschur mit 11 Abbildungen: 12,99 €
Aufbau Verlag

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