Festa: Dark Romance


Könnt ihr euch noch an Buffy und Angel erinnern? An diese Vampire und die Jägerinnen, die sich dann ineinander verliebten und als Mädchen stand man auf den tragischen Bösewichtvampir Spike und machte sich seine eigene Dark Romance-Geschichte daraus? Nun ja, Buffy ist einige Jahre her, viele kennen sie nicht (mehr) und Dark Romance hat sich trotzdem gehalten bzw. weiterentwickelt. Es ist ein ganz typisches Phänomen: Frauen erträumen sich tragische, düstere Liebesgeschichten, die nicht immer so zwanglos ablaufen, wie man sich das vielleicht wünscht und die vor allem nicht nur kitschig-rosa sind. Die Stories durchbrechen die alten Grenzen und reißen die festgeschriebenen Mauern der herkömmlichen Romanzen a la Rosamunde Pilcher ein. Früher nannte man sowas dennoch Liebesroman und Kenner sprachen vom Entwicklungsroman, denn eigentlich geht es genau darum. Die Protagonistinnen machen eine Entwicklung durch, die der Leser – meistens die Leserin – nachvollziehen und durchleben kann. Dabei liegt eine Liebesgeschichte zugrunde, die nicht immer rosig und happy sein muss, die sich vor allem aber sehr viel mit Sexualität auseinandersetzt. Da gibt es einen Unterschied zur pornografischen Literatur, den man ansprechen muss: Zwar werden sexuelle Handlungen gerne auch mal ausführlich beschrieben, stehen aber nicht im Mittelpunkt des Romans und vor allem nicht wahl- und zusammenhanglos hintereinander gereiht. So heftig die beschriebenen Sexszenen auch sein mögen, das Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung der Protagonistin. Diese ist anfänglich gerne die scheue Unschuld vom Lande, die bestenfalls noch keinerlei sexuelle Erfahrungen gemacht hat und vom Schwarm – oder auch mal Wildfremden – verführt und in die Geheimnisse der sexuellen Begierde eingeführt wird. Das kann gerne recht romantisch starten, wird aber bald heftig, drastisch und nicht selten in Verbindung gebracht mit BDSM-Erfahrungen. Kennt man? Aber auf jeden Fall doch. Man denke kurz an den Film Secretary und ganz böse kann man Fifty Shades of Grey auch in das Genre packen, wenn man schon dabei ist, neue Genres zu kreieren. Im Übrigen fällt ebenfalls auf, dass viele Dark Romance Stories auf Vampirgeschichten basieren. Der absolut supersexyheißedurchtrainierte Megavampirladykiller verliebt sich in sein unschuldiges, jungfräuliches Opfer, eine blutjunge, GNTM-artige Elfe, die ihm verfällt und die er verschont – vielleicht macht der Glitzervampir sie dann auch gleich zur Vampirette, wer weiß das schon?

Das klingt jetzt etwas böse, ja, aber Dark Romance ist ein Genre, das eine schmale Sparte Leser absolut begeistert, vom Rest wird solche Schmonzette gerne mal belächelt. Dennoch kann man nur empfehlen, auch diesem Genre eine Chance zu geben und zumindest mal in ein Buch reinzulesen. Vielleicht gefällt es ja doch oder man kann hinterher aus eigener Erfahrung sagen: Danke, aber nein danke.

Der Festa Verlag hat Dark Romance als neue Kategorie angelegt und auch gleich mit seinen beliebten Reihen begonnen. Da der Trend aus den USA kommt, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Verlag sich diesem annimmt. Begonnen hat es mit der Tess-Reihe von Pepper Winters und wir werden euch später noch die Rezension dazu liefern. Vorher sei aber noch verraten: Es gibt auch die CJ Roberts-Reihe Finsternis und mittlerweile sieben angekündigte Bände aus der Kategorie Dark Romance, die man natürlich auch im Abo beziehen kann, um nichts zu verpassen.

Alle Infos findet ihr wie immer auf der Homepage des Festa Verlags.


Rezension: Pepper Winters – Tears of Tess. Buch 1

Tess wird Opfer eines Frauenhändlers, der ohne Skrupel wunderschöne und vor allem noch jungfräuliche Mädchen auswählt, um diese zu erziehen. Anschließend werden die Mädchen an einen Millionär verkauft, der sie als Sexsklavinnen hält und nach seinen Wünschen und Vorlieben erzieht…

Für Tess ist es eine Reise, die voller Spaß, Spannung und Sex sein sollen. Die junge Australierin hegt im Geheimen sexuelle Fantasien, die sie bisher nie ausleben konnte und die sich ganz krass vom Blümchensex unterscheiden. Doch bisher fehlte einfach der Partner, der sich darauf eingelassen hat. Als Tess von Q gekidnappt wird, erfährt sie neben der Angst und schieren Panik, von der sie ergriffen ist, da sie Angst um ihr Leben hat, dass es auch andere Menschen gibt, die sexuelle Fantasien jenseits des Mainstream haben und diese auch ausleben. An ihr. Natürlich ist der neue Besitzer das komplette Gegenteil ihres bis dato Partners Brax, das versteht sich von selbst. Nach anfänglichem Zögern beginnt Tess dann auch, die teilweise drastisch beschriebenen Sexszenen zu genießen, oder doch nicht? Die plötzliche Erfüllung der geheimen Wünsche und Übertretung sämtlicher Grenzen macht ihr Angst und stürzt sie in Chaos ihrer Gefühle, Gedanken und Moralvorstellungen. Wie kann ihr etwas gefallen, das so verwerflich ist? Schließlich geschieht es doch gegen ihren Willen und ihre Einwilligung, aber es macht Spaß, selbst dann, wenn Q die Grenzen ihrer Fantasie durchbricht.

Im Übrigen sei eine kurze Frage an Emanzen, Frauenrechtler und jene gerichtet, die gegen die Unterdrückung des schwächeren Geschlechts einsteht: Eigentlich müsstet ihr viele Dark Romance Bücher und vor allem Geschichten wie Tess absolut verdammen und kritisieren. Genauso wie die komplette BDSM-Sparte, die ohne Schmerz, körperlicher Züchtigung und Unterwerfung bis hin zum Bruch des Willens gar nicht auskommt. Über die Freiwilligkeit des Ganzen auf der einen Seite und das Einverständnis, das schwäre Geschlecht mit allen Vorzügen zu sein auf der anderen Seite, sollte man nachgedacht werden.

Das Fazit fällt sehr gemischt aus. Einerseits ist das Buch gut und mitreißend, umfasst von einer Rahmenhandlung, die durchaus ansprechend und spannend ist. Andererseits ist mir die Story größtenteils zu vorhersehbar und – ein bisschen abfällig – in Richtung Shades of Grey gehend. Nein, BDSM und gewisse Fantasien sind nicht „in“, nicht einfach mal eben so ausprobierbar, es ist nicht plötzlich ein Muss im Bett, nur weil alle Welt darüber schreibt. In meinen Augen werden gewisse Dinge zu Praktiken degradiert, ohne auch nur ansatzweise zu begreifen, was dahintersteckt und was es mit einem Menschen psychisch machen kann. Mit 17 hätte ich Tess absolut genial gefunden und die Bücher verschlungen, mit 34 sind sie nett, aber es wird bei Band 1 für mich bleiben. Als Einstieg in Dark Romance an sich aber dennoch eine gute Wahl. Daher gibt es subjektiv 2 Sterne und objektiv 4 😉

4/5

Pepper Winters – Tears of Tess. Buch 1
Festa Verlag, 2018
528 Seiten
Taschenbuch: 13,99 €

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