Buch: Giuseppe Di Grazia – Wahre Verbrechen


16 Verbrechen, alle wahr, alle schonungslos offen zu Papier gebracht. In diesem Buch werden Delikte beschrieben, nicht blutrünstig und sensationslüstern, sondern sehr sachlich, sehr ruhig. Dabei kommt aber keine Langeweile auf. Die Fälle werden mit zahlreichen Fakten geschildert, Ermittlungsergebnisse und wie man den Tätern auf die Spur kam, werden scheinbar ungefiltert weitergegeben. Wer die Zeitschrift stern Crime kennt, wird hier einiges wiederfinden, was er schon kennt. Den Schreibstil, zwischen Sachtext und Prosa schwankend, der den Leser in die Geschichte hineinzieht, ihn ab und zu vielleicht auch ein bisschen aus der Realität herauszieht, denn: Dass es wahre Fälle sind, möchte man teilweise gar nicht wissen und lieber verdrängen. Keine Netflixserie und kein Stephen King Roman könnten mit dem wahren Leben mithalten, das wird einem immer wieder klar, je mehr man in die beschriebenen Taten hineinrutscht, sich zwischen den Zeilen verliert und am Ende erfährt, ob und wie man den Täter überführt hat – oder auch nicht. Denn nicht alle erzählten Fälle haben einen Abschluss gefunden, konnten aufgeklärt werden und die noch offenen Fragen zufriedenstellend beantworten.

Für die Fans der stern Crime Ausgaben, ist das Buch eine gute Zusammenfassung prägnanter Fälle aus dem Magazin. Gründer und Chefredakteur Giuseppe Di Grazia weiß, was die Leser erwarten, die unterschiedlichen Stile und Geschichten, Vermisstenfälle, Betrug, Mord. Das Buch lebt unheimlich von der gut ausgewählten Zusammenstellung und der unterschiedlichen Herangehensweise der Autoren. Jeder ist eingestiegen in den Fall, über den er schreibt, hat recherchiert, nachgehakt und zeigt auch manchmal die Hilflosigkeit, der sich Angehörige und auch Ermittler gegenübersehen.

Man kann gar nicht allzu viel über das Buch schreiben. Die Fälle sind alle bekannt, dem einen mehr, dem anderen weniger. Spoilern fällt also aus. Aber man möchte gar nicht so tief einsteigen, sondern jedem selbst überlassen, sich das Buch zu schnappen und einzutauchen in eine Welt voller wahrer Verbrechern, die schockierend, abscheulich und gleichzeitig unheimlich faszinierend ist.

Leser des stern Crime Magazins werden einige Wiederholungen finden, für die ist das Buch lediglich eine Ergänzung der Sammlung. Wer sich aber nicht alle etwa zwei Monate mit einer neuen Ausgabe ausrüstet, wird das Buch zu schätzen wissen.

5/5

Giuseppe Di Grazia – Wahre Verbrechen
Penguin Verlag, 2021
320 Seiten
Taschenbuch: 10,00 €

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