Buch: Isabel Abedi – Isola


„Zwölf Jugendliche, drei Wochen allein auf einer einsamen Insel vor Rio de Janeiro – als Darsteller eines Films, bei dem nur sie allein die Handlung bestimmen. Doch bald schon wird das paradiesische Idyll für jeden von ihnen zu einer ganz persönlichen Hölle. Und am Ende müssen die Jugendlichen erkennen, dass die Lösung tief in ihnen selbst liegt.“ (Quelle: Klappentext)

Big Brother is watching you. Das ist das Motto des Inselaufenthalts der Jugendlichen. Ein bisschen verwirrend ist es, weil man irgendwie nie so recht weiß, wie jugendlich die Personen eigentlich sind. Dieses Detail wirkt ein bisschen zu konstruiert an der Geschichte – oder man ist mittlerweile so verändert und an Reality-Shows gewöhnt, dass man eher an die heutigen TV-Formate mit eindeutig erwachsenen Darstellern denkt. Isola wurde aber 2010 geschrieben und da war manches noch ein bisschen anders – auch die TV-Landschaft war unschuldiger, denn außer Dschungelcamp, Big Brother und DSDS hatten wir nicht die breite Garde der Reality-Formate.

Isola ist für ein jüngeres Publikum geschrieben, aber auch ein spannender Jugendroman kann Erwachsene fesseln. Natürlich ist es kein blutrünstiger Thriller, aber ein fein konzipierter Spannungsroman. Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein, jeder hat ein Geheimnis, das nur nach und gelüftet wird. Dass aus dem entspannten Inselurlaub allerdings ein tödlichen Spiel wird, damit hat nun wirklich niemand gerechnet. Die meisten werden das Spiel „Mord im Dunkeln“ kennen, einer ist der Mörder, einer der Kommissar und die restlichen Mitspieler sind die Opfer, die nach und nach vom Mörder beseitigt werden, wenn das Licht ausgeht. So ähnlich ist es auch auf der Insel und das wiederum macht die Geschichte richtig spannend. Genauso wie die Figuren im Buch weiß nämlich auch der Leser nicht, wer den Zettel gezogen hat, der ihn als Mörder deklariert. Natürlich stirbt niemand wirklich, sondern wird nur in ein Versteck geführt und dort abgeholt. Die Show ist vorbei. Die Jugendlichen sind davon nicht begeistert, aber das ist egal. Wer aussteigt, verzichtet auf seine Gage – und das möchte nun doch niemand. Man erhofft sich durch die Teilnahme weitere Aufträge oder die große Karriere.

Abedi hat ein Händchen für Gruppendynamik und wie sie sich verändern kann. Wenn man zwölf Menschen zusammenschmeißt, egal welchen Alters, gibt es Konfliktpotential und Grüppchenbildung. Die Liebe bleibt nicht aus, die Eifersucht folgt auf dem Fuße. So auch auf der Insel, die aber noch ein Geheimnis birgt, das zunächst für die Gruppe gar nicht wahrnehmbar ist. Aber diese bedrohliche Atmosphäre wird für den Leser deutlich aufgebaut.

Ein Buch für Jugendliche und Erwachsene mit Spannung und Gesellschaftskritik, die vor allem auch heute im Dschungel der Reality-Shows noch einmal ganz neu betrachtet werden muss.

4/5

Isabel Abedi – Isola
Arena, 2010
328 Seiten

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